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Künstliche Befruchtung erhöht nicht das Risiko für Früh- und Totgeburten.

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Der Verlauf von Schwangerschaften nach einer künstlichen Befruchtung ist statistisch gesehen häufiger von Komplikationen bedroht als konventionell gezeugte Schwangerschaften. Dies hat vermutlich weniger mit der Art der Zeugung zu tun, sondern vielmehr mit den Risiken, welche die Paare in die Behandlung einbringen, so z. B. oft ein erhöhtes Alter der Frau und andere Faktoren. Vor fast 10 Jahren erschien in der renommierten Zeitschrift „Lancet“ eine Studie dazu, die einen sehr umfassenden Überblick über die möglichen Schwangerschaftsrisiken bot.

Haben sich die Risiken in den letzten Jahren geändert

Inzwischen hat sich zumindest an der Vorgehensweise einiges geändert. So werden weniger IVF-Behandlungen und dafür deutlich mehr ICSI-Therapien und die Zahl der transferierten Embryonen pro Behandlung ist deutlich rückläufig und damit auch der Anteil der dadurch bedingten Mehrlingsschwangerschaften. Letzteres gilt vor allem für die skandinavischen Länder, die immer mehr die Rückgabe eines einzelnen Embryos bevorzugen, den sogenannten „Single Embryo Transfer„.

Aus diesen Ländern kommt nun eine neuere Untersuchung, welche auch diese Veränderungen mit aufnimmt und sich auf die Daten von 92.000 Neugeborenen (entstanden durch eine künstliche Befruchtung) in vier skandinavischen Ländern stützt. 62 379 davon waren Einlinge und 29.758 Zwillinge, geboren in den Jahren 1988 bis 2007. Die Ergebnisse der Schwangerschaftsverläufe wurden verglichen mit auf normalem Wege gezeugten Einlingen (362.215) und Zwillingen (122 763).

Die Ergebnisse wurden in vier verschiedene Zeiträume unterteilt: 1988-1992, 1993-1997, 1998-2002 und 2003-2007, um positive (oder auch negative) Veränderungen über die Zeit erkennen zu können.

Foto von Ginny Washburne
Das ist das Ziel: Ein gesundes Kind.

Ergebnisse bei Mehrlingen

Über den gesamten Zeitraum kam es zu einem deutlichen Rückgang der Mehrlingsgeburten. 1988 waren fast die Hälfte aller Schwangerschaften nach künstlicher Befruchtung Mehrlingsschwangerschaften. In den skandinavischen Ländern sank dieser Anteil bis heute auf ein Viertel und Drillinge machen nur noch einen Anteil von 0,7 Prozent aus. Vergleichbare Ergebnisse findet man auch in den Daten des Deutschen IVF Registers. Bei den per IVF gezeugten Zwillingen ging der Anteil der Frühgeburten von 50 auf 47 Prozent zurück. Auch bei normal gezeugten Zwillingen ist das Frühgeburtrisiko erhöht: 1988 kamen 42 Prozent zu früh zur Welt. Heute sind es 44 Prozent. Das Risiko für Totgeburten bei Zwillingen ist unabhängig von der Art der Zeugung zuletzt niedriger als 1 Prozent.

Ergebnisse der Einlingsschwangerschaften

Im gleichen Zeitraum über die letzten zwanzig Jahre verbesserte sich die Chancen auf einen normalen Verlauf einer Schwangerschaft bei Einlingsschwangerschaften deutlich. Die Zahl der Totgeburten halbierte sich von 0,6% auf 0,3% und näherte sich damit den Ergebnissen normal gezeugter Einlinge an.

Das Frühgeburtrisiko von IVF-Kindern sank von 13 auf 8 Prozent. Es liegt damit immer noch höher als bei natürlich gezeugten Kindern (5%) doch hat sich die Differenz deutlich vermindert.

Gleiches gilt auch für das Geburtsgewicht: Während vor 20 Jahren der Anteil von Kindern mit einem zu geringen Geburtsgewicht (< 2.500g) nach IVF bei 7,6% lag, halbierte er sich im Beobachtungszeitraum der Studie auf 3,2%. Die Leiterin der Studie, Frau Dr. Hennigsen aus Kopenhagen fasst die Ergebnisse zusammen:"Die Ergebnisse weisen überzeugend nach, dass sich die Gesundheit der durch IVF gezeugten Kinder in den letzten 20 Jahren deutlich verbessert hat, vornehmlich bei den Einlingsschwangerschaften. Das ist vor allem auf die Verminderung der Mehrlingsraten und die häufiger durchgeführten "Single Embryo Transfers" zurückzuführen.
Hum Reprod. 2015 Mar;30(3):710-6. doi: 10.1093/humrep/deu345. Epub 2015 Jan 20.
Trends in perinatal health after assisted reproduction: a Nordic study from the CoNARTaS group.
Henningsen AA, Gissler M, Skjaerven R, Bergh C, Tiitinen A, Romundstad LB, Wennerholm UB, Lidegaard O, Nyboe Andersen A, Forman JL, Pinborg A

Foto von Ginny Washburne


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Kommentar

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5 Kommentare
  1. Minna schreibt

    Dann gehören wir also zu 0,3%…
    Wir haben unsere Tochter nach 4. ICSI, traumhafter Schwangerschaft, in der 40. SSW still geboren :'(

  2. ally schreibt

    Da kann ich mich leider auch einreihen. Erst 4 Fehlgeburten (2 davon nach ICSI) und dann eine Totgeburt in der 35. Woche nach ICSI. Wenn man allerdings ins aktuelle IVF Register schaut, wo ja nicht einmal alle (Tot-)Geburten nach IVF/ICSI erfasst sind, liegt der Anteil der Totgeburten allerdings doch höher als bei Spontanschwangerschaften und zwar um 100% bei durchschnittlich 0,6% für IVF und ICSI.

    Letztlich ist es aber ganz egal, wie (un-)wahrscheinlich so ein Ereignis ist: wenn es dich trifft, dann mit ganzer Härte und da ist es leider gar kein Trost, dass es „nur“ zu 0,3 oder 0,6% wahrscheinlich gewesen ist. Es passiert einem entweder zu 0 oder zu 100%…

  3. Minna schreibt

    Sehr gut gesagt, ally.
    Ich wünsche euch viel Kraft!!

  4. David schreibt

    Wir hatten leider auch eine Stillgeburt in meiner Familie… Sowas ist echt nicht schön… Der Arzt sagte auch, dass Künstliche Befruchtung etc. nichts damit zu tun haben würde… Ich wünsche allen, denen es auch so geht alles Gute! Kopf hoch es geht weiter…

  5. Silke schreibt

    Gut, dass es zunehmend weniger Mehrlingsgeburten gibt und damit IVF Kinder gute Chancen auf ein gesundes Leben haben.
    Trotzdem ist und bleibt eine Fehl- oder Totgeburt eine unendlich schreckliche Erfahrung. Daran wird auch die neue Studie nichts ändern.