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Mittelschmerz: Mythos oder Eisprung?

Wie zuverlässig ist der Mittelschmerz zum Feststellen des Eisprungs?

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Ein Schmerz in der Mitte des Zyklus wird – unabhängig von seinen Ursachen – als Mittelschmerz bezeichnet. Man geht davon aus, dass er meist im zeitlichen Zusammenhang mit einem Eisprung auftritt. Ist er ein zuverlässiges Anzeichen für den Eisprung und die fruchtbaren Tage? Kann es noch andere Ursachen für dieses Phänomen geben?

Wie fühlt sich der Mittelschmerz an?

Es ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. es geht schon einmal damit los, dass ca. zwei Drittel aller Frauen keinen Mittelschmerz haben. Die meisten davon haben aber trotzdem einen Eisprung! Geht man davon aus, dass der Mittelschmerz wirklich mit dem Eisprung zusammenhängt, dann sollte der Schmerz eher kurz andauern, nur auf einer Seite sein und eher plötzlich eintreten. Der Charakter dieser Missempfindung ist oft kürzer und „stechend“ im Vergleich zu den eher dumpfen Schmerzen gegen Ende des Zyklus oder bei der Regelblutung.

Wann genau tritt der Mittelschmerz im Zyklus auf?

Gleicht man den Zeitpunkt des Auftretens mit objektiveren Faktoren ab, wie zum Beispiel den Anstieg des eisprungauslösenden Hormons (LH), dann fällt das Schmerzereignis in den meisten Fällen auf den Tag vor dem Eisprung1)Wang XX, Wu ZY.
Prediction of ovulation.
Zhonghua Fu Chan Ke Za Zhi. 1990 Mar;25(2):86-8, 124.
 Das zumindest ist das Ergebnis einer chinesischen Studie. In dieser berichteten 35% der Frauen über ein Schmerzereignis in der Mitte des Zyklus. Aber auch in dieser und auch anderen wissenschaftlichen Untersuchungen berichteten Frauen über einen Mittelschmerz vor, während und nach dem Eisprung.

Wie entsteht der Mittelschmerz?

Dieses unterschiedliche Timing zeigt, dass Schmerzen in der Mitte des Zyklus keinem festen Ereignis im Rahmen des Eisprungs zuzuordnen sind. Man vermutet, dass drei verschiedene Gründe dazu führen können: Die Spannung an der Kapsel des Eierstocks durch den maximal vergrößerten Follikel vor dem Eisprung, der Eisprung selbst und durch die Flüssigkeit, die mit der Eizelle den Follikel verlässt. Das lässt auch vermuten, dass ein Mittelschmerz ein Hinweis auf die Ovulation sein kann, aber eine Bestimmung des genauen Zeitpunkts nicht zulässt.

Was ist, wenn ich keinen Mittelschmerz habe, habe ich dann auch keinen Eisprung?

Zugegeben, diese Überschrift ist für diejenigen, die nur die Überschriften lesen. Die anderen werden den Hinweis, dass nur ein Viertel bis zu einem Drittel der Frauen einen Mittelschmerz spüren, schon gelesen haben. Und natürlich haben diese Frauen oft einen sehr normalen Eisprung, aber eben keine Schmerzen. Ja, das geht 😉

Aber ist das wirklich immer auch der Eisprung, der dort gespürt wird?

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Eisprung und der weibliche Zyklus
Natürliche Familienplanung

Ich spüre ganz genau, wann mein Eisprung stattfindet„. Viele Frauen fühlen in der Mitte des Zyklus ein Ziehen im Unterbauch – den „Mittelschmerz“ – und nehmen dann an, dass dies den Zeitpunkt des Eisprungs zuverlässig angibt. Andere spüren vermehrten Ausfluss, Veränderungen der Libido und Stimmung und führen diese Symptome auf den nahenden Eisprung zurück. Und manche Frauen spüren gar nichts und fühlen sich schlecht dabei. Weil sie glauben, entweder keinen EIsprung zu haben, oder doch zumindest ein schlechtes „Körpergefühl“. Was ja fast genau so schlimm ist, wenn frau ihren mittelschmerzgeplagten Freundinnen Glauben schenken kann.

