Aspirin: Verbessert es die Schwangerschaftsraten?


Die Gabe von Aspirin ist eine häufig angewendete Methode zur Verbesserung der Einnistung bei der künstlichen Befruchtung oder zu Behandlung von Fehlgeburten. Einzelne Studien berichten hier auch über eine deutliche Verbesserung der Schwangerschaftsraten.

Nachdem ich in einem anderen Artikel ausführlich geschildert habe, was die Cochrane Database ist nun hier gleich ein Artikel, der dort veröffentlicht wurde. Dieser hatte zum Ziel, den Einfluss von Aspirin auf den Ausgang von IVF und ICSI-Behandlungen herauszuarbeiten. Dazu wurden gemäß der strengen Kriterien der Cochrane Database Artikel gesucht, die sich mit diesem Thema beschäftigten.

Neun entsprechende Studien mit insgesamt 1449 Patienten konnten bei der Durchsicht der bisher zu diesem Thema publizierten Literatur gefunden werden. Keine dieser Studien konnte eine signifikante Verbesserung der Schwangerschaftsrate durch die ASS-Gabe nachweisen. Nur in zwei Studien wurde auch die Auswirkung auf die Zahl der Lebendgeburten untersucht, bei den 401 Patienten dieser Studien fanden sich diesbezüglich ebenfalls keine signifikanten Unterschiede zwischen Plazebo- und Wirkstoffgruppe.

In keiner der Studien wurde über Nebenwirkungen der ASS-Therapie berichtet.

Die Autoren der vorliegenden Studie sehen gegenwärtig keinen Grund, die zusätzliche Gabe von ASS zu empfehlen. Die vorliegenden Daten sind nicht in der Lage, die Effektivität der Behandlung nachzuweisen. Empfohlen wird eine randomisierte und kontrollierte Studie mit einer ausreichend hohen Patientenzahl. Basierend auf den vorliegenden Daten wären dazu 700 Patientinnen notwendig, wobei es in Anbetracht der eher niedrigen wissenschaftlichen Meriten, die es dabei zu ernten gibt, eher unwahrscheinlich ist, dass sich jemand diese Mühe macht.

Zusammenfassend könnte man nämlich anhand des vorliegenden Datenmaterials auch den Schluss ziehen, dass die Nebenwirkungen gering sind und zumindest kein negativer Effekt auf die gesamte Behandlung zu erwarten ist. Das kann man auch als Freibrief dafür ansehen, es einfach auch ohne wissenschaftlichen Beweis mit dieser Zusatztherapie zu versuchen.


Poustie VJ, Dodd S, Drakeley AJ.
Low-dose aspirin for in vitro fertilisation.
Cochrane Database Syst Rev. 2007 Oct 17;(4):CD004832


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Kommentar

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3 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    wäre interessant, mal eine studie zu machen mit aspirin in abhängigkeit zu bestimmten, bereits diagnostizierten gerinnungsproblemen (z.b. APS)…dann würde das ganze eventuell wieder anders aussehen.

    irgendwie ist das jetzt sehr unbefriedigend. genauso wie die studienlage zu aspirin und artrio-vaskulären ereignissen – kommt da nie einer auf die idee mal zu untersuchen warum es bei dem einen präventiv lebensrettend ist und bei einem anderen..naja..immerhin so gut wie nebenswirkungsfrei?

  2. Elmar Breitbach
    Pat schreibt

    Nur mal so nebenbei gefragt, um es vielleicht, wenn es wirklich nebenwirkungsfrei ist, auch anwenden zu können. Schluckt Frau denn da pro Tag eine Aspirin? Und wenn ja, welche? Es muss ja kein Vitamin C dabei sein, aber schaden kann es ja auch nicht, oder? Weiß jemand mehr? Darf überhaupt mehr verraten werden? Für eine kurze Antwort wäre ich sehr dankbar.

  3. Elmar Breitbach
    LeeLee schreibt

    @Pat: Keine normale 500er Aspirin, sondern eine 100er Aspirin. Die wird normalerweise zur Blutverdünnung gebeben, z.B. zur Vorbeugung eines Herzinfarktes bei Risikopatienten. (Diese Angaben sind ohne Gewähr!)

    LG
    Susanne