Blastozystentransfer: 5 oder 6 Tage kultivieren?

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Der Transfer nach 5 Tagen im sogenannten Blastozystenstadium wird immer wieder als eine Methode genannt, die nach wiederholt erfolglosen IVF-Behandlungen doch noch zu einer Schwangerschaft führen kann. Die Überlegung ist, dass hier die Auswahl der Embryonen zu einem Zeitpunkt erfolgt, an dem ihr Einnistungspotential unter dem Mikroskop besser erkennbar ist. Begründete Zweifel, dass diese Überlegungen zutreffen, existieren und werden hier ausführlich diskutiert.

In einer aktuellen Studie wurde verglichen, ob der Blastozystentransfer am 5. oder 6. Tag nach der Punktion besser geeignet ist, eine Schwangerschaft bei Paaren herbeizuführen, welche mit Transfers am 2. oder 3. Tag nach der Eizellentnahme mehrfach keinen Erfolg hatten.

Dazu wurden 148 Frauen behandelt, die sich zuvor mindestens dreimal erfolglos einer konventionellen IVF unterzogen hatten. Die Frauen wurden jeweils einer Studiengruppe zugeteilt und erhielten die Blastozysten entsprechend am 5. oder 6. Tag zurück. Bei 91% der Frauen kam es zu einem Transfer von Embryonen, bei 73% waren es zwei oder mehr Blastozysten.

Wurden die Embryonen 5 Tage lang kultiviert, dann lag die Schwangerschaftsrate bei 38%, nach 6 Tagen lediglich bei 11%.

Die Studie weist statistisch signifikant nach, dass eine Embryonenkultur von mehr als 5 Tagen dem Erfolg der Behandlung eher abträglich ist. Man könnte meinen, dass sie auch die Verbesserung der Schwangerschaftsraten durch den Blastozystentransfer nachgewiesen wurde. Aufgrund des Fehlens einer entsprechenden Kontrollgruppe ist dieser Schluss jedoch nicht zulässig, da man keine Aussage darüber treffen kann, wie die Erfolgsraten unter den gegebenen Umständen nach 2-3 Tagen gewesen wären.

Abschließend ist zu sagen, dass diese Ergebnisse unter anderen rechtlichen Voraussetzungen als in Deutschland erfolgten (d. h. späte Embryonenselektion ist möglich und auch der Transfer von mehr als 3 Embryonen).


Blastocyst culture after repeated failure of cleavage-stage embryo transfers: A comparison of day 5 and day 6 transfers
Barrenetxea G, de Larruzea AL, Ganzabal T, Jiménez R, Carbonero K, Mandiola M
Fertility Sterility Jan 2005 (Vol. 83, Issue 1) 49-53



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Kommentar

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3 Kommentare

  1. Hera84 schreibt

    Ich würde gerne wissen ob man bei einer Blastozyste bereits vor Transfer das Geschlecht des Kindes erkennen kann???

  2. Rebella schreibt

    Ja, mittels PID ist das möglich. Wurde in der PID-Diskussion auch hin und wieder von den Gegnern zur Sprache gebracht.

  3. Elmar Breitbach schreibt

    Hera84: » Falls Sie meinen, ob es unter dem Mikroskop erkennbar ist: Nein. Nur mit Hilfe der PID, wie Rebella bereits schrieb.