Schlechte Embryonenqualität: Ist sie ansteckend?

Ist es von Nachteil, wenn man einen qualitativ "schlechten" Embryo zusammen mit einem "guten" Embryo transferiert?

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Die Qualität eines Embryos hat einen Einfluss auf seine Fähigkeit zur Einnistung. Gute Embryonen nisten sich bei einer IVF also besser ein. beeinflusst eine schlechte Embryonenqualität auch die Einnistungsfähigkeit mittransferierter optimaler Embryonen?

Wie man die Qualität von Embryonen im Blastozystenstadium oder im Stadium 2-3 Tage nach der Punktion beurteilt, hatten wir hier kürzlich bereits ausführlich erläutert. Gibt man nur gute Embryonen zurück, hat man ganz offensichtlich eine gute Schwangerschaftsrate zu erwarten, wie man es auch aus den Daten des Deutschen IVF-Registers (DIR) entnehmen kann. Hier finden Sie die Ergebnisse in Abhängigkeit von Alter und Embryonenqualität:
Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie 13. Jahrgang 2016 // Modifi zierter Nachdruck aus Nummer 5: S. 31 // ISSN 1810-2107

Stört die schlechte Embryonenqualität bei der Einistung anderer Embryonen?

Es gab immer mal wieder Hinweise auf den negativen Einfluss eines Embryos mit schlechtem Grading auf das Einnistungspotential anderer – gleichzeitig mittransferierter – Embryonen mit guter Qualität. Stört also ein suboptimal entwickelter Embryo seine Geschwisterembryonen bei der Einnistung?

Sieht man sich die Zahlen des DIR an, dann sieht man, dass ein „nicht idealer“ Embryo bei jüngeren Frauen die Schwangerschaftsrate nicht verbessert (33,9 zu 33,2%). Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Schwangerschaften mit zwei Embryonen, auch wenn einer keine guten Noten bekam.

Studie vergleicht Ergebnisse

Die Ergebnisse des Deutschen IVF-Registers sind sehr hilfreich, weil sie sich auf prospektiv erhobene Ergebnisse mit großen Fallzahlen beziehen. Aber zur Klärung isolierter Fragestellungen sind solche Sammelstatistiken nicht immer geeignet. Eine isrealische Studie 1)Wintner EM, Hershko-Klement A, Tzadikevitch K, Ghetler Y, Gonen O, Wintner O, Shulman A, Wiser A
Does the transfer of a poor quality embryo together with a good quality embryo affect the In Vitro Fertilization (IVF) outcome?
J Ovarian Res. 2017 Jan 13;10(1):2. doi: 10.1186/s13048-016-0297-9.
 widmet sich der eingangs gestellten Frage: Behindert die schlechte Embryonenqualität auch die Einnistung weiterer guter Embryonen?

In die Studien wurden mehr als 600 Frauen aufgenommen. Die Studiengruppe von 180 Frauen erhielt einen guten Embryo und einen schlechteren (Gruppe1). Eine Kontrollgruppe (303 Frauen – Kontrolle 1) erhielt zwei ideale Embryonen und die letzte (120 – Kontrolle 2) einen idealen Embryo (SET). Das durchschnittliche Alter der Frauen mit einem SET 3 Jahre niedriger war als in den beiden anderen Gruppen, das ist nicht unwichtig zur Interpretation der Ergebnisse.

Gruppe 1

N = 180

Kontrolle 1

N = 303

Kontrolle 2

N = 120

Klinische Schwangerschaften: Patienten (%)

60 (33,3)

119 (39,3)

40 (33,3)

Zwillingsschwangerschaften Patienten (%)

17 (9,5)

32 (10,6)

0 (0)

Lebensgeburtenrate Patienten (%)

49 (27,2)

102 (33,7)

37 (30,8)

Andere Schwangerschaftsverläufe (%)

 - Biochemisch

9 (5,0)

22 (7,3)

3 (2,5)

 - Eileiterschwangerschaft

3 (1,7)

1 (0,3)

2 (1,7)

 - Fehlgeburt

11 (6,1)

18 (6,0)

8 (6,7)

Interessant ist sicherlich die sehr gute Schwangerschaftsrate beim Single Embryo Transfer, daher auch der Hinweis auf den niedrigeren Altersdurchschnitt.

Die Autoren der Studie sehen keinen signifikanten Unterschied zwischen den drei Gruppen. der zusätzliche qualitativ schlechtere Embryo scheint keinen Einfluss auf die Erfolgsrate zu haben. Aber auch keinen positiven, der beim DIR und höherem Alter ja feststellbar war.

Nun könnte man ja meinen, die schlechte Embryonenqualität könnte zusätzliche Fehlgeburten verursachen. Dies war nicht der Fall.

In Deutschland hat man ohnehin keine große Entscheidungsfreiheit: Auch einen schlechten Embryo darf man nicht verwerfen, man könnte ihn höchstens einfrieren. Beides scheintg nicht notwendig zu sein. Schaden wird er nicht und ab Ende 30 kann er die Schwangerschaftsrate verbessern helfen.

 


Literatur   [ + ]

1. Wintner EM, Hershko-Klement A, Tzadikevitch K, Ghetler Y, Gonen O, Wintner O, Shulman A, Wiser A
Does the transfer of a poor quality embryo together with a good quality embryo affect the In Vitro Fertilization (IVF) outcome?
J Ovarian Res. 2017 Jan 13;10(1):2. doi: 10.1186/s13048-016-0297-9.
Quelle Originalstudie Deutsches IVF Register - Jahrbuch 2016 (Daten von 2015) S. 31

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Kommentar

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2 Kommentare

  1. Mirka schreibt

    Das ist interessant! Bei unserem letzten Versuch hatten wir auch so eine „Gurke“ und einen sehr schönen Embryo und ich hatte damals lange rumdiskutiert, weil ich den schlechten Embryo nicht wiederhaben wollte. Schlussendlich haben wir uns dann doch überzeugen lassen und niemand weiß, durch welchen der beiden jetzt die Schwangerschaft eingetreten ist
    Aber damals war ich echt genervt.

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Es ist doch schön zu wissen, dass man nichts falsch macht, wenn man auch den nicht perfekten Embryonen eine Chance gibt