Wann führt Übergewicht zum PCO-Syndrom?

16

Nicht selten werde ich bei der Aufklärung einer Patientin mit PCO-Syndrom mit der Aussage konfrontiert, dass andere Übergewichtige problemlos Kinder bekommen und es daher eigentlich nicht am Übergewicht liegen kann Und ich solle mir bitteschön eine andere Erklärung für die Ursache des PCOS einfallen lassen.

Grundsätzlich ist das ja nicht falsch. Was also unterscheidet die Übergewichtigen mit Fruchtbarkeitsproblemen von jenen, die problemlos Kinder bekommen können? Ein bekannter Zusammenhang besteht zwischen dem Übergewicht, welches mit Insulinresistenz vergesellschaftet ist und der Sterilität.

Übergewicht in der Jugend führt häufiger zum PCO-Syndrom

Ein weiterer Grund scheint das Alter zu sein, ab dem das Übergewicht besteht. War die Frau bereits als Jugendliche übergewichtig, dann sind negative Einflüsse auf die Fruchtbarkeit wahrscheinlicher, so das Ergebnis einer aktuellen Studie an der mehrere Universitäten beteiligt waren.

In der Studie wurden 1.538 Frauen befragt, die sich wegen Übergewicht einer Operation unterziehen wollten. Das Durchschnittsalter der Frauen lag bei 44, der Bodymaßindex lag zwischen 33.8-87.3 kg/m(2)). Eine bemerkenswerte Obergrenze, wie ich finde.

Mit Hilfe von Fragenbögen wurden Informationen zur Vorgeschichte gesammelt, unter anderem auch zur Fruchtbarkeit. Es wurde auch explizit nach dem Vorhandensein des PCO-Syndroms gefragt. Besonders häufig trat das PCO-Syndrom bei den Frauen auf, die bereits im Alter von 18 Jahren deutlich übergewichtig waren. Entsprechend litten sie auch häufiger unter einem unerfüllten Kinderwunsch, als jene Frauen, die erst später im Leben zusätzliche Pfunde ansammelten.

Gosman GG, King WC, Schrope B, Steffen KJ, Strain GW, Courcoulas AP, Flum DR, Pender JR, Simhan HN
Reproductive health of women electing bariatric surgery.
Fertil Steril. 2009 Oct 6. [Epub ahead of print]



Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

16 Kommentare

  1. Monika schreibt

    Ich hab das PCO mit 13 Jahren diagnostiziert bekommen. Damals war ich rank und schlank und habe auch viel Sport gemacht. Die Kilos kamen erst als ich gearbeitet habe und fast den ganzen Tag gesessen bin (bei wenig Ausgleichssport aus Zeitmangel).

    Wirklich Übergewichtig bin ich erst seit den Hormonbehandlungen.
    Für mich hat der Text oben überhaupt keinen Wert, aber irgendwer fällt ja immer aus den Statistiken

  2. family09 schreibt

    Ich war leider bis auf ein paar wenige Jahre als Teenie auch Übergewwichtig. 2 Kinder habe ich dennoch bekommen können. Wobei ich bei dem ersten vorher regelmäßig die Pille nahm und nach 6 Monaten ohne Pille Schwanger wurde. Zum 2ten Wunschkind hat es aber schon deutlich länger gedauert mit Zyklen um die 3 Monate. Mein Sohn war 4 als meine tochter geboren wurde. Ich denke damals gab es deutliche Anzeichen für das PCO Syndrom was aber erst vor 2 Jahre wirklich festgestellt wurde zusammen mit der IR. Und eine erneute SS scheint fast unmögliche ohne Behandlung. Dennoch lassen wir nun der Natur freien Lauf und haben weitere Behandlungen ausgeschlossen. Das Metformin nehm ich aber trotzdem weiter ;o)
    LG Family09

  3. reaba schreibt

    fettzellen speichen nicht nur fett, sondern allen möglichen „unrat“ den der körper nicht braucht, weil es eben sehr viele schadstoffe in der umwelt gibt, die sich gern an fett binden.
    je eher man also damit anfängt ausgeprägt fettzellen zu haben, desto größer die menge der potentiell aufgelesenen stadstoffe und auch deren „einwirkzeit“ mit allen nachteilen auf die fertilität.
    PCO würde ich in dem sinne dann eher als symptom sehen: begünstigt durch die in den fettzellen gesammelten noxen reagieren die ovare polyzystisch und weil die ovare polyzystisch reagieren und der körpereigege hormonhaushalt durcheinander kommt, kommt es dann wiederum zu vermehrter fetteinlagerung/-ansammlung.
    teufelskreis.

    mir fehlt in dem artikel die beschreibung der wirkung von vermehrten fettzellen auf die fertilität -> was passiert in der fettzelle, was die fertilität möglicherweise beeinträchtigt?
    warum schränkt es einige frauen in fertiler hinsicht sehr ein, andere wiederum nicht oder kaum..?

