Die Kinderwunsch-Seite
« Ostern: Fest der Fruchtbarkeit
Pech gehabt? Drillinge nach Transfer eines Embryos »

IVF und ICSI

Assisted Hatching. Wem hilft es? Eine kleine Übersicht.

Assisted Hatching” bedeutet, dass die Hülle des Embryos eingeritzt wird, um das Schlüpfen des Embryos zu erleichtern. Mehr dazu im entsprechenden Theorie-Kapitel dieser Seite. Die Methode ist jedoch umstritten und welche Paare davon profitieren können ist weiterhin unklar.

Hier noch mal eine kleine Zusammenfassung der Studien, die in der Zwischenzeit hier vorgestellt wurden:

Cochrane Database

Sicherlich am wichtigsten, weil wissenschaftlich die strengsten Maßstäbe angelegt wurden ist die Studie in der Cochrane Database[1]. Eine Analyse von mehreren Studien zum Assisted Hatching, ergab keinen wesentlichen Vorteil für die Methode. Die Schwangerschaftsraten scheinen zwar höher zu sein als ohne Hatching, jedoch gibt es keinen Nachweis dafür, dass auch die Anzahl der Lebendgeburten höher ist. Mehrlingsschwangerschaften waren nach Assisted Hatching deutlich häufiger.

Aber es gibt natürlich nicht nur die Studien, die den strengen Kriterien der Cochrane Database genügen, sondern auch andere, die im Hinblick auf bestimmte Details und Patientengruppen von Interesse sein können.

Alter

Eine Studie aus Frankreich[2] versuchte, den Effekt des Hatching bei Embryonen von Frauen ab 37 Jahren festzustellen. Auch in dieser gut definierten Untergruppe konnte eine Verbesserung der Schwangerschaftsraten durch Hatching nicht festgestellt werden. Die Rate an lebend geborenen Kindern betrug nach Hatching 22,4% und ohne Hatching 29,6%. Der Unterschied fiel also eher zugunsten der Kontrollgruppe aus, jedoch ist dieses Ergebnis nicht statistisch signifikant.

Eine aktuelle prospektiv kontrollierte Studie aus Kanada[3] fand keinen wesentlichen Unterschied im Hinblick auf die Schwangerschaftsraten, wenn Assisted Hatching im Rahmen der ICSI angewendet wurde, jedoch war die sogenannte Implantationsrate höher und somit auch die Zahl der Mehrlinge. Die Untergruppe der Frauen, die 35 oder älter war profitierten deutlicher von der Methode als die jüngeren Frauen.

Um das Bild der Konfusion vollständig abzurunden, ist in einer weiteren Studie[4], die sich eher methodischen Details des Asissted Hatching widmete (”Anritzen der Embryonenhülle” oder einer Technik mit kompletter Penetration der Hülle) das Ergebnis bezüglich des Alters ein noch anderes. Hier profitierten die Frauen unter 38 am ehesten von der klassischen Technik des Hatching. Und auch hier wurde von höheren Implantationsraten berichtet. Möglicherweise sind die Chancen bei jüngeren Frauen nach Assisted Hatching sogar vermindert[6].

Mehrlinge, erhöhte “Implantationsraten”

Neben der eingangs erwähnten Studie (Cochrane Database)[1] wurde über dieses Phänomen häufiger berichtet[3,4], so dass man hier von einem relativ konstanten Phänomen ausgehen kann, welches auch bei zuvor eingefrorenen Embryonen beobachtet wurde[9].

Einnistungsstörungen

Die Hoffnung, dass sich durch das erleichterte “Schlüpfen” des Embryos die Fähigkeit zur Einnistung verbessert, führt vor allem bei Paaren mit Einnistungsstörungen zu einer häufigen Anwendung der Therapie. Eine brasilianische Arbeitsgruppe[5] untersuchte dies unter randomisiertem und kontrolliertem Studiendesign mit Paaren nach einem oder mehreren vergeblich durchgeführten Fehlversuchen bei IVF. Nur bei den Patienten, die zuvor wiederholt erfolglos behandelt worden waren zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe ohne IVF.

Wissenschaftler aus Israel[6] fanden bei dieser Indikation (mind. 3 Fehlversuche in der Vorgeschichte) überhaupt keinen Unterschied in einer ebenfalls kontrollierten Studie, wenn sie die gesamten untersuchten Patienten erfasste. Nach einer Unterteilung in Altersgruppen fand sich, dass jüngere Frauen (<34 Jahre) sogar schlechtere Schwangerschaftsraten aufwiesen und demzufolge die Älteren eine Verbesserung der Erfolgsraten zeigten, ohne, dass man jedoch einen Grenzwert festlegen konnte.

Kryotransfer

Man nimmt an, dass die Zellhülle von eingefrorenen und wieder aufgetauten Embryonen rigider ist als die von “frischen” und deswegen das Assisted Hatching in diesen Fällen zu besseren Schwangerschaftsraten führt. Dies konnte jedoch in einigen Studien[7,9,10] nicht bestätigt werden, auch nicht, wenn die Hülle der Embryonen eine überdurchschnittlich Dicke (> or = 16 mm) aufwies[7]. Eine aktuelle Studie zeigte eine recht deutlich Verbesserung der Schwangerschaftsraten, wenn der Hatching-Vorgang unmittelbar vor dem Transfer an geteilten Embryonen erfolgte[8], während andere wie auch schon bei anderen Indikationen lediglich eine erhöhte Mehrlingsrate erkennen ließ[9].

