Mehr Jungen und eineiige Zwillinge nach Blastozystentransfer

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Bei einem Blastozystentransfer werden die befruchteten Eizellen im Rahmen einer künstlichen Befruchtung erst 5 Tage nach der Entnahme der Eizellen und der Befruchtung wieder in die Gebärmutter eingepflanzt. Obwohl auch in den Medien immer wieder über bessere Erfolgsraten mit dieser Methode berichtet wird, ist es nach wie vor umstritten, ob die Erfolgsraten mit diesem späten Transfer der Embryonen tatsächlich besser sind, wie es auch in einem Artikel dieser News ausführlich erläutert wird.

Immer wieder gab es auch Berichte darüber, dass nach einem Blastozystentransfer mehr Jungen geboren werden und auch der Anteil an eineiigen Zwillingsschwangerschaft erhöht ist. Während es in manchen Ländern kulturell bedingt durchaus gewünscht ist, dass mehr Jungen als Mädchen geboren werden und dies natürlich auch keinen wirklichen Nachteil der Behandlung darstellt, sind die Risiken einer eineiigen Zwillingsschwangerschaft unbestritten deutlich höher als bei einer zweieiigen oder einer Einlingsschwangerschaft. Dies liegt unter anderem daran, dass bei diesen eine gemeinsame Blutversorgung in 10-15% der Fälle zu einem sogenannten feteofetalen Transfusionssyndrom führen kann, welches mit einer unterschiedlichen Blutversorgung der Zwillinge einhergeht und mit einer ausgeprägten Gewichtsdifferenz [1].

Eine aktuelle Publikation [2] untersuchte bereits vorliegende Studien hinsichtlich dieser beiden Probleme und fasste die Ergebnisse zusammen, um statistisch signifikante Aussagen zu bekommen. Es wurden alle Publikationen analysiert, die sich in den Jahren 1995 – 2007 der Art der Zwillingsschwangerschaften (9 Studien) und dem Geschlechtsverhältnis (4 Studien) bei Blastozystentransfers im Vergleich zu Schwangerschaften nach einem früheren Transfer widmeten.

Die zusammengefassten Ergebnisse zeigten eine deutliche Verschiebung des Geschlechterverhältnisses zugunsten der Knaben, es wurden 30% mehr Jungens geboren. Noch deutlicher war der Unterschied hinsichtlich der Art der Zwillingschwangerschaften: Nach Blastozystentransfers entstanden dreimal mehr eineiige Zwillingsschwangerschaften als nach einem Transfer der Embryonen am 2. oder dritten Tag nach der Eizellentnahme. Dies – so die Autoren der aktuellen Studie – bedeutet auch, dass über die Risiken, welche dadurch entstehen, vor einer Einpflanzung der Embryonen am 5 Tag eine ausführliche Aufklärung erfolgen sollte.


[1] Sadler TW, Langman J
Medizinische Embryologie. Die normale menschliche Entwicklung und ihre Fehlbildungen
Thieme, Stuttgart; Auflage: 10., korrigierte A. (Januar 2003)

[2] : Chang HJ, Lee JR, Jee BC, Suh CS, Kim SH
Impact of blastocyst transfer on offspring sex ratio and the monozygotic twinning rate: a systematic review and meta-analysis.
Fertil Steril. 2008 Aug 19. [Epub ahead of print]



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Kommentar

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10 Kommentare

  1. Piaken schreibt

    Hallo Doc,

    aber jetzt mal eine verdammt blöde Frage… Es gibt nicht zufällig Eizellen, die sich schneller teilen als andere 😉 ? Ich hatte ja keinen Blastozystentransfer (und falls doch, dann wäre mir das entfallen) und dennoch eineiige Zwillinge.

    Was übrigens kein Arzt bei meiner komplizierten Schwangerschaft in Betracht gezogen hat, so dass auf evtl. Eineiigkeitsproblematiken keiner geachtet hat. Naja, ist ja gut ausgegangen.

  2. Elmar Breitbach schreibt

    @Piaken: Doch schon, aber ob das etwas damit zu tun hat, dass es dann mehr zweieiige Zwillinge gibt, weiß ich auch nicht. Mit anderen Worten: Ich kann auch nicht sagen, unter welchen Umständen die eineiigen Zwillinge eher entstehen, mal abgesehen von den hier im Zusammenhang mit dem Blastozystentransfer besprochenen

  3. Berlinkind schreibt

    Also ich hatte mal einen Blastozystentransfer von 2 Eizellen.Es sind beides Junges geworden…aber eben zweieiig.

