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Spätes Überstimulationssyndrom = schwanger?

Künstliche Befruchtung: Ohne Überstimulation keine Schwangerschaft?

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Ein Überstimulationssyndrom (OHSS) nach einer künstlichen Befruchtung kann durch eine Schwangerschaft verstärkt werden. Aber auch ohne Überstimulation kann man schwanger sein.

Eine Überreaktion der Eierstöcke auf Hormongaben nennt man ein Überstimulationssyndrom. Im Rahmen einer In Vitro Fertilisation tritt diese Komplikation als Folge der höher dosierten Hormontherapie recht häufig auf. Ausführliche Informationen dazu finden Sie in unserem Theorie-Teil:

Neben einer hormonellen Stimulation ist hCG ein häufiger Trigger für die Ausbildung eines Überstimulationssyndroms. Dieses Hormon findet man in den meisten Spritzen zum Auslösen des Eisprungs und es ist das auf diesen Seiten wichtigste Hormon überhaupt: Das Schwangerschaftshormon.

Schwangerschaften können eine Überstimulation verstärken

Es ist daher bekannt, dass hCG-.Spritzen zur Unterstützung der Gelbkörperphase und ebenso die frühe Schwangerschaft, wenn sie mit der Produktion von Schwangerschaftshormon beginnt, ein OHSS begünstigen können.

Da die natürliche Produktion des hCG durch eine Schwangerschaft erst recht spät vor dem NMT (Für Neueinsteiger: =Nichtmenstermin) stattfindet, tritt auch die dadurch ausgelöste Reaktion der Eierstöcke eher später ein. Daher wird eine „späte Überstimulation“ oft als Hinweis auf eine Einnistung gedeutet. Ist das nur Theorie, oder gibt es dafür eigentlich auch Belege?

Zwei Studien: Vergleich frühe und späte Überstimulation

Dazu müssten bei der „normalen“ Überstimulation, die ein paar Tage nach der Eizellentnahme eintritt, die Zahl der Schwangerschaften geringer sein als bei spätem Eintritt. Und da es fast zu jeder Fragestellung Studien gibt, so auch hier.

Erst einmal eine Untersuchung aus Südkorea1)Lee KH1, Kim SH, Jee BC, Kim YJ, Suh CS, Kim KC, Lee WD
Comparison of clinical characteristics between early and late patterns in hospitalized patients with ovarian hyperstimulation syndrome.
Fertil Steril. 2010 May 1;93(7):2274-80. doi: 10.1016/j.fertnstert.2009.01.057.
. Hier wurde der Verlauf von 94 Frauen mit einem mittleren bis schweren Überstimulationssyndrom untersucht. Bei 69 Frauen trat des Ereignis früh, also ein paar Tage nach der Punktion und bei 25 später ein. In der frühen Gruppe waren die Schwangerschaftsrate 23,6% bei spätem Eintritt des OHSS war sie 92%. Falls jemand zweifeln sollte: Das ist signifikant.

Eine Untersuchung der Brüsseler Freien Universität2)Papanikolaou EG1, Tournaye H, Verpoest W, Camus M, Vernaeve V, Van Steirteghem A, Devroey P
Early and late ovarian hyperstimulation syndrome: early pregnancy outcome and profile.
Hum Reprod. 2005 Mar;20(3):636-41. Epub 2004 Dec 2.
bei 113 Frauen mit einem schweren Überstimulationssyndrom ergab ähnliche Ergebnisse. Der Unterschied war nicht ganz so ausgeprägt. Hier wurde die Rate der fortlaufenden Schwangerschaften angegeben. Frühes OHSS: 14,4% (hohe Fehlgeburtenrate) Spätes OHSS: 26,4%.

Ein Spätes Überstimulation kann ein Hinweis auf eine Schwangerschaft sein.  Ein frühes Überstimulationssyndrom hingegen besagt gar nichts.

Die zweite Studie verglich die Ergebnisse auch mit Frauen, die zeitgleich behandelt wurden und deren Eierstöcke keiner Überreaktion ausgesetzt waren, oder bei denen die Symptome rückläufig waren.

Keine, eine frühe oder eine rückläufige Überstimulation ist kein Hinweis auf eine erfolglose Behandlung. Auch wenn eine späte Überstimulation ein gutes Zeichen ist, dann bedeutet deren Fehlen oder Abnehmen im Umkehrschluss nichts Negatives.

An alle Leserinnen dieses Artikels: Merken und bei nächster Gelegenheit im Forum verlinken, denn diese Frage („ich spüre nichts mehr, das ist bestimmt das Aus“) kommt leider immer noch oft. Nichts gegen diese Frage, aber die Antworten sollten die richtigen sein 😉


Literatur   [ + ]

1. Lee KH1, Kim SH, Jee BC, Kim YJ, Suh CS, Kim KC, Lee WD
Comparison of clinical characteristics between early and late patterns in hospitalized patients with ovarian hyperstimulation syndrome.
Fertil Steril. 2010 May 1;93(7):2274-80. doi: 10.1016/j.fertnstert.2009.01.057.
2. Papanikolaou EG1, Tournaye H, Verpoest W, Camus M, Vernaeve V, Van Steirteghem A, Devroey P
Early and late ovarian hyperstimulation syndrome: early pregnancy outcome and profile.
Hum Reprod. 2005 Mar;20(3):636-41. Epub 2004 Dec 2.
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Kommentar

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3 Kommentare
  1. Jac schreibt

    Den letzten Satz finde ich sehr unfreundlich. Ihr Forum lebt nicht nur von Ihren persönlichen Antworten. Es gibt sehr viele, sehr gute Laienantworten. Bitte da nicht alle Userinnen über einen Kamm scheren.

    Das Bild oben würde ich ersetzen. Es suggeriert: Wärmflasche bei OHSS hilft. Dabei sollte man gerade nicht wärmen.

    Ansonsten werde ich natürlich gern verlinken.

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Nun habe ich sogar extra noch einen Smiley dahinter gesetzt, damit es eben keinesfalls als unfreundlich aufgefasst werden kann.

    Ich kann auch nicht nachvollziehen, warum Sie sich über „einen Kamm geschoren“ sehen. Wer es wusste, hat vorher bereits richtige Tipps gegeben, wer es nicht wusste, weiß es jetzt besser.

    So, und nun abschließend noch einen Smiley, der ist nie verkehrt… 🙂

  3. Burk schreibt

    Hallo, das mit der Studie aus Brüssel stimmt so nicht.

    Die fortgesetzten Schwangerschaftsraten sind im Abstract komplett falsch wiedergegeben.

    Früh: 26.4 %
    Spät: 88.3 %
    Ohne: 24.9 %

    Die ominösen 14.4% beziehen sich auf die vorklinische Fehlgeburtenrate ohne OHSS.

    Sorry für den Klugschiss. 😉