Interessant ist, dass bereits 1999, also zu einem Zeitpunkt, als noch eine ziemliche “Hype” um das Assisted Hatching bestand, eine Studie erschien, die den ernüchternden Titel “A study failing to determine significant benefits from assisted hatching” trug und für alle die oben genannten Indikationen keine Verbesserung der Schwangerschaftsraten durch das Assisted Hatching nachweisen konnte[11].

Jeder mag aus dieser Datenlage seine eigenen Schlüsse ziehen, denn für eine griffige Gesamtaussage sind die Ergebnisse zu heterogen. Recht sicher scheint das erhöhte Mehrlingsrisiko zu sein und die Hinweise auf Vorteile bei älteren Patienten sind auch häufiger als anderslautende Aussagen, beim Kryotransfer wird der Nachweis der positiven Auswirkungen schon schwieriger, bei den Einnistungsstörungen nahezu unmöglich.

Etwas überspitzt kann man zusammenfassen: Wer ohnehin leichter schwanger wird, wird es mit Assisted Hatching noch mehr (=Mehrlinge). Wer es vorher nicht wurde, wird es mit Hilfe des Assisted Hatching auch nicht werden.

Wer diese News schon länger liest, dem kommt der Artikel vielleicht bekannt vor. Das stimmt in der Tat, ich habe ihn aus den alten News reaktiviert, da er an Aktualität nichts verloren hat. Und viele Besucher der News nach “Hatching” suchen und bisher dazu nichts fanden.

[1] Seif M, Edi-Osagie E, Farquhar C, Hooper L, Blake D, McGinlay P, Seif M.
Assisted hatching on assisted conception (IVF & ICSI)
Cochrane Database Syst Rev. 2005 Oct 19;(4):CD001894

[2] Frydman N, Madoux S, Hesters L, Duvernoy C, Feyereisen E, Le Du A, Tachdjian G, Frydman R, Fanchin R.
A randomized double-blind controlled study on the efficacy of laser zona pellucida thinning on live birth rates in cases of advanced female age.
Hum Reprod. 2006 Apr 27;

[3] Ma S, Rowe T, Yuen BH
Impact of assisted hatching on the outcome of intracytoplasmic sperm injection: a prospective, randomized clinical trial and pregnancy follow-up.
Fertil Steril. 2006 Apr;85(4):895-900

[4] Ghobara TS, Cahill DJ, Ford WC, Collyer HM, Wilson PE,Al-Nuaim L, Jenkins JM
Reprod Biomed Online. 2006 Aug;13(2):261-7
Effects of assisted hatching method and age on implantation rates of IVF and ICSI.

[5] Petersen CG, Mauri AL, Baruffi RL, Oliveira JB, Massaro FC, Elder K, Franco JG Jr
Implantation failures: success of assisted hatching with quarter-laser zona thinning.
Reprod Biomed Online. 2005 Feb;10(2):224-9

[6] Rufas-Sapir O, Stein A, Orvieto R, Avrech OM, Kotler N, Pinkas H, Bar J, Fisch B
Is assisted hatching beneficial in patients with recurrent implantation failures?
Clin Exp Obstet Gynecol. 2004;31(2):110-2

[7] Ng EH, Naveed F, Lau EY, Yeung WS, Chan CC, Tang OS, Ho PC
A randomized double-blind controlled study of the efficacy of laser-assisted hatching on implantation and pregnancy rates of frozen-thawed embryo transfer at the cleavage stage.
Hum Reprod. 2005 Apr;20(4):979-85

[8] Balaban B, Urman B, Yakin K, Isiklar A
Laser-assisted hatching increases pregnancy and implantation rates in cryopreserved embryos that were allowed to cleave in vitro after thawing: a prospective randomized study.
Hum Reprod. 2006 Aug;21(8):2136-40

[9] Gabrielsen A, Agerholm I, Toft B, Hald F, Petersen K, Aagaard J, Feldinger B, Lindenberg S, Fedder J.
Assisted hatching improves implantation rates on cryopreserved-thawed embryos. A randomized prospective study
Hum Reprod. 2004 Oct;19(10):2258-62

[10] Oehninger S, Mayer J, Muasher S
Impact of different clinical variables on pregnancy outcome following embryo cryopreservation.
Mol Cell Endocrinol. 2000 Nov 27;169(1-2):73-7

[11] J Edirisinghe WR, Ahnonkitpanit V, Promviengchai S, Suwajanakorn S, Pruksananonda K, Chinpilas V, Virutamasen P
A study failing to determine significant benefits from assisted hatching: patients selected for advanced age, zonal thickness of embryos, and previous failed attempts
Assist Reprod Genet. 1999 Jul;16(6):294-301


Stichwörter: , , , , , ,

schlechtgut (+5 Bewertung, 9 Stimmen)
Loading ... Loading ...



Kommentare

Kein Kommentar bisher für “Assisted Hatching. Wem hilft es? Eine kleine Übersicht.”

Schreiben Sie einen Kommentar

Suche

Antworten im Forum

blogoscoop