Wieviele Embryos sollte man einpflanzen?

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Wenn man zu viele Embryonen bei einer IVF oder ICSI transferiert, dann ist das Risiko für Mehrlinge erhöht, mit absteigender Anzahl an Embryonen sinkt die Chance auf eine Schwangerschaft.

Die Abhängigkeit von Embryonenzahl und Erfolgsrate findet sich in einer Graphik aus den Deutschen IVF-Register, die ich in einem anderen Artikel bereits verwendet habe:
Schwangerschaftsrate in Abhängigkeit von der Zahl transferierter Embryonen

Nun sind wir in Deutschland mit der Zahl der transferierten Embryonen limitiert, jedoch gibt es viele Länder, in denen solche Restriktionen nicht gelten. Und es stellt sich die Frage, inwieweit die Restriktionen bei uns von Bedeutung sind und ob eine höhere Anzahl von Embryonen tatsächlich eine Verbesserung der Schwangerschaftsraten nach sich zieht. Dazu wurden nach den strengen Kriterien der Cochrane Database Studien ausgewählt, die sich mit dieser Frage beschäftigten.

Die Fragestellung

  • Verbessert der Transfer von zwei Embryonen die Schwangerschaftsraten im Vergleich
    • zum elektiven „Single Embryo Transfer“ (SET)
    • zum Transfer von drei Embryonen (TET)
    • zum Transfer von vier Embryonen (FET)
  • Verbessert der Transfer von drei Embryonen die Schwangerschaftsraten im Vergleich zu
    • SET
    • FET

Die Ergebnisse

Naturgemäß sind nur wenige Studien in der Lage, den Strengen Cochrane-Richtlinien zu genügen. Fünf Studien verglichen den Transfer von zwei Embryonen mit dem elektiven „Single Embryo Transfer“ (SET). Jeweils eine weitere verglich den Transfer von 2 und 3 Embryonen bzw. den von 2 mit 4 Embryonen.

  1. Die kumulative Lebendgeburtenraten (LGR) nach Rückgabe eines Embryos im Nichterfolgsfalle gefolgt vom Transfer eines zuvor eingefrorenen Embryos wies keinen statistisch signifikanten Unterschied zur Lebendgeburtenrate nach dem Transfer von zwei „frischen“ Embryonen auf
  2. Ebenfalls ergab sich kein Unterschied der LGR zwischen einem DET und zwei „frischen“ SET in Folge. [Daraus ergibt sich in Zusammenschau mit dem ersten Punkt, dass es keinen Unterschied macht, ob ein Embryo zuvor eingefroren war … naja, ich weiß nicht so recht]
  3. Nicht überraschend ist (wenn man den Punkt 2 berücksichtigt), dass die Lebendgeburtenrate beim DET statistisch signifikant besser als bei SET ist (ungefähr doppelt so hoch)
  4. Die Mehrlingsrate beim SET war natürlich sehr viel geringer (5% dessen, was beim DET an Mehrlingen auftrat)
  5. Die LGR nach zwei Zyklen mit jeweils zwei Embryonen war nicht statistisch signifikant geringer als nach zwei Zyklen mit jeweils drei Embryonen
  6. Die LGR nach drei Zyklen mit jeweils zwei Embryonen war nicht statistisch signifikant geringer als nach drei Zyklen mit jeweils drei Embryonen
  7. Es gab also keine Unterschiede zwischen DET und TET hinsichtlich der Lebendgeburtenrate, jedoch auch erstaunlicherweise nicht bei der Mehrlingsrate
  8. Die Rückgabe von zwei Embryonen führte zu geringeren Lebendgeburtenraten als der Transfer von 4 Embryonen, jedoch war auch dieser Unterschied nicht statistisch signifikant.

