AMH: Anti-Müller-Hormon: Zeigt die Aktivität der Eierstöcke an.

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Als „Low responder“ bezeichnet man Frauen, deren Eierstöcke auf Hormongaben nur unzureichend reagieren. Dies ist an den Hormonuntersuchungen im Vorfeld oft nicht erkennbar. Gelegentlich ist zwar der FSH-Wert erhöht als Zeichen dafür, dass die Eierstöcke nicht gut stimulierbar sind, oft weichen die Hormonuntersuchungen jedoch nicht von den Normbereichen ab. Zuverlässiger ist hier das Anti-Müller-Hormon.

Um aber eine ausreichende Anzahl von Eizellen z. B. für eine IVF zu bekommen, wäre es wichtig, solche Patientinnen rechtzeitig zu erkennen, um die Art der hormonellen Stimulation rechtzeitig anpassen zu können.

Ein relativ neuer Blutwert wird nun eingesetzt, um die Stimulierbarkeit der Eierstöcke im Vorfeld einer solchen Behandlung abschätzen zu können. Das sogenannte Anti-Müller-Hormon (AMH) soll eine wesentlich bessere Vorhersage zzur Aktivität der Eierstöcke treffen können als z. B. Inhibin-B, IGF-1 oder FSH.

In einer Studie aus Australien wurde bei 238 Frauen zwischen 18 und 46 Jahren am 3.-5. Tag ihres Zyklus das AMH bestimmt. Alle untersuchten Frauen hatten normale FSH-Spiegel (< 10 U/l)und auch keine anderen Hinweise auf eine Störung der Eizellproduktion. Bei 87 Patientinnen wurde im weiteren Verlauf eine IVF-Behandlung durchgeführt und bei mehr als 8 gewonnenen Eizellen wurde die ovarielle Antwort als normal eingestuft bei weniger als 5 Eizellen erfolgte die Einteilung in die Gruppe der "low responder. Zwischen dem 18. und 29. Lebensjahr verändert sich der Plasmaspiegel des AMH praktisch nicht und liegt zwischen 2 und 2,5 nmol/L). Ab dem 30. Lebensjahr fällt der Spiegel deutlich ab und erreicht 1,0 nmol/L mit dem 37. Lebensjahr. Wurde der AMH-Wert nun mit dem Ausgang der IVF-Behandlung korrelliert, also der Zahl der gewonnen Eizellen, dann ließ sich diese bei einem Grenzwert von 0,8 nmol/L mit einer Sensitivität von 80% und einer Spezifität von 85% vorhersagen. Sensitivität: Bezeichnet die Fähigkeit eines Tests das herauszufinden, was man messen/erkennen möchte, in diesem Fall als die Fähigkeit „low responder“ als solche zu erkennen. Mit anderen Worten: 20% der Frauen mit einer Eizellzahl unter 5 wurden durch den Test im Vorfeld nicht erkannt (falsch negativ).
Spezifität: Bezeichnet die Fähigkeit eines Tests, die richtigen Fälle herauszufinden. Bei 85% der Frauen mit einem AMH-Wert unter 8,1 bestand tatsächlich eine reduzierte Reaktion der Eierstöcke. Bei 15% der Frauen mit einem solchen AMH-Wert war die Reaktion der Eierstöcke nicht eingeschränkt (falsch positiv)

Die Autoren kommen zu dem Schluß, dass das Anti-Müller-Hormon in Verbindung mit Ultraschall und FSH-Wert eine gute Voraussage über den Ausgang einer hormonellen Stimulation zulässt.

Aust N Z J Obstet Gynaecol. 2005 Feb;45(1):20-4: Anti-mullerian hormone as a marker of ovarian reserve. Tremellen KP, Kolo M, Gilmore A, Lekamge DN.


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Kommentar

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12 Kommentare

  1. Aktuelle Studie zum AMH im Ärzteblatt

    […] ist nichts Neues, dass das Anti-Müller-Hormon sehr gut mit der Funktion der Eierstöcke korreliert. Im Ärzteblatt findet sich dazu ein aktueller Artikel. Die Empfehlung der […]

  2. Shalina schreibt

    Zitat: „Bei 85% der Frauen mit einem AMH-Wert unter 8,1 bestand tatsächlich eine reduzierte Reaktion der Eierstöcke.“

    Ist das 8,1 richtig? Ist nicht eher 0,1 gemeint?

    VG

  3. Gundi schreibt

    mein AMH Wert liegt bei 0,4 bin 31. Jahre. Noch Hoffnungen?

  4. Klara schreibt

    Guten Tag,
    hmm, mein AMH-Wert liegt bei 3.86 ng/ml (lt. „DSL-Test“). Wert ermittelt im Alter von 41 und 8 Monaten.

    Wie schnell „sinken“ denn solche Werte und wie steht es bei dem Wert um „Hoffnung“?

  5. Emma schreibt

    Mein AMH ist unterirdisch bei 0,2, obwohl er ein Jahr zuvor noch über 1 war. Irgendwie glaube ich nicht so recht an diesen Wert, schon gar nicht unter Hormonbehandlung. Ich bin 35 und nach 1. IVF schwanger geworden. Leider mußte ich aufgrund einer Störung in der Embryogenese mit massivem Bauchwanddefekt die SS in der 13. SSW beenden.
    Ich freue mich über Kontakt über
    http://verdinkst.blogspot.de/

    LG, Emma

  6. Kerstin schreibt

    Hallo, bin 36 Jahre alt, mein AMH lag letztes Jahr bei 3, soweit ich das richtig in Erinnerung habe. FSH und LH niedrig, bekomme fast gar keine Periode mehr seit Absetzen der Pille (vier Jahre her mittlerweile). PCOS soll ich haben… nun habe ich gelesen, dass PCOS die Bestimmung des AMH verfälschen soll und der Wert dann zu hoch ausfallen soll. Bedeutet das, dass ich eventuell schon ungenügende Eizellreserven habe? Mache mir so langsam Sorgen. Weiß jemand mehr? Viele Grüße

  7. Jenny schreibt

    Mein AMH Wert liegt bei 23.
    Ich bin 22. Was bedeutet das?

  8. Elmar Breitbach schreibt

    Liebe Jenny,

    das bedeutet, dass Ihr AMH-Wert um eins höher ist als Ihr Alter.