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Muss man Hormone bei einer IVF-Behandlung bestimmen?

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Eine Hormonbehandlung mit der Ausreifung mehrerer Eizellen ist eine Voraussetzung für die künstliche Befruchtung. Es stellt sich dabei natürlich die Frage, wie man einerseits ein Überstimulationssyndrom vermeiden kann und andererseits eine ausreichende Anzahl von Eizellen gewinnt.

Welche Art von Diagnostik ist also notwendig, um eine optimale Stimulation druchzuführen? Dies wird kontrovers diskutiert und eine einheitliche Auffassung dazu gibt es nicht. Von engmaschigen Kontrollen mit regelmäßigen Hormonbestimmungen bis hin zu eher seltenen Untersuchungen ohne Blutabnahmen existiert hinsichtlich der optimalen Zyklusüberwachung kein einheitliches Schema.

Zu diesem Thema ist nun ein eine Übersichtsarbeit erschienen, in der einige Studien zu diesem Thema zusammengefasst wurden, welche strengen Kriterien genügen müssen (Cochrane Database). Es wurden dabei ausschließlich Studien einbezogen, in denen die Überwachung des Zyklus mit Ultraschall und Östrogenbestimmungen mit Ultraschall ohne Blutabnahmen verglichen wurden. Zu dem Thema fanden sich über tausend Studien, da aber die Kriterien der Cochrane database sehr streng sind, blieben davon nur zwei übrig, die diesen Ansprüchen genügten. In diesen Studien wurde Über die Ergebnisse von Hormonbehandlungen bei 411 Frauen berichtet und nun die Ergebnisse zusammengefasst. Die Rate klinischer Schwangerschaften wies in beiden Studien mit und ohne zusätzliche Hormonuntersuchung keine statistisch signifikanten Unterschiede auf. Ebensowenig unterschied sich die Zahl der gewonnen Eizellen oder die Häufigkeit von Überstimulationssyndromen in diesen beiden Studien für die Zyklusüberwachung mit und ohne Hormonbestimmung.

Ganz offenbar – so auch die Schlussfolgerung der Autoren – wird mit einer zusätzlichen Bestimmung der Östrogenwerte keine Verbesserung der Erfolgsraten erzielt. Um aber eine abschließende Bewertung der zusätzlichen Horonbestimmungen durchführen zu können, müsste man eine weitere Studie planen und zwar mit einer höheren Zahl an Patienten. Neben den rein medizinischen Apsekten sollten dabei aber auch die Kosten zusätzlicher Untersuchungen und die Belastung der Patientinnen Berücksichtigung finden. Auch wenn die aktuelle Datenlage eine Östrogebestimmung zweifelhaft erscheinen lässt, gehen die Autoren der Studie nicht so weit, von Hormonuntersuchungen abzuraten, sondern sehen bis zum Beweis des Gegenteils diese Zusatzdiagnostik als aktuell weiterhin sinnvolle Praxis an, bis größere Studien den Sinn der Blutuntersuchungen statistisch signifikant widerlegen können.

Zusammenfassend heißt dies für die aktuelle Praxis, dass zusätzliche Blutuntersuchungen sinnvoll sein können. Zumindest für die Fälle, wo der Ultraschall alleine zur Bestimmung des optimalen Punktionszeitpunkts nicht ausreicht. Ob dann auch andere Hormone (Progesteron, LH) evtl. hilfreich sein können, wurde in der vorliegenden Studie nicht untersucht. Bei schwierigen endokrinologischen Voraussetzungen seitens der Frau ist es in der Praxis jedoch oft sinnvoll, vor allem, wenn kein langes Protokoll eingesetzt wird, die hormonelle Situation daher möglicherweise also instabiler ist.

Kwan I, Bhattacharya S, McNeil A, van Rumste M
Monitoring of stimulated cycles in assisted reproduction (IVF and ICSI).
Cochrane Database Syst Rev. 2008 Apr 16;(2):CD005289.


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Kommentar

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4 Kommentare
  1. Joja schreibt

    in der beühmten belgischen klinik Azvub erfragen die ärzte vor der stimulierung (nach downregulierung) immer den progesteron-wert. wenn er über 1 ist, fangen sie die stimulierung erst gar nicht an, da mit einem hohen progesteronwert vor stimu die chancen einer SS angeblich sehr niedrig wären!
    wissen Sie vielleicht, ob es dafür wissenschaftliche studien gibt?

  2. E. Breitbach schreibt

    @Joja: Aus dem Kopf kann ich nur mit Studien dienen, die den Progesteronwert vor Auslösen des Eisprungs bewerten. Zu Beginn der Stimulation jedoch nicht. Da käme es ja auch sehr darauf an, welches Protokoll man verwendet

  3. Joja schreibt

    danke Doc für die antwort. ich fand es nur komisch, dass meine freundin, die in azvub in behandlung ist (wir italienischen kinderwünschler wandern alle ins ausland aufgrund der sehr strengen gesetzeslage hier in italien), die stimu nach der downregulierung nicht anfangen konnte, da ihr progesteronwert bei 1,05 lag.
    schöne grüsse aus florenz,
    joja

  4. E. Breitbach schreibt

    @Joja: Nee, das ist schon nachvollziehbar, denn wenn der Prog.-Wert noch > 1 ist, dann ist vermutlich die Downregulationnnicht ausreichend gewesen.