Und wie so oft bei einer Studie die in der Cochrane Database veröffentlicht wird, stellt sich die Frage: „Und nun? Was sagt uns das?“

Wenn ich ehrlich sein darf: Diese ganze Evidenzbasierte Medizin ist mir manchmal schon ein wenig suspekt. Wenn es denn keine Evidenz gibt (Beweis), gibt es dann auch keine Medizin? Da lobe ich mir doch die Aussage des Deutschen IVF-Registers. Das sind zwar keine Ergebnisse randomisierter und kontrollierter Studien, enthalten aber eine klare Aussage: Mehr als zwei Embryonen zurückzugeben lohnt sich nur in den wenigsten Fällen. Und zum SET in Deutschland habe ich mich hier ja schon allerausführlichst geäußert.

Liefern wir noch die Schlussfolgerung der Autoren dieser Studie nach: DET hat eine höhere LGR als SET, jedoch nicht wenn dieser im Nichterfolgsfalle von einem Transfer eines einzelnen zuvor eingefrorenen Embryos gefolgt wird. Mehrlinge treten bei SET seltener auf (*ach*). Und dann kommt abschließend noch der Cochrane-Klassiker: Für den Vergleich der Effektivität zwischen DET und TET bzw. FET fehlen ausreichende Daten.

Und bis dahin machen wir so weiter, wie gehabt, weil uns die Beweise fehlen… 🙄

Pandian Z, Bhattacharya S, Ozturk O, Serour G, Templeton A
Number of embryos for transfer following in-vitro fertilisation or intra-cytoplasmic sperm injection.
Cochrane Database Syst Rev. 2009 Apr 15;(2):CD003416.


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Kommentar

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12 Kommentare

  1. Rebella schreibt

    Da wird einem ja beim Lesen ganz schwindelig.

    Interessant ist doch eigentlich nur die Frage, ob die Erfolge beim elektiven SET besser oder schlechter sind als die beim nicht elektiven DET.

    Dass TET meist nichts als Mehrlinge bringt, wussten wir schon vorher. Und der FET ist sowieso uninteressant für uns.

  2. grünhorn schreibt

    Nur um sicher zu gehen: mit „elektiv“ ist die Möglichkeit der Auswahl unter mehreren zur Verfügung stehenden Embryonen gemeint. Oben heißt ‚SET‘ immer elektiver Ein-Embryonen-Transfer.

    Deine Frage, Rebella, ist dann in Punkt 2 beantwortet: Einmal zwei zufällig ausgewählte Embryonen zu transferieren ist genauso gut wie in zwei aufeinanderfolgenden Versuchen einen nach Qualität ausgewählten.
    Wobei ich es schon komisch finde, dass diese Schlussfolgerung möglich ist, d.h. dass es eine hinreichende Datengrundlage dafür geben soll. Man müsste ja ungefähr genauso viele Fälle haben, in denen ein Paar einen (und nur einen) Versuch mit DET gemacht hat wie Fälle, in denen ein Paar genau zwei SET-Versuche gemacht hat (und zwar auch dann, wenn der erste schon erfolgreich war). Und bei zwei erfolgreichen SET-Versuchen müsste ja auch noch der Effekt rausgerechnet werden, der sich aus dem Vorteil der Auswahl des besten Embryos aus zwei Stimulationen gegenüber nur einer Stimulation ergibt. Oder gibt es diesen Vorteil nicht, d.h. gibt es in einer Stimulation mit derselben Wahrscheinlichkeit zwei Embryonen guter Qualität wie einen? Das kann ich mir ja nicht vorstellen – habe ich doch selbst schon zwei (Eizellspende-)Versuche hinter mir, bei denen es jeweils letztendlich aus 8 bzw. 12 befruchteten Eizellen nur einen sehr guten Embryo gab.

  3. Rebella schreibt

    Grünhorn, ich meine, auch DET heißt immer elektiv. Ist nur dumm, wenn es manchmal dabei steht und manchmal nicht. – Und um Mißverständnisse auszuschließen, es geht bei „elektiv“ um eine augenscheinliche Auswahl, nicht um eine genetische!