Meine persönliche Erfahrung in der Praxis ist eine andere. Es gibt sicherlich Frauen, die in der Tat anhand solcher Symptome den Ovulationszeitpunkt exakt vorhersagen können. Genauso gibt es aber auch Patientinnen, die sicher sind, demnächst ihren Eisprung auf der linken Seite zu bekommen und im Ultraschall zeigt sich ein unreifer Follikel auf der rechten Seite.

Damit keine Missverständnisse auftreten: Es geht nicht um Frauen, die mit den Methoden der natürlichen Familienplanung ihren Eisprung bestimmen möchten, dies ist erfahrungsgemäß zuverlässiger.

Die Studie zum Mittelschmerz

Was liegt näher, als dazu eine Studie durchzuführen. US-amerikanische Wissenschaftler haben dies getan2)Sievert LL, Dubois CA.
Validating signals of ovulation: do women who think they know, really know?
Am J Hum Biol. 2005 May-Jun;17(3):310-20
. Dazu befragten sie zunächst mögliche Studienteilnehmerinnen, ob sie ihren Eisprung spüren. Dies war Voraussetzung zur Aufnahme in die Studie. 36 Frauen wurden in die Studie aufgenommen und sammelten Urinproben vom 5. Zyklustag bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie ihren Eisprung vermuteten. Die Proben wurden zur späteren Bestimmung des LH (Hormon, welches den Eisprung auslöst) eingefroren. Insgesamt sammelten die Frauen Urinproben von bis zu 6 Zyklen, insgesamt ergaben sich Daten von 87 Zyklen.

Trefferquote bestenfalls weniger als die Hälfte

In 37 dieser untersuchten Zyklen fand sich tatsächlich eine Anstieg des LH (der einem Eisprung vorausgeht) in den entsprechenden Proben, was einer Trefferquote von 42,5% entspricht. Wurden nur die jeweils ersten Zyklen der Frauen ausgewertet, dann lag diese Rate mit 36,1% noch niedriger. Und wurden zur guter Letzt Probandinnen ausgeschlossen, welche die Basaltemperatur maßen, dann lag die Trefferquote nur bei gut einem Viertel (28%).

Die Frauen, die 3-6 Zyklen kontrollierten, hatten jedoch in fast der Hälfte der Fälle (48,9%) recht mit ihrer Vorhersage. Aber selbst diese motivierten Frauen, die sich also intensiver mit ihrem Eisprung beschäftigten und auch mehrere Zyklen lang die Studie „durchhielten“ tippten somit in der Hälfte der Fälle daneben. Die Autoren schließen aus diesen Ergebnissen, dass der Eisprung für die meisten Frauen ohne Verwendung von Hilfsmitteln ein Ereignis ist, welches ihnen oft verborgen bleibt.

Der Mittelschmerz tritt bei einem Drittel aller Frauen im Zusammenhang mit dem Eisprung auf: Vor, während und nach dem Eisprung. Auch ohne Mittelschmerz kann man einen Eisprung haben. Die Bestimmung der fruchtbaren Tage mit Hilfe des Mittelschmerzes ist nur unzuverlässig möglich.

Literatur   [ + ]

1. Wang XX, Wu ZY.
Prediction of ovulation.
Zhonghua Fu Chan Ke Za Zhi. 1990 Mar;25(2):86-8, 124.
2. Sievert LL, Dubois CA.
Validating signals of ovulation: do women who think they know, really know?
Am J Hum Biol. 2005 May-Jun;17(3):310-20
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Kommentar

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1 Kommentar
  1. Danielle schreibt

    Ich bin vollkommen sicher, dass ich den Mittelschmerz deutlich spüre. Ich kann sogar sagen, auf welcher Seite der Follikel gesprungen ist – das ist schon mehrfach beim Zyklusmonitoring belegt worden. Den Schmerz spüre ich meist in der Nierengegend – er ist sehr stechend, manchmal kann man sich kaum bewegen, so unangenehm ist es. Er dauert auch ein paar Stunden an. Der Beginn der Periode ist dann auch 100 % zuverlässig immer exakt 12 Tage nach dem Mittelschmerz. Ich glaube fest daran, dass die Flüssigkeit aus dem Follikel dieses druckartigen Schmerz verursacht 🙂