Medizinblogger sind Eigenbrötler

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Es gibt verschiedene Arten von Blogs. Die allermeisten beschäftigen sich mit dem Alltag des Blogbesitzers. Das ist nicht despektierlich gemeint, denn nicht alle diese persönlichen Blogs weisen nur Katzencontent auf. Die Berichte über den persönlichen Alltag sind oft sehr lesenswert und weisen daher Anknüpfungspunkte für andere Leser auf, die dann kommentieren und „trackbacken„. Solche Blogs sind daher gut miteinander vernetzt, da sie vieles gemeinsam haben. Als Beispiel seien die Blogs zweier Kommentatoren der letzten Woche genannt: Prinzzess und Ute.

Aber auch monothematische Blogs sind gut vernetzt, wenn sie Themen behandeln, die auf genügend Interesse stoßen, um dazu einen Blog aufzuziehen. Vor allem Blogs zu verschiedenen Internet-Themen weisen dabei ebenfalls eine starke Interaktion miteinander auf, die gelegentlich soweit geht, dass man zu bestimmten Themen immer die gleichen Beiträge auf allen Blogs wiederfindet. Was dann auch ein klein wenig öde sein kann. Extrem-Beispiel von heute: Diese vier Links zum ältesten Google Index sind fast zeitgleich in meinem Feedreader aufgeschlagen 😯

Gesundheitsblogs sind nicht normal

Bei Gesundheits- oder Medizin-Blogs ist dies völlig anders, wie Christoph in seinem Bandscheiben-Blog kürzlich ausführte. Viele Blogs widmen sich des Themas Gesundheit, stellte er bei seiner Analyse der Statistiken von Blogoscoop fest. Und offenbar werden sie häufig gelesen. Schaut man sich jedoch Statistiken an, die auch die Verlinkung der Blogs untereinander berücksichtigen, dann fallen die Medizinblogs komplett unten heraus, obwohl manche davon mehr Leser haben als viele technik- und internetaffine Seiten.

Die Vernetzung fehlt

Man lebt als Blogger mit medizinischem Hintergrund irgendwo im Randgebiet der Blogosphäre mit lediglich losem Kontakt zu einigen wenigen anderen Bloggern. Woran es liegt, kann Christoph nur vermuten:

Ein Problem ist mit Sicherheit mit mangelnde Vernetzung untereinander, die allerdings durchaus nachvollziehbar ist, denn aus welchem Grund sollte schon eine “Wurzelbehandlung” einen “Tennisarm” pingen? Was hat die Depression mit Ergonomie am Hut? Für Gesundheitsblogger gibt es eben kein “Google Chrome” oder “Wordpress 2.6.”, über das jeder schreiben und auf den anderen verweisen kann. Es fehlen das Bashing bzw. die Skandale und keine seriöse Gesundheits-Seite macht eben mal die anderen so richtig zur Sau. Man wird ja schon schief angeschaut, wenn man auf das Platzieren von Keywords bedacht ist oder eines der Web 2.0, Design etc. Blogs pingt.

Interessant ist in diesemZusammenhang auch, dass die Diskussion um dieses Thema eigentlich erst richtig flott wurde, als Robert Basic dieses Thema aufgriff. Der Mann haut jeden Tag hundert neue Artikel raus und ist vermutlich Deutschlands bekanntester Blogger. Die Medizinblogger brauchten also einen Katalysator, um sich mal ein wenig miteinander zu beschäftigen.

Vielleicht ist es aber auch wurscht

Es ist vielleicht ärgerlich, wenn man mehr Besucher hat als so mancher „A-Blogger“, aber in der Szene der Blogger keine echte Wahrnehmung hat. Schließlich lebt diese Art der Publikation von der Kommunikation und das nicht nur mit dem Leser, sondern auch mit dem thematischen Umfeld. Spaßiger ist es sicherlich schon, aber das Ziel eines Medizinblogs ist primär die Information zu einem bestimmten Krankheitsbild. Und die sollte man ernst nehmen und nicht aus dem Fokus verlieren.

Studie zu Medizin-Blogs

Es gibt ja zu fast jedem Thema eine Studie und „strappato“ von „stationäre Aufnahme“ hat eine zum Thema „Medizin-Blogs“ (englischsprachige) gefunden und veröffentlicht.

Die Autoren stellten fest, dass sich die befragten Medizinblogger, wenn man es mit anderen wissenschaftlichen Blogger-Untersuchungen vergleicht, sehr von anderen Bloggern bei der Motivation fürs Bloggen und dem „impact“ des Blogs ausserhalb der Blogosphäre unterscheiden.

