Zeitgerecht geborene Kinder entwickeln sich nach ICSI normal

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Ein Artikel in der Zeitschrift „Der Gynäkologe“ beschäftigt sich mit der Entwicklung der Kinder nach künstlicher Befruchtung. Es ist bekannt, dass das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, Frühgeburten und Fehlbildungen bei den so gezeugten Kindern erhöht ist. In der Hauptsache ist dies darauf zurückzuführen, dass nach der künstlichen Befruchtung Mehrlingsschwangerschaften und deren Folgerisiken häufiger vorkommen. Aber auch bei Einlingsschwangerschaften ist das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen erhöht und das sogenannte neonatale Outcome schlechter als bei natürlich gezeugten Einlingen.

Es liegt an den Patienten, nicht an der Behandlung

Risiko Petrischale?
Hinsichtlich der Einlingsschwangerschaften sind diese Risiken jedoch auch erhöht, wenn eine Schwangerschaft spontan eintritt, jedoch die Wartezeit darauf zwölf Monate überschreitet. Offenbar haben Paare mit einer eingeschränkten Fruchtbarkeit generell ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten und andere Schwangerschaftskomplikationen (Präeklampsie). Das Gleiche gilt für Fehlbildungen der Kinder: Dieses Risiko ist um den Faktor 1,3 erhöht, jedoch auch bei Paaren mit einer längeren Zeit bis zur Konzeption.

Die körperliche uns geistige Entwicklung der Kinder nach künstlicher Befruchtung wurde in einigen großen Kontrollstudien untersucht. Unterschiede zu natürlich gezeugten Kindern fanden sich hierbei nicht. Nur bei der neurologischen Entwicklung gibt es unterschiedliche Aussagen. In den Studien, welche die Kinder prospektiv untersuchten, fanden sich keine Auffälligkeiten, in großen skandinavischen Studien, die auf Basis der dortigen Geburtsregister (meist anhand von retrospektiven Fragenbögen) erstellt wurden, war das Risiko für schwerwiegende neurologische Erkrankungen erhöht. Auf die Problematik dieser skandinavischen Studien wurde hier bereits ausführlich im Zusammenhang mit der Meldung eingegangen, dass das Krebsrisiko für Kinder nach einer IVF erhöht sei.

Sieht man von den zusätzlichen Risiken einmal ab, die durch einen erhöhten Anteil von Mehrlingsschwangerschaften auftreten können, kommen die Autoren dieser Analyse zu dem in der Überschrift geäußerten Schluss: Zeitgerecht geborene Kinder entwickeln sich nach ICSI normal.

Um die Gesundheit der Kinder nach künstlicher Befruchtung zu verbessern, steht also nach wie vor die Vermeidung von Mehrlingsschwangerschaften im Vordergrund. Daher mal wieder der Link auf einen älteren Artikel dieses Blogs: Mehrlinge und Kosten: Können wir uns nur einen Embryo leisten?.

Ludwig AK, Ludwig M
Der Gynäkologe
Volume 44, Number 2, 128-132


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Kommentar

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5 Kommentare

  1. sylvia02 schreibt

    Lieber Doc, danke für diesen Artikel! Endlich werden die entscheidenden Faktoren für die bisher KB-kritisch eingesetzten Statistiken genannt.

  2. bell schreibt

    Lieber Doc, dabke für diesen Artikel.
    Was mich noch interessieren würde: bezieht sich diese Erkenntnis auch auf Kryo-Kinder? Oder nur auf Kinder aus einem sog. Frischversuch?
    Gruss Bell

  3. Seraphima schreibt

    Was bedeutet neonatales Outcome?

    Liebe Grüße
    Sera

  4. Elmar Breitbach schreibt

    @ Seraphima : Neonatales Outcome: Wie gesund die Kinder geboren werden

  5. Kindliche Entwicklung nach Zeugung durch TESE und ICSI

    […] eheben zu können. Die Ergebnisse sind beruhigend. Wesentliche Erhöhungen des Fehlbildungsrisikos ergeben sich durch die künstliche Befruchtung nicht. Abschließende Aussagen sind – wie so oft in der Medizin – nicht möglich. Immer […]