  4. raise schreibt

    Dass Blastozystentransfer keine höheren Schwangerschaftsraten bringt, stimmt doch aber nur in Deutschland, wo die Selektion so oder so nach einem Tag stattfindet, oder? Der Grund, warum viele von uns Blastozystentransfer im Ausland machen, ist doch, dass da alle befruchteten Eizellen weiterkultiviert werden und man nach 5 Tage eben schon besser sieht, welche Entwicklungschancen haben und welche nicht. Für die von uns, denen es vergönnt ist, genug befruchtete Eizellen für dieses Vorgehen erzeugen zu können, sollen die Chancen damit schon deutlich höher sein, oder? – Ich habe zumindest Studien gelesen, die das als Ergebnis hatten. Wenn es nicht so wäre, warum plädieren so viele deutsche KiWu-Ärzte für eine gesetzliche Ermöglichung dieses Vorgehens in Deutschland?

    Weiß man denn, warum da mehr Jungs und mehr eineiige Zwillinge bei rauskommen?

  5. Elmar Breitbach schreibt

    So klar ist es eben nicht, wenn Sie sich die Literaturübersicht im Theorie-Teil dieser Seite einmal anschauen. Es steht außer Frage, dass einzelne Patientinnen davon profitieren könnten, wenn man ihre Embryonen länger kultivieren würde. Dies scheint jedoch nicht für die Gesamtheit der Patientinnen zu gelten, denn wie ist es sonst zu erklären, dass die Schwangerschaftsraten in Österreich (Blastozystenland Nummer 1) mit denen Deutschlands identisch sind?

    Quelle: Zentrale Statistiken der jeweiligen Länder

  6. Rebella schreibt

    Zitat: „Dies liegt unter anderem daran, dass bei diesen eine gemeinsame Blutversorgung in 10-15% der Fälle zu einem sogenannten feteofetalen Transfusionssyndrom führen kann“

    Was heißt denn nun „kann“??? Offensichtlich führt es nicht in 10-15% der Fälle dazu. Wichtig für eine Risikoabwägung wäre doch, in wie vielen Fällen das feteofetale Transfusionssyndrom tatsächlich auftritt und welche gesundheitlichen Folgen es wie häufig neben der ausgeprägten Gewichtsdifferenz gibt. Wenn ein Kind 3.000 Gramm hat und eins 4.000 Gramm, dann ist das zwar eine ausgeprägte Gewichtsdifferenz. Beides sind doch aber Normalgewichte.

  7. Rebella schreibt

    Zitat: „denn wie ist es sonst zu erklären, dass die Schwangerschaftsraten in Österreich (Blastozystenland Nummer 1) mit denen Deutschlands identisch sind?“

    Das D.I.R. gibt doch nun aber schon seit Jahren keine präzise Auskunft mehr darüber, wie hoch die Erfolgsrate bei strenger Auslegung und Befolgung des deutschen ESchG ist. Da in den Ländern Bayern und Baden-Würtemberg nach der neuen Auslegung des ESchG gearbeitet wird, d.h. Blastozystentransfere und 2-oder 3-Tages Transfere nach Weiterkultivierung von mehr als 3 Embryonen, haben wir es mit einer Mischgröße zu tun.

    Außerdem kann der Nachteil des EschG insgesamt in Deutschland vielleiocht durch mehr qualitativ hochwertige Kinderwunschkliniken aufgefangen werden. Schaue ich auf die unterschiedlichen Erfolgsraten in den einzelnen Kliniken in Deutschland, wird mir ganz schwindelig. In Österreich wird das nicht anders sein.

  8. Elmar Breitbach schreibt

    @Rebella: willkommen zurück 😉 Lassen Sie das „kann“ weg. Es sind so viele (10-15%). Punkt zwei wäre interessant, dazu kann ich aber keine Zahlen liefern.

  9. Buntspecht schreibt

    Gibt es denn Vermutungen über die Ursache der Geschlechterverschiebung?

    Durch die längere Kultivierung ändert sich ja nicht das Geschlecht der Embryonen. Es sind daher eigentlich nur die folgenden Ursachen denkbar:

    1. Die längere Kultivierung schadet weiblichen Embryonen.

    2. Die längere Kultivierung begünstigt männliche Embryonen.