Schön finde ich jetzt erstmal die sprachliche Übereinstimmung: „Die Autoren stellten fest“ oder „die Autoren kamen zu dem Schluss“ sind ja auch meine bevorzugten Formulierungen 😉

Weiter eine Zusammenfassung seiner Zusammenfassung und Abgleich mit den Kinderwunsch-News:

  • Medizin-Blogger sind älter [stimmt leider]
  • Sie sind gut ausgebildet und ein Drittel Ärzte [stimmt]
  • Sie sind Fachleute und haben wissenschaftliche Artikel veröffentlicht [stimmt]
  • Gebloggt wird als Hobby [Jein, aber eher ja als nein]
  • Kontaktpflege spielt keine Rolle [stimmt nicht ganz: Zu den Usern dieser Seite schon, aber nicht zu anderen Bloggern]
  • Die Blogs haben „impact“ und werden von anderen medien wahrgenommen [ja]
  • 36% verbringen mehr als 6 Stunden Wöchentlich mit ihrem Blog [ja]

Weitere Ergebnisse im Artikel von strappato Er widerum „kommt zu dem Schluss“, dass Bloggen über Medizin und Gesundheit ein hartes Stück Arbeit ist. Sozusagen die Elite der Blogger. Ok, das lasse ich mal so stehen 😉

Der Kompromiss: Das Gesundheitsmagazin

Ich stimme mit strappato überein, dass die Thematik eines Gesundheitsblogs eine gewisse Ernsthaftigkeit und eben auch Fokussierung auf das Thema verlangt. Diese Seriosität ist notwendig, um glaubhaft zu sein, was im Internet aufgrund der Anonymität ja ohnehin nicht immer ganz einfach ist.

Aber ausdauernd ausschließlich eng am Thema zu schreiben würde mich persönlich auf Dauer anöden und ich behaupte einmal, dass dies zumindest auch für einen Teil der Leser gilt. Ich glaube daher schon, dass man auch ein Medizinblog thematisch ein wenig weiter fassen kann und auch ein paar Randthemen und Gimmicks hineinpacken zur eigenen Erheiterung und die der Besucher, die vielleicht auch nicht immer nur „das Eine“ lesen möchten. Ein klein wenig Magazincharakter kann man sich schon erlauben, wenn man es nicht übertreibt. Nun erhoffe ich mir natürlich ein paar Kommentare und Antworten auf diese sehr suggestive Frage.

Aber auch hier gibt´s Katzencontent

Und zum Abschluss noch einmal ein Hinweis auf den eingangs erwähnten Katzencontent. In diesem Lied wird einer Katze ein würdiges Denkmal gesetzt. Mein absolutes Katzen-Lieblingslied (Nein, ich mag Katzen nicht sooo gerne)


Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.
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Kommentar

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14 Kommentare
  1. […] (Medizinblogger – eine besondere Art) und Elmar (Mediziner sind Eigenbrötler) beschäftigen sich beide mit der Studie Examining the Medical Blogosphere: An Online Survey of […]

  2. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    Ich stimme Ihnen zu, diese Seite würde viel von Ihrer Anziehungskraft verlieren, wenn neben der wichtigen Behandlung der medizinischen Inhalte nicht auch Raum für News, Humor und Spaß wäre. Ich denke allerdings auch, dass das gerade die Besonderheit dieser Seite ausmacht.

    Ich kenne mehrere Blogs zu ganz verschiedenen, nicht medizinischen Themen (die keinesfalls einen wirklichen Tagebuchcharakter haben), die nicht halb so unterhaltsam sind. Die Ernsthaftigkeit des Themas bleibt jedoch dennoch gewahrt.

    Manchmal finde ich es fast schade, dass die Veröffentlichung "nur" auf einer Internetseite stattfindet und nicht von einem breiteren Publikum gewürdigt wird.

  3. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    Da ich kein Computer-Experte bin verwirrt mich eine Sache.

    1.Warum nennen sich eigentlich diese News als Blog?

    2.Gehören diese News nicht zur Seite: wunschkinder.de?
    Man redet ja als ob sie separat wären, einfach nur als Blog.
    Für mich ist "Blog" eine Seite wo man ein Tagebuch, oder über irgend eine Thema Ideen schreibt.
    Oder liege ich falsch?
    Ob man die News als Blog beschreiben soll, weiß ich jetzt nicht, weil es ist eigentlich eine Sammlung von Infos und Artikeln.
    Ob man sich Sorgen machen sollte dass man nicht vernetzt oder nicht A-Blogger ist?
    Ich denke es gibt viel wichtigere Sachen, beruflich und privat.

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    ichsagejetztnichtsichsagejetztnichtsichbingaaaanzruhigundsagejetztnichts

  5. Elmar Breitbach
    Christoph schreibt

    Die Idee mit dem Gesundheitsmagazin ist gar nicht so schlecht. Würde mich in der Tat interessieren, was deine Leser, die mit Sicherheit sehr themenrelevante Informationen "verlangen", davon halten.
    Nur zur Info:
    In der Vergangenheit konnte ich die Erfahrung machen, daß die Leserzahlen sofort anstiegen, wenn themenfremd bei den Bandscheiben gebloggt wurde. Die Stammleser (mit Bandscheibenhintergrund) motzten daraufhin nach kurzer Zeit, während es Zufallslesern vollkommen egal war, ob da irgendwas mit Rückenschmerzen im Header steht.

