Kann man die biologische Uhr verstellen?

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Dass man Eizellen aus sogenannten “adulten Stammzellen” herstellen kann, indem man z. B. Hautzellen so umprogrammiert, dass daraus Eizellen entstehen, ist zumindest aus Tierversuchen bekannt.

Viel schöner wäre es jedoch, könnte man aus den Eierstöcken Stammzellen isolieren, die dann in der Lage wären, neue Eizellen von Grund auf neu zu produzieren, wie es z. B. bei Blutzellen der Fall ist. Diese Stammzellen ließen sich bei Mäusen bereits vor Jahren isolieren.

Die biologische Eieruhr
Dem steht jedoch die Annahme entgegen, dass bei der Frau die Zahl der Eizellen bereits bei der Geburt festgelegt sind und neue Eizellen danach nicht mehr gebildet werden.

Eine aufsehenerregende Studie in “Nature medicine” zeigt, dass dieses Dogma nicht zutreffend ist. Auch in menschlichen Eierstöcken gibt es Stammzellen, die sich zu befruchtungsfähigen Eizellen differenzieren können.

Damit eröffnen sich neue Wege für Frauen mit Kinderwunsch, die unter vorzeitigen Wechseljahren leiden oder sich beispielsweise wegen einer Krebserkrankung einer Chemo- oder Strahlentherapie unterziehen müssen: Nach Biopsie eines Eierstocks könnten aus den darin enthaltenen Stammzellen Eizellen für eine künstliche Befruchtung gewonnen werden. Das Verfahren wäre eventuell auch eine Alternative, wenn die gängige hormonelle Stimulation der Eierstöcke von Frauen bei einer Fruchtbarkeitsbehandlung vermieden werden soll.

berichtet Spektrum.de in seiner online-Ausgabe. Von der Autorin des Artikels wurde ich dazu per Email interviewed und einige meiner Aussagen zur Relevanz bei der Kinderwunschbehandlung fanden eingang in den Artikel, weshalb ich mich hier etwas kürzer fassen und für Details auf diesen Artikel verweisen möchte.

Yvonne A R White, Dori C Woods, Yasushi Takai, Osamu Ishihara, Hiroyuki Seki, Jonathan L Tilly
Oocyte formation by mitotically active germ cells purified from ovaries of reproductive-age women
Nature Medicine (2012) doi:10.1038/nm.2669



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Kommentar

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7 Kommentare

  1. reaba schreibt

    passiert nicht allzu häufig, dass medizinische dogmen fallen. erfreulich für uns frauen in diesem fall.

    was ich etwas seltsam finde, ist, dass die stossrichtung medizinischer erwägungen bezüglich kiwu-realisierung gleich in richtung in vitro geht. interessanter fände ich für alle frauen, wenn die möglichkeiten um das verständinis des neuen zusammenhangs richtung in vivo gingen. dazu müßte man verstehen lernen, welche mechanismen die fähigkeit der stammzellen im eierstock beeinflussen – was wiederum auch interessant für in vitro behandlungen wäre.

    vielleicht werden diese erkenntnisse ja irgendwann einmal irgendeinen reflektionsfähigen gesundheitsminister (wahrscheinlich unwahrscheinlicher als das tiefgehende verständnis der stammzellen im eierstock zeitnah zu entschlüsseln….) über die sinnhaftigkeit von altersgrenzen in entsprechenden gesetzen nachdenken lassen. die hoffnung stirbt immer zuletzt 🙂

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Es wäre schön, wenn das zu einer Verbesserung deer Fruchtbarkeit auch bei der älteren Frau führen würde. Aber es ist noch vieles unklar. So z. B. wie es um die Qualität der Eizellen bestellt ist. Sind die frischen Eizellen dann auch wirklich frischer = biologisch jünger?

    schaun wir mal….

  3. grueneGurke schreibt

    Koennte ich dann irgendwann neue Eileiter haben? Und mein Mann das Enzym fuer seine Spermien in die Eizelle zu kommen?

    *liebschau*

  4. Elmar Breitbach schreibt

    @ grueneGurke: Ich habe es mal in der Liste aufgenommen… 😉

  5. Ivy schreibt

    Wieso verstellen? Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich doch, dass es die biologische Uhr in diesem Sinne gar nicht gibt. Wer diese zugegeben hübschen Metapher behalten will, müsste sie wenn schon umformulieren. Wie, überlasse ich denjenigen.

    Aber wie dem auch sei: Das ist doch mal eine erfreuliche Nachricht. Also Mädels, macht euch locker, und: Seid trotzdem fruchtbar und vermehrt euch! 😉

  6. Sandra schreibt

    Das sind ja wirklich gute nachrichten, wenngleich ich immer schon der Meinung war dass die biologische Uhr nur im Hirn wirklich vorhanden ist, und der menschliche Körper dies so gar nicht vorgesehen hatte und hat.

  7. Maria schreibt

    Das klingt ja vielversprechend, vielleicht hilft das auch ‘reiferen’ Frauen, sofern die Qualität der Eierstockzellen in Ordnung ist.
    Warten wir mal ab, was die nächsten Forschungen bringen, ein paar Jahre gehen sicher noch ins Land, bis weitere zuverlässige Ergebnisse vorhanden sind.