Kryozyklus: Welche Vorbehandlung ist am besten?

Ist der natürliche Zyklus besser oder sollte man Hormone geben?

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Bei der künstlichen Befruchtung entstehen oft überschüssige befruchtete Eizellen oder auch Embryonen. Diese kann man für eine spätere Verwendung einfrieren, also kryokonservieren. Dann ist eine erneute Eizellentnahme und hormonelle Vorbehandlung nicht mehr notwendig. Wie bereitet man die Gebärmutterschleimhaut jedoch am besten auf den Kryozyklus vor?

Die verschiedenen Vorbehandlungsmöglichkeiten beim Kryozyklus

Um Embryonen in die die Gebärmutter zurückgeben zu können, muss die Schleimhaut optimal aufgebaut sein. Im natürlichen Zyklus geschieht dies durch Östrogene, welche vom heranwachsenden Follikel gebildet werden. Das ist dann auch gleich die erste Option zur Vorbehandlung beim Kryozyklus:

1. Nutzung des natürlichen Zyklus

Während die eingefrorenen Eizellen auf ihren Einsatz warten, kann man dem Körper den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut selbst überlassen. Ohne Hormongaben wird sich dann in der Zyklusmitte meist eine gut aufgebaute Gebärmutterschleimhaut und ein reifer Follikel erkennen lassen. Der Follikel enthält zwar auch eine Eizelle, diese wird jedoch nicht benötigt, sondern nur die Hormonproduktion, welche die Schleimhaut aufbaut. Meist führt man LH-Tests oder Blutentnahmen durch, um den Eisprung festzustellen, da man ja nicht nur die Östrogene benötigt, sondern auch die Gelbkörperhormone, die ja erst nach dem Eisprung entstehen. Das Auftauen und der Transfer der Embryonen wird zeitlich auf den Eisprung abgestimmt, so dass diese optimale Bedingungen für die Einnistung vorfinden.

2. Modifizierter natürlicher Zyklus (Mit Eisprung auslösen)

Um den Zeitpunkt des Eisprungs besser bestimmen zu können, kann man diesen auch auslösen. Ansonsten läuft das Verfahren dann analog zu „1.“ ab.

3. Zuführung von Östrogenen und Gelbkörperhormon

Als Routinemethode für alle Patienten oder aber bei Frauen, die keinen zuverlässigen Eisprung haben, hat sich die Gabe von Östrogenen und Gelbkörperhormoneim Kryozyklus etabliert. Die Östrogene können per Tablette, Pflaster oder als Gel verabreicht werden und bewirken einen Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Ein eigener Eisprung ist dafür nicht nötig, denn schließlich werden ja alle notwendigen Hormone von außen zugeführt.

4. Östrogen- und Gelbkörperhormongabe plus Downregulation

Bei der unter „3.“ beschriebenen Methode kann es zu einer eigenen Hormonproduktion kommen, da die verabreichten Hormone den Eisprung nicht immer unterdrücken. Das kann sich mitunter als störend erweisen und die eigentliche Planung durcheinander bringen. Daher unterdrücken manche Ärzte die Aktivität der Eierstöcke durch eine Downregulation, damit keine hormonelle Eigenaktivität stört. Der Nutzen ist schon lange umstritten. In manchen Zentren wird dies als Routine angewendet, vor allem im Ausland zur Vorbereitung auf eine Eizellenspende – die ja grundsätzlich ebenso wie ein Kryozyklus abläuft.

5. Hormonelle Stimulation

Hier zielt man auch – wie unter „1.“ – darauf ab, einen eigenen Follikel (später Gelbkörper) heranreifen zu lassen und dessen Hormonproduktions zu nutzen. Nur wartet man nicht darauf, dass dies von alleine passiert, sondern gibt Hormone, um die Eierstöcke bei der Follikelreifung zu unterstützen. Im Vergleich zur von außen zugeführten Hormonen ergibt sich wohl kein Vorteil.

Und was ist die beste Vorbehandlung für einen Kryozyklus?

„ICE FRUITS“ von Agamennone_75 alias Antonio Colucci

So viele verschiedene Therapieoptionen belegen ganz offensichtlich, dass man nicht genau weiß, welches die beste Vorbereitung auf einen Kryozyklus ist. Es kann dann hilfreich sein, die Ergebnisse mehrerer Studien zusammenzuführen, wie es in der Cochrane Database geschieht. Kürzlich ist hier wieder eine solche Übersicht publiziert worden1)Ghobara T, Gelbaya TA, Ayeleke RO
Cycle regimens for frozen-thawed embryo transfer.
Cochrane Database Syst Rev. 2017 Jul 5;7:CD003414. doi: 10.1002/14651858.CD003414.pub3.
In insgesamt 18 Studien wurden dabei zusammengefasst, die sich mit den unterschiedlichen Protokollen zur Vorbereitung eines Kryozyklus auseinandersetzten. Natürlich kann man dabei nicht alle mit allen Methoden vergleichen, sondern nur einzelne. Die Übersicht der verschiedenen Kombinationen, ist hier dargestellt, die Kurzzusammenfassung der Ergebnisse finden Sie, wenn Sie darauf klicken:

Es wurden hierbei nur Schwangerschaftsraten erfasst und nicht die Zahl der Lebendgeburten. Signifikante Unterschiede fanden sich nicht.
Kein Unterschied bei den Lebengeburtenraten oder Mehrlingen.
Auch hier keine Differenz zwischen den beiden Gruppen. Lebensgeburtenrate, Mehrlingschwangerschaften ohne signifikante Unterschiede. Es zeigte sich jedoch eine Tendenz zu weniger Fehlgeburten bei den Frauen, deren Eisprung nicht ausgelöst wurde.
Es fand sich kein Unterschied bezüglich fortlaufender Schwangerschaften und Lebendgeburten. Der Anteil an Fehlgeburten unterschied sich demzufolge ebenfalls nicht.
Die Anteil an Lebengeburten und die Fehlgeburtenrate unterschied sich nicht in den beiden Gruppen.
Hier zeigte sich tatsächlich erstmals ein Unterschied („low-quality“) und zwar zu Gunsten der Downregulation bei der Lebendgeburtenrate (OR 0.10, 95% CI 0.04 to 0.30, 1 RCT, n = 75).
Verglichen wurde die Stimulation mit Menogon (hMG) alleine mit Clomifen und hMG in Kombination. Her fand sich eine bessere Lebendgeburtenrate, wenn man das Clomifen wegließ.

Welche Vorbehandlung bei Kryozyklus: Zusammenfassung

Vorausgesetzt, die Frau hat einen regelmäßigen Eisprung (Was den Wegfall des natürlichen Zyklus als Option bedeutete), gibt es keine Vorbehandlung, die den anderen signifikant überlegen wäre. Die am häufigsten verwendeten Protokolle zur Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut auf den Transfer von zuvor eingefrorenen Embryonen sind der natürliche Zyklus mit und ohne „Auslösespritze“ und die Gabe von Östrogenen/Progesteron mit und ohne „Downregulation“.

Letzte Anmerkung: Wenn die Protokolle gleichwertig sind, dann sollte man das am einfachsten anwendbare auswählen und evtl. auch das preiswerteste.

Im Zweifel spricht daher viel für den Transfer im natürlichen Zyklus und einiges gegen die Stimulation.

Literatur   [ + ]

1. Ghobara T, Gelbaya TA, Ayeleke RO
Cycle regimens for frozen-thawed embryo transfer.
Cochrane Database Syst Rev. 2017 Jul 5;7:CD003414. doi: 10.1002/14651858.CD003414.pub3.

Kommentar

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6 Kommentare

  1. RoteBeete schreibt

    Wie ist es aber, wenn eine Downregulation aufgrund von Endometriose erfolgt? Gibt es auch da keine Unterschiede zu dem natürlichen Zyklus betreffend der Schwangerschaftsrate?

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Zu dieser durchaus interessanten Fragestellung gibt es keine mir bekannte Studie.

  3. Claru schreibt

    Angenommen die Frau hat immer kurz vor LH Anstieg einen so starken Östrogenabfall, dass die Gebärmutterschleimhaut etwas abblutet (2-3 Tage rosa Schleim und Schmierblutung). Wäre dann nicht der künstliche Zyklus besser?

  4. Elmar Breitbach schreibt

    @ Claru. Sicher, wir sprechen von einem natürlichen Zyklus ohne Beeinträchtigungen, also regelmäßig, mit gutem Aufbau der Schleimhaut und ohne Zwischenblutungen.

  5. Sowahr schreibt

    Hallo,
    ich als Anfänger habe ein paar Fragen zu den 5 aufgelisteten „Verfahren“:
    1) was passiert denn bei 1 mit der Eizelle/Follikel die herangewachsen ist? („Der Follikel enthält zwar auch eine Eizelle, diese wird jedoch nicht benötigt,“)
    2) bei Nummer 4 wird auf Methode 2 (bildet Basis) verwiesen, aber sollte es hier nicht 3 heissen? Da bei 2 ja nur der Eisprung mit einem Medikament ausgelöst wird..

    Vielen Dank! 🙂

  6. Elmar Breitbach schreibt

    Vorab herzlichen Dank für das Lektorat. Ich habe den Artikel entsprechend korrigiert. Sie hatten natürlich völlig recht…

    Die Eizelle verlässt den Follikel und wird dann vom Eileiter aufgenommen, wie sonst auch (vorausgesetzt der Eileiter ist intakt). Grundsätzlich ist dann auch noch eine Schwangerschaft auf normalem Wege mit dieser Eizelle möglich, aber die meisten Paare, die sich einer solchen Behandlung unterziehen, haben ja eher eingeschränkte Chancen, dadurch nun Zwillinge zu bekommen. Meist ergeht es diesen Eizellen so wie anderen Eizellen, die nicht befruchtet werden: Sie sterben ab.