    Dieser Satz: „Ebenfalls ergab sich kein Unterschied der LGR zwischen einem DET und zwei “frischen” SET in Folge.“ erscheint mir dennoch komisch. Ist der DET denn hier auch frisch oder nicht frisch? Und das würde auch heißen, der Embryo mit dem richtigen Potential entwickelt sich auch. Egal, ob nun einzeln oder im Doppelpack. Wobei letzteres eben eher Zwillinge ergeben kann.

  4. grünhorn schreibt

    Tja,
    was er da nun genau meint, müsste er wohl noch mal etwas deutlicher schreiben, der Herr Doktor :-). So kommen wir jedenfalls nicht weiter, wo wir noch nicht mal wissen, ob auch die zwei zurückgegebenen Embryonen selektiert werden oder nicht.

  5. grünhorn schreibt

    @EB: Danke für die Klarstellung.
    Übrigens: Stimmt etwas mit der Verlinkung der Kommentare nicht oder setzen Sie absichtlich Textausschnitte aus den News als Kommentar in eine Diskussion (s. z.B. die Kommentare zur Newsseite „Mehrlinge und Kosten: Können wir uns nur einen…“)?

  6. Elmar Breitbach schreibt

    @grünhorn: Das stimmt schon so. Das sind sogenannte „Pings“, die automatisch gesetzt werden, wenn ich auf einen anderen Artikel verlinke, was dem Leser dieses anderen Artikels dann zeigt, dass es noch etwas anderes zu diesem Thema gibt. das ist auch so mit dem Theorie-Teil, dort werden entsprechende Artikel in den News ebenfalls in den Kommentaren angezeigt. Dort etwas sauberere und übersichtlicher getrennt.

  7. grünhorn schreibt

    @EB: Ahso. Das habe ich nicht erkannt, Asche über mein Haupt. Sieht als Kommentar erst mal etwas merkwürdig aus, aber wenn man’s weiß, ist es auch klar, wie es zu Stande kommt.

  8. Krümmelkuh schreibt

    Hallo,
    ich bin aktiv zum ersten mal hier dabei. Gelesen habe ich von Euch schon vieles! Da ich nächsten Monat anfange mit der Depot Spritze und sich die Gedanken ständig um die Frage drehen, was mach ich wirklich Richtig bei der IvF, melde ich mich hier.Ist es nicht so, transferiert man nur einen und es klappt nicht, denkt man, mensch hätte ich doch mal zwei genommen. Nimmt man 2 und es stehen Zwillinge ins Haus ist man vielleicht auch nicht gerade begeistert. Kommt bei diesem Versuch jedoch nur eines zu stande, ist man froh so gehandelt zu haben. Wie sind die Chancen wirklich? Wie geht man damit um?

    LG Krümmelkuh

  9. Rebella schreibt

    @krümmelkuh: die Aussagen hier in diesem Artikel beziehen sich ja auf den elektiven Embryonentransfer. Das heißt, da werden Embryonen ausgewählt. Das ist in Deutschland jedoch nicht erlaubt. Insofern ist das hier keine praxisnahe Diskussion für Deutschland. Höchstens eine für das, was wir fordern (sollten).

    Zu den Erfolgsaussichten beim Transfer von einem oder zwei bzw. drei Embryonen findest du eine schöne Statistik im Deutschen IVF-Register. http://www.deutsches-ivf-register.de . Davon abgesehen gibt es ja immer noch die persönliche Komponente. In Deutschland, wo ein transferierter Einling nicht ausgewählt werden darf, sind die Erfolgsaussichten damit allgemein zu gering. Deshalb werden meist 2 Embryonen, manchmal auch 3 transferiert.

  10. grünhorn schreibt

    Hmmmm,
    wenn in der Studie stets (bei SET, DET, TET und FET) von einer Auswahl der besten Embryonen ausgegangen wurde, dann ist die Aussage doch relativ klar: zweimal SET ist genauso gut wie einmal DET, das Risiko einer Zwillingsschwangerschaft aber nur halb so groß, also: besser zweimal SET oder genausogut und nur mit einer Stimulation verbunden: einmal SET frisch und einmal Kryo-SET.
    Oder habe ich da jetzt was übersehen?