Krampfader am Hoden: Wie sinnvoll ist eine Operation?

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Krampfadern am Hoden (Varikozelen) entstehen meist einseitig (links) und sind Erweiterungen der Venen, die das Blut vom Hoden wegtransportieren. Schon seit Jahrzehnten vermutet man einen Einfluss solcher Venenkonvolute auf die männliche Fruchtbarkeit, jedoch sind die Mechanismen, durch die sich solche Krampfadern auf die Samenproduktion auswirken, nur unzureichend erklärt. Entsprechend unzureichend sind daher auch die Belege dafür, dass eine Entfernung der Krampfader die Fruchtbarkeit verbessern könnte.

Alter Stand: Operation bringt nichts

In der Cochrane Database findet sich eine Übersicht zu Studien, die sich mit dem Einfluss einer Krampfaderbehandlung auf die Zeugungsfähigkeit beschäftigt. Der 2009 aktuelle Stand der Dinge wurde auch hier ausführlich erläutert. In der Regelmäßig aktualisierten Zusammenfassung fand sich damals – wie auch schon in den Jahren zuvor – der Satz:„There is no evidence that treatment of varicoceles in men from couples with otherwise unexplained subfertility improves the couple’s chance of conception.“ Kurzübersetzung: Es gibt keinen Beweis für eine höhere Schwangerschaftsrate nach dieser Operation.

Neuer Stand: Man weiß es nicht so richtig

So soll's sein: Flotte Schwimmer
So soll’s sein: Flotte Schwimmer

Anlässlich einer Frage aus dem Forum habe ich mich mit der aktuellen Version der Studie beschäftigt und es sind inzwischen weitere auswertbare Studien hinzugekommen, die den strengen Cochrane-Kriterien genügen [1]. Inzwischen beinhaltet die Metaanalyse der Studien die Daten von insgesamt 894 Männern. In den meisten Studien wiesen diese eingeschränkte Spermienparameter auf und alle – das war ja ein Einschlusskriterium – eine Hodenkrampfader.

Die Ergebnisse zeigten nun einen sehr schwachen Hinweis darauf oder Beweis dafür (“very low quality evidence“), dass die Operation einen Vorteil für den betroffenen Mann und seine Partnerin bringt. Die sehr mathematische Aussage war, dass man 17 Männer behandeln muss, um bei einem von ihnen eine Verbesserung erwarten zu können.

Die Statistik wurde besser, wenn man nur Männer mit einer nachweislichen Qualitätseinschränkung der Spermien (denn nicht alle Männer mit Krampfader haben schlechte Spermien) und die mit einer deutlich erkennbaren Krampfader einschloss. Dann mussten man theoretisch 7 Männer behandeln, um einem letztlich helfen zu können. Immer noch keine Quote, die überzeugend genug ist, um sich erwartungsvoll unters Messer zu legen. Wie (fast) immer in Cochrane-Artikeln endet dieser auch mit dem Hinweis, dass weitere Studien notwendig sind, um die Frage zu beantworten.


Weniger DNA-Fragmentationen?

Eine sehr aktuelle Studie zu diesem Thema [2] zeigte an einer allerdings sehr kleinen Fallzahl (29 Männer) einen signifikanten Vorteil in Bezug auf die DNA-Integrität hat, also weniger DNA-Fragmentierungen (= Brüche der Erbgutstränge) und eine Verbesserung der Spermienbeweglichkeit. Eine bessere Beweglichkeit kann zweifelsohne hilfreich sein, was ist aber mit der den Brüchen in den Erbgutsträngen?

Weniger DNA-Fragmentationen: Wen kümmert’s?

Es wäre sicherlich hilfreich, wenn die Untersuchung der DNA-Fragmentierung bei Spermien wirklich eine sichere Prognose der männlichen Fruchtbarkeit zuließe. Und dieser Wunsch ist auch der Grund, weshalb nicht wenige Kinderwunschkliniken diese Untersuchung anbieten. Es bleibt aber bei dem Wunsch, denn auch wenn es zahlreiche Studien zu dieser Fragestellung gibt und auch Hinweise auf einen Einfluss der DNA-Fragmentierung auf den Erfolg einer IVF-Behandlung, so fehlen immer noch beweisende Studien, die einen Routine-Einsatz der DNA-Untersuchung rechtfertigen würde. Dazu wurde hier bereits eine ausführliche Zusammenfassung präsentiert.

So kann man anschließend sagen, dass die Operation einer Krampfader wohlüberlegt sein will, da man durchaus zu der Mehrheit derer gehören kann, die von dem Eingriff nicht profitieren.

[1] Kroese AC, de Lange NM, Collins J, Evers JL
Surgery or embolization for varicoceles in subfertile men.
Cochrane Database Syst Rev. 2012 Oct 17;10:CD000479. doi: 10.1002/14651858.CD000479.pub5.

[2] Alhathal N, San Gabriel M, Zini A
Beneficial effects of microsurgical varicocoelectomy on sperm maturation, DNA fragmentation, and nuclear sulfhydryl groups: a prospective trial.
Andrology. 2016 Aug 27. doi: 10.1111/andr.12256. [Epub ahead of print]



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