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IVF und ICSI

Endometrium-Biopsie zur Verbesserung der Einnistung?

Eigentlich würde man ja meinen, dass eine möglichst intakte Gebärmutterschleimhaut die besten Voraussetzungen für die Einnistung eines Embryos bietet. Dies scheint nicht immer so zu sein, möglicherweise ist sogar das Gegenteil richtig. Erstmal im Jahre 2003 wurden Ergebnisse einer entsprechenden Studie publiziert, in der es zu einer deutlich verbesserten Einnistung nach einer Biopsie (=Entnahme einer Gewebsprobe) kam. Zunächst sehr zur Überraschung der Wissenschaftler, diese Ergebnisse ließen sich in einer kontrollierten Studie bestätigen.

Zu ähnliche Ergebnissen kamen auch andere Arbeitsgruppen im Zusammenhang mit einer Gebärmutterspiegelung vor einer IVF und chinesische Reproduktionsmediziner, die ebenfalls Biopsien im Vorzyklus durchführten [1]. Und wie es halt manchmal so ist, erst ein Beitrag in der Daily Mail machte mich auf eine weitere Studie aufmerksam, die zu Beginn des letzten Jahres publiziert wurde [2].

Katheter zur Saugbiopsie

Katheter zur Saugbiopsie

In diese Studie wurden 100 Frauen einbezogen, die trotz guter Voraussetzungen in Vorbehandlungen wiederholt nicht schwanger wurden. Bei 49 Frauen wurde zweimal eine Entnahme von Gebärmutterschleimhaut durchgeführt: Einmal vor dem Eisprung im Zusammenhang mit einer Gebärmutterspiegelung sowie einmal in der zweiten Zyklushälfte. Dieser zweite Eingriff geschah ohne Narkose. Ein spezieller Katheter wurde dazu in die Gebärmutter eingeführt, unter Sog einige Male gedreht. Durch den Unterdruck und die Bewegung werden kleine Schleimhautstücke abgesaugt und dadurch natürlich auch Verletzungen in der Gebärmutterschleimhaut verursacht. In der Kontrollgruppe wurden diese Biopsien nicht durchgeführt.

Im Folgezyklus wurde dann die IVF wie geplant durchgeführt. Und hier zeigte sich ein deutlicher Unterschied in den Schwangerschaftsraten. In der Gruppe mit den Biopsien betrug sie 32,7% und in der unbehandelten Kontrollgruppe 13.7%. Dieser Unterschied ist statistisch signifikant, ebenso die Lebendgeburtenrate: 13,07% bzw. 7,1%. Auffällig sind die recht niedrigen Schwangerschaftsraten, auf die im Artikel nicht weiter eingegangen wird. Und das, obwohl mehr als 3 Embryonen im Durchschnitt transferiert wurden. Unter diesen Voraussetzungen würde ich auch aufgrund der recht kleinen Fallzahl die Ergebnisse zumindest vorsichtig in Frage stellen wollen.


Eine echte Erklärung für dieses Phänomen gibt es nicht. Zhou et al. [1] untersuchten 218 Gene, die sich bei den Schwangeren und Nichtschwangeren hinsichtlich ihrer Aktivierung zum Teil deutlich unterschieden. Auch wird spekuliert, ob Zytokine im Rahmen der Reparationsmechanismen dann später dann auch eine Rolle bei der Einnistung spielen könnten. Wiewohl eine Erklärung recht hilfreich wäre und vor allem wissenschaftlich befriedigender, so bleibt der Effekt einer Endomtriumbiopsie ein spannendes Phänomen, welches evtl. auch einen Einstieg für das tiefere Verständnis der Einnistungsprozesse bieten könnte.

[1] Zhou L, Li R, Wang R, Huang HX, Zhong K
Local injury to the endometrium in controlled ovarian hyperstimulation cycles improves implantation rates.
Fertil Steril. 2008 May;89(5):1166-76.

[2]Sachin A Narvekar, Neelima Gupta, Nivedita Shetty, Anu Kottur, MS Srinivas, and Kamini A Rao
Does local endometrial injury in the nontransfer cycle improve the IVF-ET outcome in the subsequent cycle in patients with previous unsuccessful IVF? A randomized controlled pilot study
J Hum Reprod Sci. 2010 Jan-Apr; 3(1): 15–19.
[Volltext der Studie]


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Kommentare

12 Kommentare für “Endometrium-Biopsie zur Verbesserung der Einnistung?”

  1. Es gibt in Berlin einen Arzt der bei wiederholtem Einnistungsversagen eine Endometriumsreizung empfiehlt und durchführt.


