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IVF und ICSI

Warum fallen Embryonen nicht aus der Gebärmutter?

Wenn man eine künstliche Befruchtung durchführen lässt und nach vielen Spritzen, Eizellentnahme und Hoffen auf die Befruchtung der Eizellen endlich die Embryonen beim Transfer in die Gebärmutter zurückgesetzt bekommt, möchte man nicht falsch machen, um den Erfolg dieser ganzen Mühen nicht zu gefährden.

Das führt unweigerlich dazu, dass sich viele Frauen möglichst gar nicht mehr bewegen wollen und die zwei Wochen bis zum Schwangerschaftstest am liebsten im Bett liegend verbringen möchten. Das ist jedoch nicht notwendig, denn die Embryonen könne nicht aus der Gebärmutter fallen. Sagt Ihnen bestimmt auch Ihr Arzt, aber rein gefühlsmässig haben Sie da Ihre Zweifel. Selbst Husten und Lachen führt zu Panikattacken, weil man das Gefühl hat, nun sei der Embryo herausgefallen.

Die Gebärmutterhöhle ist keine

Sie können wirklich nicht rausfallen. Zunächst darf man sich die Gebärmutterhöhle eben nicht als einen “Höhle”, also einen Hohlraum, vorstellen. Das würde ja voraussetzen, dass sich Luft in der Gebärmutter befindet, was nicht der Fall ist. Die Schleimhaut kleidet den Innenraum der Gebärmutter vollständig aus und stösst direkt mit der Schleimhaut der gegenseitigen Gebärmutterwand zusammen. Dazwischen befindet sich lediglich ein sehr dünner Flüssigkeitsfilm. Die Embryonen befinden sich also eingeklemmt zwischen den Schichten der Schleimhaut und daran “festgeklebt” durch den Flüssigkeitsfilm.

Flüssigkeit ohne Lufteinschlüsse ist ein optimaler Klebstoff

Bringt man glatte Oberflächen direkt und ohne Lufteinschluss aneinander, dann sind sie voneinander nicht lösbar. Nun gibt es auch in der natur keine komplett glatten Oberflächen und auch die Gebärmutterschleimhaut weist kleine Unregelmäßigkeiten auf. Daher ist ein zusätzlicher Flüssigkeitsfilm notwendig, um diese Unebenheiten auszugleichen. Dieses Prinzip funktioniert bei allen glatten Oberflächen und ist auch die grundsätzliche Funktionsweise von handelsüblichen Flüssigklebstoffen. In der Natur reichen wasserähnliche Flüssigkeiten dazu aus, da diese ständig nachproduziert werden können, um die optimale Feuchtigkeit zu erhalten. Die Klebstoffe, die man zum basteln verwendet, härten aus, um den Film dauerhaft zu erhalten, aber wie gesagt, das Prinzip ist identisch.

Nur noch ein Beispiel aus der Praxis: Nehmen Sie ein kleines Stück Papier und legen es auf eine feuchte Fensterscheibe. Und? es bleibt hängen…sehen Sie.

Die Embryonen haben keine Masse und daher auch keine Trägheit

ketchupWas machen Sie, um Ketchup aus der Flasche zu befördern? Sie drehen die Flasche um, mit der nach unten gerichteten Öffnung schwingen Sie nach unten (vorzugsweise direkt über dem Teller) und bremsen diesen Schwung abrupt ab.

Was passiert dabei? Die Flasche und der Ketchup werden durch die Abwärtsbewegung beschleunigt. Anschließend bremsen Sie die Flasche ab, nicht jedoch den Ketchup. Dieser behält die ereichte Geschwindigkeit bei, verlässt die Flasche und landet auf dem Teller. Ich will niemanden überfordern oder langweilen, aber dieses Vorgehen entspricht dem sogenannten Massenträgheitsgesetz. Nach diesem Massenträgheitsgesetz hat jeder Körper das Be­streben, sich mit der Geschwindigkeit weiter fortzubewegen, die er innehat. Dieses Phänomen ist abhängig von der negativen Beschleunigung des Abbremsens und (wichtig!) der Masse. Je größer also die Masse des Ketchups ist, desto größer ist die Wucht, mit der er auf dem Teller landet.

Nun vom Ketchup zurück zum Embryo in der Gebärmutter: Das Bestreben des Embryos (Ketchup), die Gebärmutter (Flasche) zu verlassen, ist also stark abhängig von seiner Masse. Der Embryo ist in der subjektiven Wahrnehmung sicherlich groß, juristisch ja auch schon ein Mensch, er ist aber weniger als 0,2 Millimeter groß und demzufolge natürlich extrem leicht.

Sollten Sie als nach dem Transfer von einem Tisch springen, dann werden Gebärmutter und Embryo zuerst stark beschleunigt und anschließend stark abgebremst. Aufgrund seiner fehlenden Masse wird der Embryo jedoch nur die Bewegungen der Gebärmutter mitmachen, jedoch physikalisch nicht den Drang haben, die Gebärmutter zu verlassen.

Nun möchte ich niemandem raten, nach dem Transfer der Embryonen vom Tisch zu springen, schon alleine wegen der vergrößerten Eierstöcke, die sich dann schmerzhaft melden würden. Jedoch ist die Angst unbegründet, dass unachtsame Bewegungen zum Verlust der Embryonen führen können.

Und noch mehr Physik: Flüssigkeiten sind nicht komprimierbar

Zumindest nur wenig. Darauf beruht übrigens das Prinzip der Hydraulik, denn Flüssigkeiten geben auf sie ausgeübten Druck direkt weiter. das führt jetzt aber zu weit. Also wenn Flüssigkeiten nicht komprimierbar sind, was passiert dann, wenn Sie husten, oder wenn Sie aus welchen Gründen auch immer den Druck im Bauch erhöhen (Pressen)?

Vor allem die Gase im Körper werden komprimiert und davon befindet sich ja reichlich im Darm. Ohne das je nachgemessen zu haben, behaupte ich, dass sich der Druck in der Gebärmutter in solchen Fällen nicht erhöht (= aus physikalischen Gründen nicht erhöhen kann).

Die Druckerhöhungen im Bauch, die beim Husten oder Pressen zum Stuhlgang auftreten, haben daher auch keine Chance, die Lage der Embryonen zu verändern.


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Kommentare

1 Kommentar für “Warum fallen Embryonen nicht aus der Gebärmutter?”

  1. [...] Es sei noch einmal auf den Artikel verwiesen, in dem ich ausführlich die zahlreichen Gründe genannt habe, weshalb Embryos nicht aus der Gebärmutter herausfallen. Wer ihn noch nicht kennt: unbedingt lesen, der weltweit beste Artikel zum Thema [...]

    Geschrieben von Uterine Kontraktionen durch Katheter: Sind sie von Bedeutung? am 11. Januar 2008 um 00:12

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