PCO: Abnehmen und Sport verbessern Chancen auf Schwangerschaft

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Das Syndrom der polycystischen Ovarien ist eine der häufigsten hormonellen Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch und wird hier ausführlich im Theorie-Teil erklärt. Es zeichnet sich vor allem durch den fehlenden Eisprung aus und ohne diesen ist eine Schwangerschaft nachvollziehbarerweise natürlich nicht möglich. Für betroffene Frauen ist der unregelmäßige Zyklus oder gar das völlige Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe) eines der am besten erkennbaren Symptome für das Vorliegen dieser Störung.

Wie behandelt man das PCO-Syndrom?

Darauf kann es keine einfache und allgemein gültige Antwort geben. Das ist bereits erkennbar an den Empfehlungen europäischer Reproduktionsmediziner (The Thessaloniki ESHRE/ASRM-Sponsored PCOS Consensus Workshop Group), die 2008 zu diesem Thema veröffentlicht wurden. Diese Empfehlungen sind nicht für jede Patientin mit PCO passend. Dennoch sind vor allem die ersten beiden Punkte oft zutreffend, da das PCO-Syndrom häufig mit Übergewicht vergesellschaftet ist:

  • Bevor eine Behandlung durchgeführt wird, sollte eine ausführliche Beratung erfolgen,die folgenden Punkte beinhaltet: Hinweis auf die Wichtigkeit einer gesunden Lebensweise, insbesondere Reduktion evtl. vorhandenen Übergewichts durch Diät und Sport, sowie Alkohol- und Nikotinkonsums
  • Als erstes Medikament zur Unterstützung der beim PCO-Syndrom oft gestörten Eizellreifung sollte weiterhin zunächst Clomifen zur Anwendung kommen.
Die unreifen Follikel (=Eibläschen) im Eierstock sind namensgebend für ein PCO-Syndrom, auch wenn der Begriff "Zyste" nicht zutreffend ist
Die unreifen Follikel (=Eibläschen) im Eierstock sind namensgebend für ein PCO-Syndrom, auch wenn der Begriff „Zyste“ nicht zutreffend ist

Pille und/oder Abnehmen und Sport

Da Frauen mit dieser hormonellen Störung meist keine eigene Blutung oder nur eine sehr unregelmäßige aufweisen, gibt man oft eine klassische Antibaby-Pille, um zum einen eine Blutung auszulösen und zum anderen die hormonellen Voraussetzungen für eine anschließende Hormonbehandlung zu verbessern. Anschließend werden Hormone zur Stimulation der Eierstöcke gegeben, den oben zitierten Empfehlungen zufolge wird meist Clomifen verwendet. Dies überspringt dann aber den wichtigen Faktor Gewichtsreduktion. Denn Abnehmen in Verbindung mit Sport vermindert die Neigung zur Insulinresistenz und verbessert die hormonellen Abläufe im Eierstock.

Um die Bedeutung der Änderung des Lebensstils einschätzen zu können, führten Wissenschafter des Penn State College of Medicine in Philadelphia eine vergleichende Studie durch. Jeweils ca. 50 Frauen erhielten nur eine Pille und anschließend eine Behandlung mit Clomifen, um den Eisprung auszulösen. Weitere 50 erhielten einen Diätplan, Ratschläge zur körperlichen Ertüchtigung und Sibutramin oder Orlistat. Und bei einer ebenso große Patientengruppe wurden beide Methoden kombiniert (Pille und Lifestyle-Umstellung).

Gewichtsreduktion und Lebensstilumstellung hilft am besten

Alle drei Gruppen wurden 16 Wochen entsprechend behandelt und beraten. Anschließend erfolgte bei allen Frauen die Hormontherapie mit Clomifen.