  4. Sulaika schreibt

    Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass ich noch nie in meinem Leben einen geregelten Zyklus hatte, auch nicht in meiner Teeniezeit, als ich auf 1,73 65 kg auf die Waage brachte.
    Mein Gewicht stieg erst nach meinen Zyklusproblemen, die sich dann als PCO Syndrom herausstellten.

    Also auf mich trifft diese Theorie keinensfalls zu.

  5. Regina82 schreibt

    Auf mich trifft es leider zu.

    Wurde schon mit 11 J. übergewichtig und mit 14 J. war mein Zyklus extrem gestört, dass mir die Pille verschrieben wurde.
    Hatte vermutlich damals schon PCOS.
    Ist leider erst diesen Sommer diagnostisziert worden.
    Aber nun kann es mit der richtigen Behandlung vorwärts gehen.
    Nur mit 21 J. war ich für ein halbes Jahr im Normalgewicht, davor und danach kämpfe ich noch immer mit dem Übergewicht.

  6. Elmar Breitbach schreibt

    Nur nochmal zum expliziten Verständnis des obigen Textes. Dort steht „Besonders häufig trat das PCO-Syndrom bei den Frauen auf, die bereits im Alter von 18 Jahren deutlich übergewichtig waren

    und nicht
    Immer trat das PCO-Syndrom bei den Frauen auf, die bereits im Alter von 18 Jahren deutlich übergewichtig waren

  7. Tauchpüppchen schreibt

    Hm also ich war immer schlank und habe leichtes PCO, bei einer Freundin wurde auch PCO diagnostiziert, sie hat ohne Pille keinen Zyklus mehr! Auch sie ist seehr schlank. Was mich interessieren würde, gibt es quasi auch das Gegenteil? Wenn man als Teenager z.B. an Magersucht gelitten hat?

  8. Elmar Breitbach schreibt

    Ja, das gibt es auch. Wobei das zwar aussieht, wie ein PCO-syndrom, aber vor allem hormonell völlig anders gestrickt ist und Folge der Funktionsstörungen der Hirnanhangsdrüse, die bei Anorexie-Patientinnen in den Sparmodus schaltet und da oft schwer wieder herauskommt

  9. Schnatterinchen schreibt

    Ich hatte bereits mit 13 Jahren ein extrem starkes PCO (starke Behaarung, gar keinen Zyklus), obwohl ich sehr schlank war und extrem viel Sport gemacht habe. Ein paar Jahre entwickelten sich daraus trotz Sport und gesunder Ernährung ein paar Pfunde zuviel… Als ich Metformin verschrieben bekommen habe, habe ich dann innerhalb kürzester Zeit (2-3 Monate) einige Kilos abgenommen, ohne etwas an meinem Lebensstil geändert zu haben.
    Kann das nicht sein, dass PCOS genetisch bedingt ist und das Übergewicht Folge des PCOS ist?

  10. Elmar Breitbach schreibt

    Genetisch schon, aber Hene und Ei sind anders herum verteilt. Es ist eher die genetisch bedingte Neigung (in Ihrem Fall) zur Insulinresistenz, die dann zur Gewichtszunahme und PCO führte

  11. Elmar Breitbach schreibt

    Empirische Studien (und dies ist eine) sind die schwächste Form der wissenschaftlichen beweisführung und kümmern sich auch nicht um physiologische Hintergründe, sondern korellieren lediglich verschiedene Variablen miteinander.

    Treten dann statistisch signifikante Ergebnisse auf, dann ist es an den Medizinern, die möglichen Ursachen für diesen Zusammenhang zu erklären.

    Jedoch besteht dieser Zusammenhang auch dann, wenn man ihn nicht erklären kann. Unbefriedigend, ich weiß.

  12. raise schreibt

    Dabei wird oft vorschnell ein direkter Kausalzusammenhang unterstellt. In Deutschland besteht nachweislich ein statistischer Zusammenhang zwischen der Anzahl der Störche pro Quadratkilometer und Geburtenrate im selben Gebiet – also bringen eben doch die Störche die Kinder, was machen wir also noch auf dieser Seite? (;-) – Der Kausalzusammenhang besteht wahrscheinlich darin, dass junge Familien gern auf’s Land ziehen, alt eingesessene Landbevölkerung aufgrund eines anderen Wertesystems mehr Kinder hat und Störche sich auf dem Land eben auch wohler fühlen.

    Beim PCO und dem Übergewicht gibt es möglicherweise ja auch noch einen dritten Parameter, der dann für beide verantwortlich ist.

  13. Tauchpüppchen schreibt

    *lach* Das mit den Störchen ist ein interessanter Aspekt.
    @Doc um daraus eine Statistisch signifikante Studien zu machen bräuchte man also wie viel Störche und wie viel Frauen mit und ohne Übergewicht?!?
    😉

  14. clauer anja schreibt

    Muss die Frauenarzt einen test auf Pco machen,oder kann sie es ablehnen
    Habe viele anzeichen

  15. Elmar Breitbach schreibt

    Es gibt keinen einheitlichen „Test auf PCO“. Wenn Sie Kinderwunsch haben, dann sprechen Sie sie mal darauf an. Normalerweise kümmert sie sich darum oder überweist Sie zu einem Spezialisten.