Nachtarbeit und körperliche Belastung vermindert die Fruchtbarkeit

Weniger Eizellen durch Nachtarbeit und körperliche Belastung

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Das Arbeitsumfeld und die damit einhergehende körperlicher Belastung durch Schichtarbeit und körperliche Belastung ist möglicherweise in der Lage, die Fruchtbarkeit von Frauen nachhaltig zu vermindern, belegen die Ergebnisse einer Studie aus den USA.

Die Studie wurde in der Zeitschrift “Occupational and Environmental Medicine” veröffentlicht1)Mínguez-Alarcón L, Souter I, Williams PL, Ford JB, Hauser R, Chavarro JE, Gaskins AJ; Earth Study Team.
Occupational factors and markers of ovarian reserve and response among women at a fertility centre.
Occup Environ Med. 2017 Feb 6. pii: oemed-2016-103953. doi: 10.1136/oemed-2016-103953. [Epub ahead of print]
. Die zugrundeliegenden Ursachen sind weiterhin unklar, aber es konnte bei Frauen, die während ihrer Arbeit größere Gewichte bewegen mussten und noch stärker bei Schichtarbeiterinnen eine Verminderung der Eizellzahl beobachtet werden.

Unsere Studie zeigt, dass Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sich über die Folgen von Nachtarbeit und schwerem Heben auf ihre Fruchtbarkeit im Klaren sein sollten,” sagt die Hauptautorin der Studie, Lidia Mínguez-Alarcón. Wenn man es sich denn so aussuchen kann.

Verminderte Eizellzahl

In der Studie wurden 470 Kinderwunsch-Patientinnen auf ihre berufliche Belastung hin befragt und die Aussagen des Fragebogens mit folgenden Faktoren abgeglichen:

  • Antraler Follicle Count (AFC), also die zu Beginn des Zyklus erkennbaren kleinen und unreifen Follikel.
  • Der FSH-Wert (Follikel Stimulierendes Hormon), der umso höher ist, je inaktiver die Eierstöcke sind
  • Östrogenwerte, also das Hormon, welches von heranwachsenden Follikeln gebildet wird
  • Und bei 313 Frauen die Zahl der Eizellen, die bei einer IVF gewonnen und befruchtet werden konnte.

Vor allem die Zahl der gewonnen Eizellen und die der Antralfollikel als Zeichen der Aktivität der Eierstöcke verminderte sich bei schwerer körperlicher Arbeit. Waren die Frauen älter als 37 und/oder übergewichtig, verstärkte sich dieser negative Einfluss noch. Die Östrogen- und FSH-Werte wurden nicht beeinflusst


Nachtarbeit hat stärkeren Einfluss

Die Auswirkungen von Nacht- oder Schichtarbeit übertrafen die der körperlichen Belastung deutlich. Auch waren die Hormonwerte zwar auch unverändert, die Zahl befruchtungsfähiger Eizellen jedoch noch geringer.

Die Autoren können diese Zusammenhänge durch Stress und damit einhergehende hormonelle Veränderungen nicht abschließend klären. Interessant ist auch die Frage, ob diese Effekte reversibel wären, wenn sich das Arbeitsumfeld ändert. “Wir würden uns gerne noch anschauen, ob eine Frau in der Lage wäre, ihre Fruchtbarkeit zu verbessern, wenn sie Arbeitszeiten und/oder die körperliche Belastung verbessert bzw. reduziert.” sagt Mitautorin der Studie Audrey Gaskins, von der Harvard T.H. Chan School. “Wäre der Effekt rückgängig zu machen, würde es uns ermöglichen, Empfehlungen auszusprechen.

Nachtschichten scheinen keine biologisch gesunde Arbeitsweise zu sein. Tagsüber zu arbeiten und das Heben schwerer Lasten dem Partner zu überlassen, ist die Empfehlung, die man geben kann. Die Umsetzung des Ratschlags ist vermutlich  leider nur selten so einfach möglich.



Literatur   [ + ]

1. Mínguez-Alarcón L, Souter I, Williams PL, Ford JB, Hauser R, Chavarro JE, Gaskins AJ; Earth Study Team.
Occupational factors and markers of ovarian reserve and response among women at a fertility centre.
Occup Environ Med. 2017 Feb 6. pii: oemed-2016-103953. doi: 10.1136/oemed-2016-103953. [Epub ahead of print]
Quelle Occupational and Environmental Medicine

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Kommentar

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3 Kommentare

  1. Ganz super schreibt

    Ich sehe das richtig: Wenn ich so weiter arbeite, dann werde ich nicht schwanger, aber habe das Geld für eine IVF? und wenn ich kündige, dann kann ich die IVF zwar nicht mehr bezahlen, aber ich brauche sie auch nicht mehr? Das ist ja klug eingerichtet 😉

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Das ist vielleicht ein klein wenig zu pointiert zusammengefasst, jedoch durchaus nicht ganz verkehrt 😉

  3. gwirksi schreibt

    Wie schwer heben ist denn bei schwer heben gemeint?
    Würde sich dann Krafttraining auch negativ auswirken, da hebt man ja auch Gewichte?