Präimplantationsdiagnostik: Neue Wege?

0

Wenn eine künstliche Befruchtung nicht zur Schwangerschaft führt oder eine Fehlgeburt eintritt, dann stellt sich die Frage, warum dies passierte und wie man einen solchen Misserfolg in Zukunft vermeiden kann. Bei den Einnistungsstörungen ist die Zahl unklar, jedoch weiß man, dass Fehlgeburten in der Hälfte bis zu drei Viertel der Fälle auf einen Chromosomenfehler des Embryos zurückzuführen sind.

Daher ist es naheliegend, die Erfolgsraten mit Hilfe der Präimplantationsdiagnostik (PID) zu verbessern. Dabei werden den Embryonen im 8-Zell-Stadium (also am dritten Tag nach der Eizellentnahme) 1-2 Zellen entnommen und die Chromosomen untersucht. Die genetisch normalen Embryonen werden dann in die Gebärmutter eingepflanzt.

Während viele Reproduktionsmediziner anfangs hofften, dass diese Methode die Schwangerschaftsraten deutlich verbessern könnte, wich diese Euphorie in der Zwischenzeit deutlich. Die großen englischsprachigen Fachgesellschaften (ASRM und British Fertility Society) raten mittlerweile sogar vom Gebrauch der Methode außerhalb von wissenschaftlichen Studien ab. Nicht zuletzt aufgrund einer niederländischen Studie, die bei Anwendung der PID sogar eine Verschlechterung der Schwangerschaftsraten feststellte. Diese Studie schlug ein wie eine Bombe, auch wenn sie von den Befürwortern der PID wegen methodischer Mängel kritisiert wurde. Allerdings mussten sich die Befürworter der PID den Vorwurf gefallen lassen, dass sie sich wesentlich intensiver um die Vermarktung der Methode gekümmert hatten als um ihre wissenschaftliche Absicherung. Dass die PID zudem auch die Selbstheilungskräfte des Embryos zwischen dem 8-Zell-Stadium und der Einnistung und Mosaikbildungen (= unterschiedliche Chromosomensätze in verschiedenen Zellen eines Embryos) nicht berücksichtigte, stellte nicht nur die PID, sondern auch den Zeitpunkt der Diagnostik in Frage. Weiterer Hauptkritikpunkt war die Tatsache, dass mit der üblichen Untersuchungsmethode lediglich ca. 8 Chromosomen untersucht werden konnten, die Mehrzahl jedoch ohne Diagnostik blieb.

Bei aller Kritik darf natürlich nicht vergessen werden, dass sie für Paare, bei denen eine Erberkrankung eines Partners vorliegt, oft die einzige Möglichkeit ist, ein gesundes Kind zu bekommen. Um diese Indikationen geht es bei dem oben Gesagten jedoch nicht.

Die PID ist tot, es lebe die PID?

Die Nachteile der PID am 3. Tag der Embryonalentwicklung können durch neue Techniken möglicherweise beseitigt werden. Mit der sogenannten „comparative genomic hybridisation“ (CGH) ist es möglich, alle 24 Chromosomen zu untersuchen. Kombiniert man diese mit einer Biopsie im Blastozystenstadium, also zu einem Zeitpunkt, an die Entnahme von Zellen für den Embryo weniger schädlich ist, dann hat man die oben genannten Nachteile vollständig beseitigt, denn auch die
Gefahr, durch ein Mosaik zu einer Fehldiagnose zu kommen, ist aufgrund des späten Entnahmezeitpunkts und der größeren Zahl an untersuchten Zellen wesentlich geringer. Nachteil: Die Blastozysten müssen jedoch bis zum Erhalt des Ergebnisses eingefroren werden.


Sicherlich sehr interessante Ansätze und vielversprechend. Es gibt Zentren in den USA, die bei Einsatz der CGH von Schwangerschaftsraten bis zu 80% berichten. Allerdings kenne ich Kollegen aus dem deutschsprachigen Ausland, die dies bis vor kurzem auch über solche Erfolgsraten berichteten. Nur mit Blastozysten. Jetzt jedoch nicht mehr. Hier wie dort ist es immer sinnvoll, solche Erfolgsmeldungen mit der Realität abzugleichen. Und gerade bei neuen Methoden gibt es immer die Anfangseuphorie, gefolgt vom ernüchternden Einsatz in der Routine (in Folge ihres Auftretens: GIFT, EIFT, Hatching, Embryoglue, IVM, IMSI).

Bevor diese Methode sich jedoch etabliert, wird sie möglicherweise schon von einer weiteren abgelöst: Mit der sogenannten „Chip-Technik“ kann man innerhalb kurzer Zeit bis zu 15.000 Gene in einem Embryo untersuchen, also einen echten „genetischen Fingerabdruck“ erstellen und nach Erbkrankheiten suchen.

Vielleicht ist es so, dass die PID als solche durchaus hilfreich ist, wenn man die richtigen Werkzeuge einsetzt. Die Grundidee (Aussuchen der „richtigen“ Embryonen) ist ja grundsätzlich logisch. Die aktuell gebräuchlichen Methoden verhalten sich im Vergleich zu den neuen Techniken so wie Keilschrift zu EDV-gestützter Textverarbeitung.



Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.