Eizellenqualität bei IVF: Wie kann man sie beeinflussen?

Bei der In vitro fertilisation sind die Chromosomen der Eizellen von großer Bedeutung. Kann man deren Qualität beeinflussen?

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Wenn es um die Erfolgsraten bei der künstlichen Befruchtung geht, dann zeigen die Statistiken einen großen Einfluss des Alters – vor allem der Frau und ihrer Eizellen. Seitdem man Embryonen und Eizellen genetisch untersuchen kann, weiß man, dass die Schwangerschaftsraten bei IVF und ICSI vom Erbgut der Eizellen beeinflusst werden. Kann man die Eizellenqualität bei IVF gezielt verbessern?

Wie kann man die Qualität seiner Eizellen selbst beeinflussen? Eine ausführliche Übersicht dazu finden Sie hier.

Wie man die Qualität der Eizellen selbst verbessern kann, wurde hier ja bereits kürzlich ausführlich erklärt. Nun wäre noch zu klären, ob man sie auch von ärztlicher Seite beeinflussen kann. Ein Hebel scheint auf jeden Fall die Dosis der Hormone zu sein, mit dem man das Wachstum der Eizellen anregt. Zumindest deren Zahl beeinflusst den Ausgang der Behandlung, wie Wissenschaftler aus London 2011 festellten1)Sunkara SK, Rittenberg V, Raine-Fenning N et al. Association between the number of eggs and live birth in IVF treatment: an analysis of 400 135 treatment cycles. Hum Reprod 2011; 26: 1768-1774. Demzufolge steigt die Schwangerschaftsrate mit zunehmender Anzahl an gewonnen Einzellen, bei mehr als 15 sinkt sie jedoch wieder. Ohne sich nun an diesen Zahlen festklammern zu wollen, gibt es offensichtlich einen Zusammenhang zwischen Zahl und Eizellenqualität bei IVF.

Was bedeutet eigentlich Eizellenqualität bei IVF?

Was unterscheidet einen guten von einem schlechten Embryo? Embryonengrading: Die Beurteilung der Embryonenqualität

Letztlich entscheidend ist natürlich die Schwangerschaftsrate oder besser noch die Lebendgeburtenrate. Aber auch, ob die Eizellen reif sind, sich befruchten lassen und sich später zu guten Embryonen entwickeln, sind wichtige Faktoren auf dem Weg zu diesem Ziel. Lässt sich das überhaupt beeinflussen? Und wenn ja, auch gezielt?


Ist die Beschaffenheit von Eizellen und Embryonen überhaupt beeinflussbar?

Bevor man die Frage stellt, ob man gezielten Einfluss auf die Eizelentwicklung nehmen kann, stellt sich zunächst die Frage, ob es überhaupt möglich ist. Gehen wir mal davon aus, dass ein wesentlicher Faktor für eine Schwangerschaft ein normaler Chromosomensatz der Eizelle und später des Embryos ist, dann zeigt eine Studie aus den USA2)Munné S, Alikani M, Ribustello L, Colls P, Martínez-Ortiz PA; Referring Physician Group, McCulloh DH.
Euploidy rates in donor egg cycles significantly differ between fertility centers.
Hum Reprod. 2017 Apr 1;32(4):743-749. doi: 10.1093/humrep/dex031.
einen ganz erheblichen Einfluss von Arzt und IVF-Labor auf die genetische Beschaffenheit der Embryonen. In manchen IVF-Kliniken wiesen nur 40% der Embryonen einen normalen Chromosomensatz auf (euploid) in anderen bezifferte sich dieser Anteil mehr als doppelt so hoch (82,5%)

Unter annähernd gleichen Voraussetzungen haben manche Kliniken nur halb so viele genetisch intakte (eupliode) Embryonen

Nun könnte man natürlich argumentieren, dass die Patienten nicht in jedem Kinderwunsch-Zentrum gleich sind. So könnte der Altersdurchschnitt oder die Verteilung bestimmter Erkrankungen unterschiedlich sein und Einfluss nehmen. Deswegen flossen in diese Studie nur Ergebnisse aus Zyklen mit Eizellspende ein, um von einer durchschnittlich gleichen und guten Eizellenqualität ausgehen zu können. Auch die Methode der genetischen Untersuchung der Blastozysten erfolgte durchgehend mit Hilfe der „array comparative genomic hybridization“ (aCGH). Obwohl die Studie eine retrospektive Analyse war, versuchte man durch die Beschränkung auf Zyklen mit Eizellspende möglichst gleiche Voraussetzungen zu schaffen. Die hohe Zahl an untersuchten Embryonen (mehr als 13.000) hilft auch, statistisch signifikante Aussagen zu erhalten.

