Intrinsische Fertilität: Wieviele Eizellen braucht man in welchem Alter für ein Kind?

Die Berechnung der intrinsischen Fertilität pro Eizelle

2

Die Fruchtbarkeit der Frau sinkt mit zunehmendem Alter, das ist eine bedauerliche, aber auch unabwendbare Tatsache. Die Frage, bis zu welchem Alter eine künstliche Befruchtung sinnvoll ist, konnte nur unzureichend beantwortet werden. Bei wenigen Eizellen sollte man jünger als 42 sein, wenn die Eierstöcke noch gut funktionieren, dann sind wohl 43 Jahre die Obergrenze. Manche Experten raten ab 42 Jahren von einer Kinderwunschbehandlung mit eigenen Eizellen komplett ab. Das sind nun alles Ergebnisse von künstlichen Befruchtungen, aber was ist mit unstimulierten – natürlichen – Zyklen?

Die intrinsische Fertilität einer Eizelle

Ob es nun um die Chancen geht, in einem natürlichen Zyklus noch einmal schwanger zu werden oder eher das Risiko, wenn es um die Beratung bei der Verhütung geht: Es fehlen belastbare Daten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit pro Eizelle im natürlichen Zyklus ist, eine Schwangerschaft zu erzeugen. In einer aktuellen Studie wurde versucht, diese altersabhängige intrinsische Fertilität der Eizelle zu bestimmen.

Die individuelle Fruchtbarkeit der Eizelle

Der Begriff “intrinsische Fertilität” wurden von den Autoren der hier vorgestellten Studie1)Silber SJ, Kato K, Aoyama N, Yabuuchi A, Skaletsky H, Fan Y, Shinohara K, Yatabe N, Kobayashi T
Intrinsic fertility of human oocytes.
Fertil Steril. 2017 May;107(5):1232-1237. doi: 10.1016/j.fertnstert.2017.03.014. Epub 2017 Apr 19
geprägt und entspricht dem Vermögen einer Eizelle im natürlichen Zyklus eine Schwangerschaft herbeizuführen. Natürlich möglichst gefolgt von der Geburt eines gesunden Kindes. Dazu wurden Daten aus IVF- und ICSI-Behandlungen im natürlichen Zyklus analysiert. Insgesamt umfasste die Untersuchung die Daten von fast 14.200 Eizellen aus einem natürlichen Zyklus. Die Zahl an Eizellen, die man für eine Lebendgeburt benötigt hängt stark vom Alter der Frau ab.

Altersabhängige Ergebnisse

Bei Frauen unter 42 Jahren lag die intrinsische Fertilität der Eizelle bei 18%. Man benötigt also durchschnittlich 5,5 Eizellen für eine Lebendgeburt. Bei allen Frauen < 35 Jahren betrug die Rate an Lebendgeburten pro Eizelle 26%, was im Rahmen dessen liegt, was man bei jüngeren Frauen als monatliche Schwangserschaftswahrscheinlichkeit pro Eisprung beobachtet. Ab 42 Jahren beträgt dieser Wert nur noch 4%, man benötigt also fast 23 Eizellen (und Zyklen – also 2 Jahre) für eine Geburt.


Mit Hilfe einer statistischen Analyse (logistische Regression) fassten die Autoren der Studie die Ergebnisse in einer grafischen Übersicht zusammen.Die Grafik zeigt eine Näherungskurve auf Basis der Daten von mehr als 14.000 Eizellen.

Die natürliche Fertilität der Eizelle ist schlecht

Für alle Altersgruppen ist zu sagen, dass ihre Fähigkeit, eine Schwangerschaft herbeizuführen ist sehr schlecht ist. Selbst bei den unter 30jährigen Frauen sind in zwei Dritteln der Fälle eine Einnistung nicht zu erwarten. Normalerweise kommen dann ja auch noch die Probleme der natürlichen Befruchtung hinzu: Timing, schlechte Spermien, Gelbkörperschwäche etc.. Diese Faktoren spielen bei dieser Untersuchung ja wegen der IVF und ICSI keine Rolle oder wurden gezielt umgangen.

Der altersabhängige Effekt tritt ab 35 Jahren ein

Während bis inklusive 34 die “intrinsische Fertilität” der Eizelle fast gleich bleibt, kommt es dann zu einem deutlichen Abfall, der fast linear verläuft. 20% der Fruchtbarkeit geht bis zum 36. Lebensjahr verloren und 90% bis zum 42.

Wirklich neu ist das alles nicht, denn es bestätigt Erkenntnisse, die sich bereits aus anderen Behandlungsarten ergeben oder auch aus der Beobachtung natürlicher Zyklen. Dennoch haben bietet diese Studie aufgrund der großen Zahl an Eizellen aus einem natürlichen Zyklus, bei denen Befruchtungsprobleme aufgrund der ICSI keine Rolle spielen, nun eine sehr belastbare Datenbasis zur Einschätzung der individuellen altersabhängigen Fruchtbarkeit pro Eizelle.



Literatur   [ + ]

1. Silber SJ, Kato K, Aoyama N, Yabuuchi A, Skaletsky H, Fan Y, Shinohara K, Yatabe N, Kobayashi T
Intrinsic fertility of human oocytes.
Fertil Steril. 2017 May;107(5):1232-1237. doi: 10.1016/j.fertnstert.2017.03.014. Epub 2017 Apr 19

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

2 Kommentare

  1. Jalyla schreibt

    Wie ist die Anzahl der Eizellen in dieser Statistik bei einer IVF oder ICSI definiert? Alle bei der PU gewonnenenen Eizellen, hiervon nur die reifen Eizellen oder die tatsächlich befruchteten Eizellen?

  2. snowqueen schreibt

    Sehr spannend. Danke, Doc!