  6. […] bin. In der Blogosphäre wird auch schon in dem ein oder anderen Blog darüber diskutiert, z.B. bei Wunschkinder oder Stationäre Aufnahme. Social Bookmarking Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei […]

  7. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Hallo Christoph,
    Das entspricht auch meinen Erfahrungen. Wobei man sagen muss, dass Offtopic-Artikel jeden ansprechen und streng am Thema geschriebene Artikel immer nur einen Teil deiner Leser. Z. B.: "Verbesserung der Spermien" interessiert die Frau mit Endometriose nicht. Ein Link auf eine blöde Werbeaktion spricht erst einmal alle Besucher an.

    Ob sie dann das offtopic gut finden, habe ich mit meinem Aufruf darauf zu antworten, ja auch versucht herauszufinden. Bis jetzt gibt es aber nur eine (wohlwollende) Meinung. Dass ich die andere ignoriere, ist historisch bedingt.

    Aber letztlich ist es ja auch so: Sollte man vorhaben, ein solches Blog über einen langen Zeitraum zu schreiben, dann muss man es sich so einrichten, wie es einem auch Spaß macht. Die Leser, denen das dann auch gefällt, finden sich dann von alleine.

  8. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    @Doc – ganz ruhig, tief atmen und ganz sachlich antworten.
    Mein Gott, gibt es denn nur Computer-Freaks auf der Welt?

  9. Elmar Breitbach
    Prinzzess schreibt

    Hab mich gerade gewundert, denn Ute ist auch mein Name… 😉

    Zum Thema: ich denk schon, dass man meistens nur persönlich relevate Medizinblogs liest.
    Mach ich nicht wirklich anders. Ich les Deine News, weil sie mich betreffen. Ebenso das Blog von Christoph aus demselben Grund. Leider gibt es noch kein Blog über Hüft-Dysplasie und daraus folgende TEP, auch keines über invasive Beatmung (vielleicht sollte ich eines eröffnen???).

    Die Medizin ist ein sehr vielschichtiges Gebiet und wenn man nicht gerade was mit einem bestimmten Thema zu tun hat, sucht man auch keine Informationen darüber.
    Und sehr selten verlinkt man auf Medizinblogs, vielleicht, weil es einem peinlich ist…?

    Wie wäre es mit einer Medizinblog-Liste, bei der sich die betreffenden Blogs eintragen können und man hätte quasi alle auf einen Blick? Ich seh grad, dass Robert sowas auch vorgeschlagen hat.

    FAZIT: Ich persönlich bin froh, dass es euch Fachblogs gibt! Lasst euch bloss nicht kleinreden!

    (Jetzt hab ich so viel geschrieben und kaum vermocht auszudrücken, was ich eigentlich gemeint habe…)

  10. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    @ Elmar Breitbach: Zur Unterhaltsamkeit der Seite tragen Kommentare wie die von Ich aka Andra definitiv bei. Geben Sie es zu, die Rekrutierung von Ich war ein geschickter Schachzug von Ihnen, die Qualität Ihrer Seite zu erhöhen 😉 und heiße Diskussionsrunden zu eröffnen.

    @Prinzzess: Sehr selten verlinkt man Medizin-Blogs….das stimmt. Eigentlich sollten wir angesichts der notwendigen Offenheit im Umgang mit "unserem" Thema aber vielleicht genau das tun. Diese Seite eignet sich vielleicht ganz gut, weil sie auch bei Nicht-Betroffenen nicht sofort Assoziationen mit Frankenstein hervorruft, da sie sich der Thematik recht realistisch und dabei fröhlich nähert. Habe auch (mal wieder) zuviel geschrieben :-).

  11. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Prinzzesss-Ute: Genau, her mit den Links!! 😉

    das mit dem viel schreiben und nicht ausdrücken können, was man eigentlich gemeint hat, ist in der Diskussion bei Robert ja auch ein wenig das Problem.

    @ Tintenklecks: Auch her mit den Links. Viel reden ist vielleicht auch jobbedingt. Geht mir ja nicht anders. Und:
    Nein, wirklich nicht.Rekrutiert schon, aber nicht freiwillig 😉

  12. Elmar Breitbach
    Prinzzess schreibt

    @ Elmar: Link kommt! Versprochen! (Manchmal sind es die kleinen Dinge, die helfen! ;))

  13. […] – Fr. 3. Oktober 2008, 15:38 Bei Robert wird diskutiert, Christoph schreibt darüber und auch Elmar kennt das Thema […]

  14. Elmar Breitbach
    David schreibt

    Die Vernetzung mit Blogs über medizinische Themen ist einfach total schwierig, da die Leute nicht so offen mit den vorhandenen Möglichkeiten umgehen. Schade.