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    Geschrieben von Nauka am 21. Dezember 2011 um 14:08
  2. Also ich habe bei der 2ten und auch erfolgreichen ICSI im Rahmen einer Studie eine Endometriumsbiopsie bekommen. Die wurde direkt in Verbindung mit der PU( Hatte Vollnarkose) durchgeführt. Es gibt sicher viele Faktoren, die ineinander greifen aber wer weiß, vllt hats das ja gebracht. Bisher, so erklärten mir die Ärzte ist das aber in Deutschland nur im Rahmen einer Studie möglich.


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    Geschrieben von fatcat am 21. Dezember 2011 um 18:47
  3. Hallo Dr. Breitbach, bitten Sie diese Endometrium – Biopsie jetzt auch in Bad Münder an ?


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    Geschrieben von Verena am 21. Dezember 2011 um 20:42
  4. Also in meinem Fall wäre soweit ich weiß nicht im Rahmen einer Studie gewesen. Hat aber auch ohne geklappt. ; )


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    Geschrieben von Nauka am 21. Dezember 2011 um 20:44
  5. die frage ist, ob es mechanische oder immunologische prozesse sind, die die einnistung dann fördern… ich tippe auf letzteres, was ggf. auch die schlechten ssraten der kontrollgruppe erklären würde. implantationsversager…

    oder wird doch durch den mech. reiz die durchblutung gefördert???

    sehr interessant auf jeden fall!


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    Geschrieben von greta am 21. Dezember 2011 um 22:28
  6. Nauka, kannst du bitte einen kleinen Hinweis geben, wo das in Berlin geht? Bin ziemlich verzweifelt!!!


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    Geschrieben von oldi am 21. Dezember 2011 um 23:04
  7. @ Verena: Nein. Wir legen aber ohnehin notwendige Gebärmutterspiegelungen unter anderem aus diesem Grund gerne in den Zyklus vor der geplanten Therapie

    @ Greta: Vieles spricht dafür, dass es immunologische Faktoren sind. Aber wie gesagt: Man darf spekulieren.


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    Geschrieben von Elmar Breitbach am 21. Dezember 2011 um 23:34
  8. @Oldi: schreib mich per PN an!


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    Geschrieben von Nauka am 22. Dezember 2011 um 09:19
  9. @Herr Breitbach: Es waren vermutlich keine Blindstudien dabei, oder? Man kann also strenggenommen nicht einmal einen Placeboeffekt ausschließen. Andererseits gibt es ja auch das Gerücht, dass Frauen kurz nach einer Fehlgeburt leichter schwanger werden. Diesem Phänomen könnten ähnliche Ursachen zugrunde liegen.


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    Geschrieben von Buntspecht am 22. Dezember 2011 um 15:48
  10. @greta

    ich tippe eher auf angeregt gesteigerte rekapillarisierung durch den mechanischen reiz – im prinzip der wundheilung vergleichbar. die immunologischen aspekte liegen hier wohl ganz nah, aber den ablauf an sich würde ich eher “mechanisch”, also gefäßbildend, bzw “blutversorgend” sehen. was den immunologischen aspekt angeht, so sehe ich noch viel grundlagenforschung vor erfolgreichen therapien. man weiß immerhin, wie man verhindert, dass fremde organe abgestoßen werden. etwas feingetuneder sollte das auch bei embryonen möglich sein. allerdings glaube ich, dass bei der nidation die genzen zwischen gefäßausbildung einerseits und immunologie andererseits so gut wie nicht mehr vorhanden sind, bzw es nur wenige faktoren gibt, die beide prozesse maßgeblich steuern.


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    Geschrieben von reaba am 23. Dezember 2011 um 08:59
  11. @ Buntspecht: das halte ich wirklich für ein Gerücht. Studien, die belegten, dass eine erneute Schwangerschaft nach Fehlgeburt leichter eintritt gibt es nicht. Nein, verblindet war die Studie nicht.


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    Geschrieben von Elmar Breitbach am 23. Dezember 2011 um 10:07
  12. Guten Tag,

    es gibt eine neue Studie, die die positive Wirkung der Endometrium Biopsie bestätigt.

    Does a single endometrial biopsy regimen (S-EBR) improve ICSI outcome in patients with repeated implantation failure? A randomised controlled trial.

    Shohayeb A, El-Khayat W.

    Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2012 Jul 24. [Epub ahead of print]


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    Geschrieben von Blumenbine am 7. August 2012 um 15:54

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