Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

Schwangerschaftsverlauf nach IVF und ICSI

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Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass nach einer künstlichen Befruchtung der Schwangerschaftsverlauf problematischer sei als nach einer normalen Empfängnis. Das ist zum Teil sicherlich darauf zurückzuführen, dass Mehrlingsschwangerschaften nach einer solchen Behandlung häufiger sind. Aber auch bei Einlingschwangerschaften wird über häufigere Frühgeburten und und ein geringeres Geburtsgewicht berichtet, wenn der Schwangerschaft eine IVF vorausging.

Nun stellte sich immer wieder die Frage, woran das eigentlich liegt: Entweder daran, dass die künstliche Befruchtung selbst den Verlauf der Schwangerschaft negativ beeinflusst. Oder daran, dass die Ursachen, die bei einem Paar zur Behandlung mit Hilfe der IVF führten, auch für die Komplikationen in der Schwangerschaft verantwortlich sind. Sterile Paare hätten demzufolge häufiger hormonelle, genetische, immunologische oder andere Probleme, die einerseits zur Sterilität führen und andererseits zu den Frühgeburten und dem niedrigen Geburtsgewicht.

In Studien, die sich dieser Frage widmeten gab es jedoch immer ein wesentliches Problem: Wenn man natürlich gezeugte Kinder und Kinder nach IVF verglich, dann waren die Voraussetzungen von seiten ihrer Eltern nie identisch, also nicht optimal vergleichbar. Einflüsse der IVF und der Eltern ließen sich nicht trennen.

Die naheliegende Lösung wäre demzufolge, wenn man Paare fände, die einerseits ein Kind nach einer IVF geboren haben und darüber hinaus eines auf normalem Wege gezeugt haben. Dann könnte man die Schwangerschaftsverläufe besser miteinander vergleichen da die elterlichen Einflussfaktoren wegfielen und in beiden Gruppen (natürliche Zeugung und IVF) gleich wären.

Und genau dies hat eine norwegische Gruppe von Wissenschaftlern jetzt getan. Man verglich die Verläufe von 1.200.922 normal gezeugten Schwangerschaften, 8229 Schwangerschaften nach IVF und den Verlauf der Schwangerschaften von 2546 norwegischen Frauen, die Kinder auf beiden Arten bekommen haben.

Vergleich man zunächst einmal ungefiltert die Schwangerschaften nach normaler Konzeption mit denen nach einer künstlichen Befruchtung, dann waren die Ergebnisse wie so oft in solchen Studien: Die durch IVF gezeugten Kinder waren im Schnitt 25 Gramm leichter bei der Geburt, kamen durchschnitlich 2 tage früher zur Welt und hatten ein erhöhtes Risiko für einen Tod im zeitlichen Zusammenhang mit der Geburt oder während der Schwangerschaft.

Verglich man jedoch die Geschwister miteinander, die mit IVF bzw. auf normalem Wege gezeugt wurden und von den gleichen Müttern stammten, dann fielen diese Unterschiede deutlich geringer aus (9 Gramm bzw. 0,6 Tage) und die Mortalität der Kinder wies keine Differenzen in Abhängigkeit von der Zeugung auf.

Diese Studie zeigt aufgrund der großen Zahl untersuchter Schwangerschaften und vor allem durch ihr Studiendesign auf, dass die künstliche Befruchtung per se kein Risiko für den Schwangerschaftsverlauf darstellt, sondern die erhöhten Risiken darauf zurückzuführen sind, dass die Kinderwunschpaare statistisch häufiger Störungen aufweisen, die den Schwangerschaftsverlauf negativ beeinflussen, unabhängig von der Entstehung der Schwangerschaft.

Romundstad LB, Romundstad PR, Sunde A, von Düring V, Skjærven R, Gunnell D, Vatten LJ Effects of technology or maternal factors on perinatal outcome after assisted fertilisation: a population-based cohort study.Lancet. 2008 Jul 30. [Epub ahead of print]


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Kommentar

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4 Kommentare
  1. reaba schreibt

    interessante studie.

    ich vermute mal, wenn man bei den „normalempfänglichen“ untersuchten frauen auch noch nach FGs in der vorgeschichte differenziert hätte, dann wäre wohl herausgekommen, dass auch deren lebend geborene kinder ggfs. maginal normativ nach unten abweichen.

    die ergebnisse der studie sprechen dafür, dass die faktoren, die die empfänglichkeit negativ beeinflussen auch den verlauf der schwangerschaft beeinflussen können. hier liegt in der ursachenforschung sicher noch einiges im dunkeln; von der adäquaten behandlung ganz zu schweigen.

    bedauerlicherweise ist so etwas immer wieder „argumentationshilfe“ unerschütterlicher „naturalisten“ … nach dem motto: warum denn dann nachhelfen, wenn das ergebnis ohnehin „suboptimal“ ist 🙁

  2. Jule68 schreibt

    Dazu meine „persönliche“ Meinung:

    Ich bin so eine Mama, die zunächst ganz spontan und „natürlich“ ss geworden ist. Da sich dann eine ganze Weile kein Geschwisterchen einstellen wollte, wurde bei uns nach vielen Untersuchungen eine ICSI -mit Erfolg- durchgeführt. Beide Schwangerschaften habe ich ausgetragen und beide Kinder sind zwei süsse junge Damen. Sofern ich jetzt vergleiche, ging es mir bei der ICSI-Schwangerschaft wesentlich schlechter, als beim ersten Kind. Sämtliche möglichen Schwangerschaftsbeschwerden sind teilweise massiv aufgetreten und ich mutierte stark zum „Couchpotato“. Bei unserer ersten Tochter habe ich noch 5 Tage vor der Entbindung bei einer Feier durchgetanzt.
    Das Geburtsgewicht war bei unserem ICSI-Kind zwar höher, aber sie wurde auch bei 41+3 entbunden. Bei ihr gab es immer wieder Unklarheit beim exaten ET – trotz ICSI!
    Zusammenfassend kann ich hier zum Thema sagen, dass die „natürliche“ Schwangerschaft sehr viel einfacher war, aber sofern man keine andere Wahl als KB hat, lohnt es sich auch, mal 9 Monate auf „Sparflamme“ zu laufen. Das Ergebnis entschädigt auf jeden Fall!

  3. reaba schreibt

    @jule68

    ..könnte die relative unbeschwertheit und der höhere wohlfühlfaktor bei der ersten schwangerschaft wohl daran gelegen haben, dass du da einfach etwas jünger warst..?
    bitte nicht falsch verstehen, aber ein einigermaßen junger, fitter körper erlebt die schangerschaft i.d.R. unbeschwerter..die wahrscheinlichkeit von schwangerschaftskomplikationen steigt eben leider einfach an, je älter die frau ist..
    was, wie du sehr schön sagst aber nicht dagegen spricht es trotzdem zu tun 😉

  4. Jule68 schreibt

    tja, ehm …
    kratzamKopf… bei der ersten ss war ich 33/34 und bei der zweiten 38/39 Jahre jung (ich glaub „jung“ ist was anderes…?! Durch meine große Tochter und deren unbändigen Entdeckerwahn war ich körperlich durch die vielen Sparziergänge/Waldtouren eigentlich nie fitter als nach der ersten ss. Also, weiss nich… ich glaub die Natur macht manchmal Sachen, die kann kein noch so genialer Wissenschaftler auseinander puhlen. Ich hab übrigens gerade noch eine ICSI hinter mir…! Falls wir noch einmal einen Treffer landen, werde ich wieder berichten…!