Epigenetik und Imprinting: Gefahr für Kinder nach IVF?

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Gestern gab es im Fernsehen wohl einen Beitrag zu Epigenetik und Fehlbildungen bei Kinder, die nach künstlicher Befruchtung entstanden sind. Ich wurde gerade im Forum darauf aufmerksam gemacht und möchte daher auf einige Artikel verweisen, die ich zu diesem Thema geschrieben habe:

Erst einmal kurz aus der Pressemitteilung des ZDF, damit man weiß, worum es geht:

Einer seltenen epigenetischen Veränderung, die bei Retortenbabys häufiger auftritt, ist „Abenteuer Wissen“ zusammen mit dem Humangenetiker Bernhard Horsthemke von der Universitätsklinik Essen auf der Spur: Der 13-jährige Paul leidet an einer meist durch einen Gendefekt verursachten seltenen Krankheit, dem Angelman-Syndrom. Er kann nicht sprechen, lacht unbegründet und hat einen staksigen Gang. Paul ist natürlich gezeugt, doch hat Professor Horsthemke entdeckt, dass das Syndrom bei Kindern gehäuft auftritt, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden. Bei einigen der Betroffenen ist die DNA-Sequenz aber völlig in Ordnung. Ist womöglich die künstliche Befruchtung die Ursache? Liegt der Schlüssel auch für häufige Frühgeburten hier im epigenetischen Code?

Ok, also den „epigenetischen Code“ gibt es nicht. Weder den Begriff, noch einen solche Code. Wer sich dazu also etwas ausführlicher informieren will, der möge sich hier umschauen:

Ein sehr ausführlicher Artikel in den News, der einige Studien zu dem Thema Imprinting und Epigenetik zusammenfasst

Ein allgemein gehaltender Artikel aus dem Theorie-Teil:
Risiko bei künstlicher Befruchtung: Imprintingdefekte?

Und noch einmal eine sehr große Studie aus Dänemark

Ich hoffe, damit einige Fakten geliefert zu haben, die zwar weniger schlagzeilenträchtig sind, dafür aber zur Beruhigung beitragen können.


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Kommentar

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14 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Piaken schreibt

    Dann mal sorry, dass ich Arbeit produziert habe. Aber Sie haben ja auch heute keinen Feiertag, oder?

    Danke, mir hat der Fernsehbeitrag eine schlaflose Nacht beschert.

    Hätte wohl mal regelmäßiger hier lesen sollen, aber meine kleinen Bad Münder Jungs halten mich zu sehr auf Trab.

    Danke für die Mühe.

  2. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    @Piaken: Nein, Quatsch. Bloß kein schlechtes Gewissen! Ich habe zu danken. Das wird ja so einigen Sorgen bereitet haben. Die ich auch nicht einfach so wegfegen möchte, aber doch sehr deutlich mildern.

  3. Elmar Breitbach
    LeFey schreibt

    Ich habe den Beitrag auch gesehen, und manches wurde sehr Zweideutig dar gestellt. Der Moderator hat aber am Ende der Sendung darauf hingewiesen wie viele Kinder in Deutschland "künstlich" gezeugt wurden, und dass die meisten von ihnen gesund sind. Dann hat er nochmal betont, dass es sich um eine sehr seltene Krankheit handle über die Berichtet wurde. Für mich klang der Beitrag ausnahmsweise nciht nach panik mache

  4. Elmar Breitbach
    Piaken schreibt

    @LeFey, eben weil er nicht nach Panikmache klang, habe ich ihn für seriös gehalten. Und da wir ein krankes Kind haben, habe ich mir die ganze Nacht Vorwürfe gemacht, dem Schicksal ins Handwerk gepfuscht zu haben usw. Allerdings ist die kleine Behinderung unseres Sohnes ja dort nicht beschrieben worden. Es brachte mich eben nur auf die Idee, ob da bereits "in der Petrischale" etwas nicht stimmte. Ich sorge mich wegen Jonah nun sowie uneendlich viel… da kam wohl der Beitrag gerade recht…

  5. Elmar Breitbach
    Greta schreibt

    Gut, dass der Doc immer wieder klarstellt… denn es gibt genug Menschen, die das dann glauben, ungefiltert.