Welche Faktoren beeinflussen die Qualität der Embryonen?

Kulturschale mit Embryonen
Die Kulturbedingungen im Labor haben auch Einfluss auf den Zustand der Embryonen © clipdealer.com

Nimmt man die Daten dieser Studie als Basis, dann gibt es Faktoren, welche die Qualität der Embryonen beeinflussen und vom Arzt oder Labor vorgegeben werden. Nun wäre es natürlich spannend zu wissen, welche dies sein mögen, um dann die Eizellenqualität bei IVF und ICSI gezielt verbessern zu können.

Die Autoren der Studie sind bedauerlicherweise nicht in der Lage, anhand ihrer Daten diese Faktoren festzulegen, mit denen man die Normalität des Erbguts der Embryonen – oder im Schritt davor der Eizellen – fördern könnte. Lediglich Spekulationen über mögliche Einflussfaktoren waren möglich. Eine davon bezog sich auf die eingangs erwähnte Zahl der gewonnen Eizellen. Unabhängig von der Zahl der Eizellen scheint aus Sicht der Autoren auch die verabreichte Hormondosis eine Rolle zu spielen. Sie zitieren in diesem ZUsammenhang eine Studie3)Baker VL, Brown MB, Luke B, Smith GW, Ireland JJ
Gonadotropin dose is negatively correlated with live birth rate: analysis of more than 650,000 assisted reproductive technology cycles.
Fertility and Sterility. [Published online ahead of print August 18, 2015]. doi:10.1016/j.fertnstert.2015.07.1151.
, die wir hier im vergangenen Jahr auch bereits in dem Artikel „IVF funktioniert besser mit weniger Hormonen“ erwähnten.

Weniger gut durch andere Studien belegbar und daher lediglich Gegenstand von Spekulationen waren andere mögliche Unterschiede in der Vorgehensweise:


Andere Faktoren waren nicht direkt oder nur bedingt durch das Ärzteteam der behandelnden Klinik beeinflussbar:

  • Das Alter der Eizellspenderinnen
  • Das Alter des Partners

Zusammenfassung

  • Die Qualität eines Embryos und die Schwangerschaftsrate hängt sehr von der Qualität der Eizellen und ihrer Chromosomen ab.
  • Der Anteil genetisch normaler Embryonen wird von Arzt und IVF-Labor beeinflusst.
  • Die Behandlung (Hormongaben) der Frau (ggf. Eizellspenderin) und die Kultur im IVF-Labor kann dabei eine Rolle spielen
Oder um es noch knapper zusammenzufassen: Ärzte und Biologen können die Qualität der Embryonen beeinflussen (das ist die gute Nachricht), nur weiß niemand so ganz genau wie (das wäre dann die schlechte Nachricht). Eine optimal angepasste Stimulation scheint aber hilfreich sein zu können.

 



Literatur   [ + ]

1. Sunkara SK, Rittenberg V, Raine-Fenning N et al. Association between the number of eggs and live birth in IVF treatment: an analysis of 400 135 treatment cycles. Hum Reprod 2011; 26: 1768-1774
2. Munné S, Alikani M, Ribustello L, Colls P, Martínez-Ortiz PA; Referring Physician Group, McCulloh DH.
Euploidy rates in donor egg cycles significantly differ between fertility centers.
Hum Reprod. 2017 Apr 1;32(4):743-749. doi: 10.1093/humrep/dex031.
3. Baker VL, Brown MB, Luke B, Smith GW, Ireland JJ
Gonadotropin dose is negatively correlated with live birth rate: analysis of more than 650,000 assisted reproductive technology cycles.
Fertility and Sterility. [Published online ahead of print August 18, 2015]. doi:10.1016/j.fertnstert.2015.07.1151.

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