  • Nur Gewichtsreduktion – Sport: 13 von 50 Frauen bekamen ein Kind (26% Lebengeburtenrate)
  • Nur Pille: 5 von 49 Frauen bekamen ein Kind (10,2 % Lebendgeburtenrate)
  • Pille und Gewichtsreduktion: 12 Frauen bekamen ein Kind (24 % Lebengeburtenrate

Die Veränderung des Lebensstils mit einer entsprechenden Verringerung des Körpergewichts verbesserte die Chancen auf ein Kind demnach deutlich. Die Pille hat keinen weiteren positiven Einfluss.  Man muss sie oft dennoch zum Auslösen der Blutung geben, wenn die Frau keine Regelblutung hat, jedoch ist eine Einnahme über einen längeren Zeitraum nicht notwendig.

Legro RS, Dodson WC, Kris-Etherton PM, Kunselman AR, Stetter CM, Williams NI1, Gnatuk CL1, Estes SJ, Fleming J, Allison KC, Sarwer DB, Coutifaris C, Dokras A
Randomized Controlled Trial of Preconception Interventions in Infertile Women With Polycystic Ovary Syndrome.
J Clin Endocrinol Metab. 2015 Sep 24:jc20152778. [Epub ahead of print]



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Kommentar

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5 Kommentare

  1. Darja Wagner schreibt

    Ich finde es immer wieder faszinierend, dass Frauen so vieles selbst in die Hand nehmen können, um ihre Chancen schwanger zu werden zu verbessern. http://www.paleo-mama.de/starkes-ubergewicht-und-kinderwunsch-passen-nicht/
    Die Tatsache, dass ausgerechnet die Gewichtsreduktion – eine Lebensstilumstellung die relativ einfach umzusetzen ist – noch am besten hilft, die Chancen auf ein gesundes Baby zu verbessern, sollte meiner Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit in der Presse finden.

  2. Tanteandrea76 schreibt

    Hallo,
    Ich selber habe jetzt 17 Kilo abgenommen, statt einer Verbesserung habe ich jetzt wieder nur Zysten hartnäckige muss man leider sagen , viel an der frischen Luft bin ich auch und arbeite viel im garten , trotzdem geht nicht weiter clomifen und auslösenhat nix gebracht , ich werde nun bald 40 und habe echt Angst vor der Kinderlosigkeit, also nicht allen ist leider mit viel Bewegung und clomifen geholfen:-(

  3. greta schreibt

    ich kenne viele DÜRRE pco-patientinnen. die dürfen echt nicht abnehmen. was macht man dann mit denen?

    und durch die hormonsituation der pco-lerinnen ist bei denen das abnehmen besonders schwer, wenn man beispielsweise nicht gleichzeitig die insulinresistenz mit metformin bekämpft. gab es auch studien dazu? also nicht nur stimulieren und auslösen, sondern stimu, bei gleichzeitiger, langfristiger metformingabe, und auslösen und dann?

    schöne studie, aber NUR pille ist eben beim metabolischen syndrom eher nicht der bringer, war aber klar. oder?

  4. Elmar Breitbach schreibt

    Weitere 50 erhielten einen Diätplan, Ratschläge zur körperlichen Ertüchtigung und Sibutramin oder Orlistat.

    Grundsätzlich wichtiger als jedes Medikament ist die Bereitschaft zur Gewichtsreduktion und zur Umstellung der Lebensweise.

    Die sehr schlanken PCO-Patientinnen fallen zwar der Definition zur Folge auch in diese Schublade, haben aber völlig andere Charakteristika. Und sind auch sehr viel seltener.

  5. greta schreibt

    ist metformin out beim abnehmen? lieber fettabscheider? oder gefährliche stoffe? zitat: „Aufgrund starker Nebenwirkungen wurden Sibutramin-haltige Arzneimittel in allen Industrieländern mittlerweile vom Markt genommen.“ wikipedia

    nur abnehmen – mit jojoeffekt – ist in meinen augen bei genau der erkrankung einfach nix. dazu gehört eine komplette lebensumstellung, aber auch eine angepasste hormontherapie, also insulin/metformin.

    ich bezweifle nicht den SINN des abnehmens, aber REINES abnehme ist nur ein teil des nötigen programmes.