Vorzeitige Wechseljahre durch Hormonbehandlung?



Bei einer künstlichen Befruchtung werden zur Gewinnung von mehreren Eizellen Hormone gegeben. Dadurch, dass mehr Eizellen als sonst üblich gebildet werden („verbraucht werden“) wird immer wieder diskutiert, ob durch diese unphysiologisch hohe Produktion an Eizellen die Wechseljahre bei den Frauen früher eintreten. Dazu eine aktuelle Studie, aber erst einmal vorweg drei Überlegungen:

Es werden in jedem Zyklus mehrere Eizelle verbraucht

Zunächst muss man bei der Klärung dieser Frage berücksichtigen, dass bei jeder Frau in jedem natürlichen Zyklus mehrere Eizellen ins Rennen gehen (zu Beginn des Zyklus als sogenannte „Antralfollikel“ erkennbar, meist ca. 6-10 Millimeter groß). Einer dieser Follikel gewinnt dieses „Rennen“ und unterdrückt im Verlaufe seines Reifeprozesses das Wachstum der anderen Follikel, die daraufhin verkümmern und für weitere Zyklen nicht mehr zur Verfügung stehen.

Es ist also mitnichten so, dass in einem natürlichen Zyklus nur eine Eizelle heranreift. Zu Beginn sind es oft mehr als 10. Bei einer hormonellen Stimulation reagieren diese bereits vorhandenen Follikel auf die gegebenen Hormone und werden vor dem Verkümmern (Atresie) gerettet. Ist die Dosierung der Hormone nicht übermäßig hoch, werden keine zusätzlichen Follikel gebildet, sondern nur die vorhandenen genutzt.

Durch langjährige Pilleneinnahme wird die Menopause auch nicht verschoben

Wenn es stimmen würde, dass der vermehrte Verbrauch von Eizellen durch Hormonbehandlungen zu vorzeitigen Wechseljahren führt, dann müsste das Gegenteil der Fall sein, wenn man Eizellen spart. Dies ist ja durch die Unterdrückung der Eizellreifung durch eine Antibabypille der Fall. Aber Frauen, die lange Jahre die Pille eingenommen haben, kommen nicht später in die Wechseljahre.

Sterilitätspatientinnen haben aber doch oft eine verfrüht verminderte Eierstocksfunktion

Das stimmt. Jedoch muss man sich in diesem Zusammenhang die Frage stellen, ob die Hormonbehandlungen zu diesem Phänomen führt oder ob vielmehr diese Frauen eine Sterilitätstherapie erhalten, weil die Eierstocksfunktion bereits frühzeitig vermindert ist. Auch ohne, dass dies zunächst gleich auffällt und eine „low response“ resultiert.

Die Studie

In den Anfangszeiten der IVF wurden wesentlich höhere Dosierungen an Hormonen verabreicht. Die Bourn Hall Klinik (siehe Bild), in der die erste erfolgreiche IVF-Behandlung durchgeführt wurde, hat zur Klärung der Frage in ihren Archiven gesucht und 700 Frauen angeschrieben, die in den Jahren zwischen 1981 und 1994 dort behandelt wurden und rechnerisch in dem Alter sind, in dem die Menopause eintritt.

Fast 200 beantworteten den zugesandten Fragebogen, die Mehrheit der Frauen hatte mindestens ein Kind nach IVF-Therapie geboren. Der durchschnittliche Beginn der Wechseljahre trat mit etwas über 50 Jahren ein, was dem durchschnittlichen Zeitpunkt entspricht, in dem dies auch bei Frauen ohne vorherige Sterilitätstherapie passiert. Da der Zeitpunkt der Wechseljahre auch genetisch bestimmt ist, wurde auch nach dem Eintritt der Menopause bei den Müttern dieser Frauen gefragt und es zeigte sich eine deutliche Übereinstimmung zwischen Müttern und IVF-Patientinnen.

Eine Abhängigkeit von der Zahl der durchgeführten Hormontherapien ließ sich nicht feststellen, was ebenfalls der „Eizell-Verbrauchs-Theorie“ widerspricht.

„Bis jetzt war dies ein ungeklärter Punkt bei solchen Behandlungen. Obwohl durch viele Studien die Sicherheit der Hormonbehandlungen gesichert werden konnte, wurden die Langzeitfolgen bisher nicht untersucht, sagt Dr. Kay Edler, Leiterin der Studie. „Offenbar hat eine Hormonbehandlung keinen Einfluss auf den Zeitpunkt des Eintritts der Menopause oder die Schwere ihrer Symptome. Da aufgrund der schlechteren Schwangerschaftsraten oft mehrere Stimulation mit hohen Dosierungen durchgeführt wurden, sollte anlässlich des aktuellen Trends hin zu milderen Stimulationsregimes für die Zukunft der heute behandelten Frauen diesbezüglich auch keine Befürchtungen bestehen“.

Laurence Shaw, der Sprecher der British Fertility Society teilte mit, dass ihn diese Ergebnisse nicht erstaunen, die Studie jedoch sehr hilfreich sei: „Diese Frage wird uns von den Patientinnen immer wieder gestellt und es ist sehr nützlich, nun eine wissenschaftliche Studie zu haben auf die wir verweisen können um den Patientinnen ihre Ängste zu nehmen.“

Elder K, Mathews T,Kutner E, Kim E, Espenberg D, Faddy M, Gosden R
Impact of gonadotrophin stimulation for assisted reproductive technology on ovarian ageing and menopause
Reproductive BioMedicine Online 2008 Vol. 16 No.5. 611–616


Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.
Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    interessanter artikel.
    denke es ist eher so, dass ohnehin subfertile frauen die ursache für möglicherweise früher einsetzende menopause auch tatsächlich in den ursachen der subfertilität suchen und finden könnten als nun in den nebenwirkungen der stimulationen.

    wäre eine spannende frage diesen "problemkomplex" auf subfertile männer umzulegen 😉

    persönliche sicht: als endo-frau habe ich mit der aussicht auf nahende wechseljahre schon lange frieden geschlossen…stimu-spätfolgen hin oder her 😉

  2. Elmar Breitbach
    Greta schreibt

    schaaaade!!!

    Ich hatte es gehofft, meine Endo dann eher los zu sein.

    Aber nein… so macht man alle Jahre wieder KÜNSTLICHE Wechseljahrestherapie *grmml*

    Greta