    Ich lasse gerne den Umkehrschluss zu: gemind. fruchtbare Paare haben ggf. ein genetische Problem, was zu gen. Fehlern bei den Kindern führen kann.

    Aber alles im Konjunktiv. Und nicht so:

    Künstliche Befruchtung macht Behinderungen…

    Greta

  6. Elmar Breitbach
    Michael Finger schreibt

    Schon Hahnemann (Globoli Typ ) spricht von Epi-Genetik und deren Möglichkeiten . Erfahrungen und Tatsachen bewissen dies seit Jahren wir glauben aber nur den beweisen, und stellen uns damit aussen vor .
    Die Ivf stellt eine reale Möglichkeit dar des Kinderwunsches mit allen Risiken und Möglichkeiten.
    Restrisiko bleibt auch bei der normalen Zeugung was Wissenschaftlich bewiesen ist. Das Gefährliche ist im IVF -Bereich das jeder seine Suppekocht .
    Die frage ist welches Risiko mit welchern Nutzen jeder bereit ist zu tragen .
    Der Lösungsansatz von Hahnemann ist gangbar schon während der Schwangerschaft und am Kind danach . Persönliches Verhalten und Umfeld sind Faktoren ebenso das zb. bestimmte Medikamente GVO(Stoffwechsel Produkte ) enthalten.
    Auch Lebensmittel (GVO )veränderte werden an Kinder verfüttert im Risikoalter . Verantwortung und Probleme sind flexiebel

  7. Elmar Breitbach
    storitz schreibt

    hier nochmal der link zum beitrag:

    http://abenteuerwissen.zdf.de/ZDFde/inhalt/8/0,1872,7243016,00.html

    lg, steffi

  8. Elmar Breitbach
    raise schreibt

    Der Beitrag war völlig unqualifiziert. Da wurde die Behauptung aufgestellt, dass diese Defekte bei IVF-Kinder häufiger sind. Die wurde dann damit belegt, dass zwei Kuh-Embryonen, einer im Mutterleib und einer in der Petrischale kultiviert wurden, wobei der in der Petrischale sich anders entw. ZWEI Stück! Sowas ist doch keine seriöse Untersuchung! Echte wissenschaftliche Untersuchungen wurden überhaupt nicht zitiert – reine Einschaltquotenhetze, die den betroffenen unnötig Angst macht. Es kamen auch gar keine Experten zu Wort, die anderer Meinung waren. Ich bin extrem enttäuscht, dass das ZDF jetzt auch schon auf dem Niveau eines Privatsenders ist, und habe der Redaktion eine gepfefferte E-mail geschrieben.

    Danke doc, dass Sie das ganze wenigstens für uns hier wieder klarstellen. Traurig für alle, die die Sendung mangels anderer Informationen für voll genommen haben.

  9. Elmar Breitbach
    Zoora schreibt

    Also, ich fand den Beitrag jetzt gar nicht so hetzerisch. Ich glaube, es ging auch nicht wirklich um künstliche Befruchtung. Dies war nur eine Möglichkeit, unterschiedliche Einflußfaktoren in de frühesten Entwicklungsphase zu kennen. Es wurde ja auch betont, das veränderte mweltbedingungen z. B. im Krieg o.ä. auch Einfluß nehmen – nur wissen wir davon nichts. Und es wurde gesagt, daß sowhl das Ein- als auch das Ausschalten Vor-und Nachteile haben kann. Außerdem stimmt es ja auch, was der Moderator sagte: Das untersuchte Syndrom ist so extrem selten, da macht eine minimale Erhöhung des Risikos (wenn sie denn bestehen sollte) bei IVF zahlenmäßig nur einen minimalen Unterschied. Im Einzelfall sicher schlimm, aber immer noch seltener als z.B. plötzlicher Kindstod o.ä. Deswegen fand ich den Beitrag jetzt nicht sehr "reißerisch" oder schlecht informierend.

