Blut am Katheter, Puder am Handschuh

0

Kryptische Überschriften mit „Blut“ ziehen immer. Ich sehe die Abrufzahlen dieses Artikels bereits durch die Decke gehen.

Blut am Transfer-Katheter: Ist das schädlich?

Das wäre die richtige Überschrift gewesen. Mal ehrlich, das liest doch kein Mensch. Für diejenigen, die es trotzdem wissen möchten, haben Wissenschaftler aus den USA untersucht, inwieweit Blut am Transfer-Katheter einen Einfluss auf den Ausgang einer künstlichen Befruchtung hat [1]. Wenn bei einer IVF oder ICSI die Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt werden, bemüht man sich um ein möglichst schonende Vorgehensweise. Die Gebärmutterschleimhaut sollte durch den Katheter nicht verletzt werden, damit die Embryonen eine intakte Schleimhaut zur Einnistung vorfinden.

Schadet es also, wenn der Katheter nach dem Transfer äußerlich erkennbar Blutspuren aufweist? Vorweg ist vielleicht noch erwähnenswert, dass diese Blutspuren meist nicht durch Verletzungen der Gebärmutterschleimhaut entstehen, sondern durch kleine Blutgefäße im Gebärmutterhals, mit dem die Embryonen später aber nicht in Kontakt treten.

Die Ergebnisse von 470 Patienten wurden ausgewertet. fand sich Blut oder Gebärmutterhalssekret am Katheter, dann betrug der Schwangerschaftsrate 48,8% pro Transfer. Dieser Wert lag bei 44,4%, wenn der Katheter frei von Blutspuren war. Statistisch gesehen fand sich also kein Unterschied.

Auch eine genauere Betrachtung in Untergruppen (mit bloßem Auge erkennbare Blutspuren, nur mit dem Mikroskop erkennbare Verunreinigungen, außen oder innen im Katheter oder Führungskatheter) zeigte keinen Einfluss auf den Ausgang der Behandlung.

Schadet Puder am Handschuh des Arztes?

Üblicherweise sind die Latexhandschuhe gepudert. Das ist notwendig, damit man leicht hinein und wieder rauskommt. Wie schwierig es sonst sein kann, dürfte jedem klar sein, der mal versucht hat, mit leicht feuchten (=frisch gewaschenen) Händen in Gummi-Haushaltshandschuhe schlüpfen.

Da sich das Puder auch an der Außenseite der Handschuhe befindet, könnten Spuren davon beim Transfer der Embryonen auch in die Gebärmutter gelangen und sich dort möglicherweise störend auswirken. Ob dies so ist, wurde von libanesischen Ärzten bei mehr als 700 Embryotransfers untersucht [2]. Jeweils 356 Transfers wurden mit und ohne Handschuhpuder durchgeführt. In der Kurzfassung des Artikels finden sich leider keine genauen Angaben zu den Schwangerschaftsraten, jedoch die eindeutige Aussage, dass es keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen hinsichtlich der Erfolgsraten gab.

Zwei Studien mit klaren Ergebnissen zu praxisrelevanten Fragen. Das hat man auch nicht oft.



1: Moragianni VA, Cohen JD, Smith SE, Schinfeld JS, Somkuti SG, Lee A, Barmat LI
Effect of macroscopic or microscopic blood and mucus on the success rates of embryo transfers.
Fertil Steril. 2008 Dec 22

2: Hannoun A, Zreik TG, Ghaziri G, Abu Musa A, Awwad J
Effect of powdered gloves, worn at the time of embryo transfer, on the pregnancy outcome of IVF cycles.
J Assist Reprod Genet. 2008 Dec


Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.