IVC: Intravaginale Kultur

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Das Komplizierteste an der sogenannten künstlichen Befruchtung ist die Kultur der Eizellen und Embryonen im Brutschrank unter optimalen Bedingungen, währen die hormonelle Stimulation und Eizellentnahme heute keinen Aufwand bedeutet, der die apparativen Voraussetzungen einer gutausgerüsteten gynäkologischen Praxis überschreitet.

Demzufolge wurden schon früh die ersten Versuche unternommen, um diesen technischen Aufwand zu reduzieren. Was liegt also näher, die eigentliche In vitro Fertilisation wieder in den Körper der Frau zu verlegen. Vor gut einem Jahr war ja der Bericht über die Befruchtung in der Gebärmutter auch in der Laienpresse diskutiert worden und hier wurde auch darüber berichtet. Ergebnisse der damals angekündigten Studie habe ich bisher jedoch nicht zu Gesicht bekommen.

Noch geringer ist der Aufwand natürlich, wenn man die Kultur und Befruchtung der Eizellen nicht in der Gebärmutter, sondern in der Scheide stattfinden lässt. Diese Methode wurde erstmals 1988 von einer französischen Arbeitsgruppe beschrieben [1] und ein Jahr später von deutschen Wissenschaftlern [2]. Seit Anfang der 90er Jahre wurde diese Methode jedoch nicht mehr weiterentwickelt, da die Erfolgsraten schlechter als mit der konventionellen Vorgehensweise waren.

Natürliche künstliche Befruchtung

Nun berichten die beiden österreichischen Reproduktionsmediziner Wilfried Feichtinger und Peter Kemeter über einen neuen Ansatz mit dieser Methode. Dazu entwickelten sie eine spezielle Kapsel, in der die befruchteten Eizellen eingebracht werden. Der Befruchtungsvorgang soll den Pressemitteilungen zufolge also noch im Brutschrank stattfinden. Im Vorkernstadium (also einen Tag nach der Eizellentnahme) werden die Eizellen zusammen mit einer Nährlösung in die Kapsel gegeben und anschließend in die Scheide eingeführt. In der Kapsel verbleiben sie bis zum Transfer im 4-8-Zellstadium. Dann wird die Kapsel geöffnet und die Embryonen entnommen, um anschließend in die Gebärmutter eingebracht zu werden

Weiter heißt es in der Pressemitteilung

Dieser Vorgang wird häufig mit einer sanften Stimulation der Eierstöcke oder auch im Normalzyklus ohne Zugabe künstlicher Hormone angewandt. Die Erfolgsquote liegt nach bisherigen Erfahrungen gleich hoch wie bei der herkömmlichen IVF. Die Vorteile liegen vor allem im psychologischen Bereich: Die behandelten Frauen sind niemals von ihrer Eizelle, bzw dem Prä-Embryo getrennt. So können gar keine Gedanken über etwaige Verwechslungen auftreten – die zwar aufgrund der peniblen Sicherheitsmaßnahmen ohnehin ausgeschlossen sind – aber dennoch immer wieder von PatientInnen angesprochen werden.

Die Methode eignet sich auch ganz besonders für junge Frauen, die erste Schritte in der Kinderwunschbehandlung setzen wollen, da sie dem Bedürfnis nach größtmöglicher Nähe zum entstehenden Baby entspricht.

Diese Aussage lässt vermuten, dass die Pressemitteilung den Vorgang nicht exakt wiedergibt. Denn wenn die Frau niemals von ihrer Eizelle getrennt wird, dann müsste auch die Befruchtung (innerhalb von 24 Stunden nach der Eizellentnahme) in dieser Kapsel stattfinden.

Die Frau ist der beste Brutschrank

Mit diesen Worten wird Prof. Feichtinger zitiert. Eine erstaunliche Feststellung aus dem Land, in dem die Blastozystenkultur mit hohen Hormondosen und möglichst lang andauernder Kultur vieler Embryonen der Standard war und einen vermeintlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem benachbarten Ausland begründete. Ich wäre gerne dabei, wenn die Proff. Zech und Feichtinger über diesen Satz diskutieren. Nun ist also die milde Stimulation und der Transfer am 3. Tag nach intravaginaler Kultur die neueste Errungenschaft. Wie erfolgreich die neue Methode ist, wird abzuwarten bleiben, über erste Schwangerschaften konnte jedoch bereits berichtet werden.


[1] Ranoux C, Aubriot FX, Dubuisson JB, Cardone V, Foulot H, Poirot C, Chevallier O
A new in vitro fertilization technique: intravaginal culture.
Fertil Steril. 1988 Apr;49(4):654-7

[2]Sterzik K, Rosenbusch B, Sasse V, Wolf A, Beier HM, Lauritzen C
A new variation of in-vitro fertilization: intravaginal culture of human oocytes and cleavage stages.
Hum Reprod. 1989 Nov;4(8 Suppl):83-6


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Kommentar

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2 Kommentare

  1. greta schreibt

    sorry… aber die meisten frauen fragen schon, ob beim husten der embryo aus der GM fällt…. wenn die kapsel mit embryonen nen paar tage lose in der scheide rumlagern, wer will im forum dann noch diese fragen beantworten? wer hat so viel zeit? tse… super idee, das als psychologischen vorteil anzusehen…

  2. Lectorix schreibt

    Ich finde die Kulturbedingungen in der Frau ja bekanntermaßen attraktiv. Aber wo hier gerade auf dem psychologischen Faktor herumgeritten wird: Ich nehme an, dass die erneut sehr technisierte Variante mit dieser Kapsel daher gewählt wird, um die vermeintlichen Vorteile der Embryonenselektion vor Transfer noch nutzen zu können? Oder warum wird nicht gleich ein kompletter früher intrauteriner Transfer gemacht? Abgesehen von Gretas Einwand, wo ich durchaus als Betroffene Sorge hätte (wir alle wissen um die Reinigungsfunktion der Scheide vom allseits beliebten Utrogest), würde ich mich nicht gut fühlen, wenn ich meine Embryonen schon bei mir hätte und wüsste, dass ein paar davon dann verworfen werden – da bin ich eher Vogel Strauß und hab sie lieber nicht gesehen…