    Marion

  10. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Nur als Ergänzung: Ich habe den Beitrag ja nicht gesehen, fand im Forum nur etwas Verunsicherung zu dieem Thema vor, deswegen diese kurze Zusammenfassung. Wenn es so ist, wie Marion es beschreibt, dann trifft es vermutlich genau den Punkt. Wobei man eben nicht weiß, ob es überhaupt eine Erhöhung des Vorkommens dieser seltenen Syndrom gibt bei der IVF

  11. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Ich habe den Beitrag gesehen und mich sehr geärgert. Im Beitrag wurde der Junge mit dem Syndrom vorgestellt, der auf normalen Weg gezeugt wurde, anschließend ein Arzt befragt, der von einem (!) Fall aus D berichtete und einem (!) weiteren aus den USA, wo das Syndrom nach KB auftrat. Diese beiden Fälle hätten ihn hellhörig gemacht…

  12. Elmar Breitbach
    Nella schreibt

    Habe den Beitrag nicht gesehen, aber frage mich, wie man eh bei einer so seltenen Erkrankung einen Rückschluß ziehen kann.
    Laut Wikipedia hat ca. 1 von 20.000 Kindern ein Angelman-Syndrom. Oder 100 von 2.000.000.
    Nur 5% davon sind durch inprinting-Fehler bedingt (so verstehe ich wenigstens den Artikel). Also 5 von 2.000.000 (1 von 40.000) Kindern haben ein "imprinting-bedingtes" Angelman-Syndrom.
    3.000.000 IVF/ICSI-Kinder gibt es. Damit sind statistisch 7-8 "imprinting-bedingte" Angelman-Syndrom-Kinder zu erwarten (und ca. 140 "nicht-imprinting-bedingte"). Wenn es aber nun 10 sind? Statt 7 oder 8? Kann das überhaupt etwas heißen? kann das signifikant sein? Selbst 14 solcher Defekte, also eine Verdopplung?
    (Oder habe ich mich mit den Zahlen und der Berechnung vertan?)

    Allerdings kann ich sehr gut die allgemeine Skepsis dem Verfahren gegenüber verstehen. Trotz aller Daten und Fakten. Es hat was Unglaubliches, dass Leben so entsteht.
    Nella

  13. Elmar Breitbach
    Maria schreibt

    Erstmal vielen DAnk für die vielen fundierten Informationen, die es auf diesen Seiten gibt. Bin per Zufall drauf gestoßen.
    Meine Frage: Ist es richtig, daß man das Angelman- und das Prader-Willi-Sydrom durch die Fruchtwasseruntersuchung feststellen kann. Würde mich über eine baldige Antwort freuen.

  14. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    @Maria: Ein für die jeweils paternal oder maternal geerbten DNA-Abschnitte charakteristisches Methylierungsmuster kann mit molekulargenetischen Techniken untersucht werden. Dieser sogenannte Methylierungstest weist das Fehlen väterlicher bzw. mütterlicher Allele nach, unabhängig vom Typ der vorliegenden Mutation und von der sonst notwendigen Untersuchung der elterlichen DNA.

    Methode der Wahl für PWS / AS ist die methylierungssensitive PCR, die in 95%-99% die Diagnose sichern kann. Der Nachweis der uniparentalen Disomie beruht auf der unterschiedlichen Methylierung der väterlichen und mütterlichen Allele in der PWS/AS-Region des Chromosoms 15. Bei diesem Test werden sowohl interstitielle Deletion, uniparentale Disomie als auch Imprintingfehler als Ursache erfasst, können aber nicht unterschieden werden.

    Zur Bestimmung des Wiederholungsrisikos ist jedoch eine Unterscheidung erforderlich und beim Angelman-Syndrom weiters eine Abgrenzung zur UBE3A-Mutation notwendig. Deshalb wird eine Chromosomenanalyse (inkl. FISH) zum Ausschluss chromosomaler Veränderungen und eine Mikrosatellitenanalyse inklusive der elterlichen Proben durchgeführt.

    Deletionen können mittels Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) erkannt werden, eine maternale uniparentale Disomie durch Kopplungs-/Mikrosatellitenanalysen.

    Zur Untersuchung wird EDTA-Blut oder DNA von Mutter, Vater und Kind/Fetus benötigt.

    Quelle: Zytogenetik-Forum. Dort steht auch noch sehr viel mehr zu diesem Thema.