Künstliche Befruchtung ab 40: Besser ICSI statt IVF?

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kuenstliche Befruchtung besser ICSI bei aelteren Frauen?Eine künstliche Befruchtung hat auch bei Frauen über 40 oft noch gute Aussichten auf Erfolg. Ist bei älteren Frauen die ICSI generell erfolgversprechender als die konventionelle IVF? Nur, wenn die Spermienqualität des Partners eingeschränkt ist, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.

Ist die ICSI eigentlich nicht ohnehin erfolgreicher als die IVF?

Noch mal kurz vorab: Beide Formen der künstlichen Befruchtung laufen im Prinzip identisch ab. Es werden nach hormoneller Stimulation der Eierstöcke Eizellen gewonnen und mit den Spermien des Partners befruchtet.

Bei der normalen IVF  werden Eizelle und Spermien nur in der Petrischale zusammengebracht wohingegen bei der ICSI einzelne Spermien direkt in die Eizellen eingebracht werden. Letztere kam zunächst nur bei sehr schlechten Spermiogrammbefunden zur Anwendung. In den letzten Jahren wurde die ICSI aber auch vermehrt bei anderen Fruchtbarkeitsstörungen eingesetzt, selbst in Fällen unbeeinträchtigter männlicher Fertilität.

Diese Entwicklung führte letztlich sogar zur Frage, warum man eigentlich nicht immer eine ICSI durchführt. Die kürzlich gegebene Antwort war einfach: Weil es keine Vorteile hat. Die Schwangerschaftsraten mit ICSI sind bei der künstlichen Befruchtung nicht höher.

OK, aber bei älteren Frauen und schlechteren Eizellen?

Bei älteren Frauen sprechen die Eierstöcke häufiger nicht gut auf die Hormontherapie an und man gewinnt oft weniger Eizellen. Das alleine ist jedoch kein Grund, eine ICSI durchzuführen, auch wenn die Befruchtungsrate hier höher zu sein scheint. Dennoch wird die künstliche Befruchtung bei Frauen über 40 oft mit einer ICSI kombiniert, auch wenn die Spermien des Partners eine normale Qualität aufweisen. Dies wird mit meist einer schlechteren Eizellqualität in diesem Alter begründet. Manchmal hingegen auch gar nicht. Eine Studie, um diese Vorgehensweise zu rechtfertigen gibt es jedoch nicht.

Studie mit 745 Frauen: Kein Vorteil der ICSI

Um Missverständnissen vorzubeugen: Sind die Spermien des Partners schlecht, dann ist die ICSI selbstverständlich besser. Es geht hier um fast 800 Patientinnen ≥ 4o Jahren, deren Partner ein unauffälliges Spermiogramm hatten und bei denen eine künstliche Befruchtung aus weiblichen Gründen notwendig war. Es wurde nur „frische“ Spermien und Eizellen verwendet. Paare, die bereits Zyklen mit einer schlechten Befruchtungsrate hatten, wurden von dieser Studie ausgeschlossen. Ebenso alle Frauen unter 40 Jahren. Bei 490 Paare wurde eine ICSI durchgeführt, bei 255 weiteren eine „konventionelle IVF“, also mit einer normalen Befruchtung in der Petrischale.

So, nun aber das Wichtigste – die Ergebnisse: Die Befruchtungsrate bei der ICSI lag bei 67% der reifen Eizellen und bei der IVF bei 64%. Beide Methoden liegen also gleichauf. Bei der Zahl lebend geborener Kinder pro Behandlung (11,9% ICSI und 9,6% IVF) fanden sich keine Unterschiede. Um Unterschiede bei der Lebendgeburtenrate feststellen zu können (eigentlich dem wichtigsten Parameter, denn darum geht es ja bei jeder dieser Behandlungen) war die Zahl der untersuchten Paare noch zu gering. Die Autoren der Studie weisen deshalb auf die Notwendigkeit einer prospektiven Studie zur Klärung dieser Frage hin.

Und bei wenigen Eizellen?

Wie eingangs erwähnt: Sind weniger Eizellen vorhanden, neigt man dazu, eine ICSI durchzuführen, um die eine bessere Befruchtung zu gewährleisten. In dieser Studie wurde bezüglich dieser Fragestellung noch eine Untergruppe untersucht: Wurden ≤ drei Eizellen gewonnen, führte eine ICSI nicht zu einer Verbesserung der Erfolgsraten (Befruchtung, Einnistung, Geburt).

Schlussfolgerung

Die Autoren raten davon ab, eine ICSI durchzuführen, wenn die Fruchtbarkeit des Mannes unbeeinträchtigt ist. Auch eine geringe Eizellzahl ist kein Grund, von dieser Empfehlung anzuweichen.

Zusammenfassung künstliche Befruchtung ≥ 40 – IVF oder ICSI?

Frage: Vorteil von ICSI gegenüber IVF bei Frauen ≥ 40?

Studie: Land: Kanadische Forschungsgruppe. Design: Retrospektiv. Fallzahl 745 Frauen ≥ 40 und Partner mit normalen Spermien.

Ergebnis: Keine Vorteile bei ICSI, auch nicht, wenn nur ≤ 3 Eizellen vorhanden waren

Schlussfolgerung: Bei normalem Spermiogramm gibt es keine Vorteile, eine ICSI durchzuführen, auch nicht bei älteren Frauen

Tannus S, Son WY, Gilman A, Younes G, Shavit T, Dahan MH
The role of intracytoplasmic sperm injection in non-male factor infertility in advanced maternal age.
Hum Reprod. 2016 Nov 16


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Kommentar

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2 Kommentare

  1. Bella Limoncella schreibt

    Warum raten die Autoren von einer ICSI ab? Wegen des höheren Kostenfaktors oder gibt es noch andere Gründe, bei IVF zu bleiben?

  2. Kinderwunsch-Forum schreibt

    Die Frage muss man umgekehrt stellen: Gibt es Gründe für eine ICSI? Muss man die IVF um die ICSI erweitern, weil man davon Vorteile hätte? Die Antwort ist jeweils „Nein“.