Evie: Im Büro schwanger werden

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Evie schwanger im büro
Normalerweise werden die Spermien nach dem Geschlechtsverkehr langsam und über einen längeren Zeitraum in die Gebärmutter entlassen. Mit Hilfe einer speziellen Pumpe („Evie“) soll dies bei einer Insemination nun nachgeahmt werden. Aussagekräftige Studien zur Wirksamkeit fehlen jedoch noch.
Foto von beltzner

Evie soll es nun richten

Die eher übersichtlichen Erfolgsraten bei der Insemination sollen nun durch etwas ganz Neues verbessert werden: Die „Slow release intrauterine insemination“ mit Hilfe einer Spermienpumpe. Diese Erfindung hat es immerhin in die britische TIMES geschafft. Genau, mit der Büro-Überschrift.

Wie funktioniert eine normale Insemination?

Der Ablauf einer Insemination ist ausführlich in unserem Theorie-Teil beschrieben. Kurz zusammengefasst wird die Insemination vor allem bei geringfügig eingeschränkter Qualität der Spermien eingesetzt. Nach einer Vorbehandlung mit Hormonen wird zunächst der Eisprung ausgelöst und anschließend die Spermien in die Gebärmutter gespült. Zuvor werden die Spermien noch aufbereitet. Das Einbringen der Spermien in die Gebärmutter erfolgt auf einmal, innerhalb von Sekunden. Das entspricht nicht dem natürlichen Ablauf, bei dem die Samenfäden über einen längeren Zeitraum aus dem Gebärmutterhals abgegeben werden.

Wie funktioniert Evie?

Das Prinzip ist simpel: Ein Katheter wird in die Gebärmutter eingeführt und dort durch Aufblasen eines kleinen Ballons fixiert, der die Gebärmutter nach unten abdichtet, also ganz wie es auch bei der „Echovist“-Untersuchung geschieht. Durch eine kleine Pumpe werden die aufbereiteten Spermien nun über einen Zeitraum von ca. 4 Stunden in die Gebärmutter eingespült. Nach dem Einlegen des Katheters durch den Arzt kann die Frau die Praxis wieder verlassen und später selbst entfernen.

evie
Bild: Youtube EVIE promo (UK)
„Das gibt den Frauen mehr Freiheit, sagt David Dally von „Reproductive Science“, der Firma, die das Gerät entwickelte. „Die Frau kann nach der Behandlung nach Hause oder wieder zur Arbeit gehen. Der Preis der Behandlung ist verhältnismäßig niedrig.

Und wie gut funktioniert das System?

In den entsprechenden Artikeln wird auf vorläufige Studienergebnisse verwiesen, in denen die Erfolgsraten doppelt so hoch seien wie mit der konventionellen Insemination. In den entsprechenden Datenbanken lassen sich jedoch keine aktuellen Studien zu diesem Thema finden. Auf der Homepage des Herstellers wird „Clinical evidence“ erwähnt – also medizinische Beweise – der Link dazu landet jedoch auf einer Fehlerseite. Als jemand, der selbst mit Webseitenpflege zu tun hat, weiß ich, wie leicht so etwas passieren kann, aber ausgerechnet bei diesem Punkt bist das nicht unbedingt vertrauensfördernd.

Sucht man dann ein wenig länger, dann findet man doch noch Hinweise auf Studien. Dort finden sich 4 Grafiken. Wenn man jedoch genau hinsieht: 4x die selbe. Dort sieht man zwei Balken und der, unter dem „Evie“ steht, ist doppelt so hoch (17,5 Prozent) wie bei der „normalen Insemination. Hübsch, aber nichtssagend. Und schon gar keine „Evidenz“.

Literaturrecherche: Funktioniert es überhaupt?

Wenn man damit wirbt, bis zu 30 Prozent Schwangerschaftsraten zu erreichen, dann sollte man das auch belegen können. Welche Studien gibt es also? Es gibt exakt eine publizierte Studie aus dem Jahre 1992 (!), die den Charakter einer Studie hat (Prospektiv, Kontrolliert (cross-over)). Hier wurden 38 Frauen entweder mit einer langsamen Perfusion behandelt (nicht Evie, aber so ähnlich) oder mittels normaler Insemination. Mit der langsamen Insemination wurden hier doppelt so hohe Schwangerschaftsraten erzielt. Über statistische Signifikanz brauchen wir uns angesichts der niedrigen Fallzahl von 38 nicht weiter zu beschäftigen.

Was gibt es noch? Einen Artikel von 2014 über vorläufige Ergebnisse einer weiteren Vergleichsstudie:

[…] geben Anlass zur Hoffnung, dass mittels SRI die Schwangerschaftsraten nach IUI deutlich gesteigert werden könnten: So konnte nach 94 durchgeführten Zyklen bei Frauen unter 35 Jahren die Schwangerschaftsrate um den Faktor 2,2 bei Anwendung der SRI gesteigert werden, jedoch ist dieser Anstieg aufgrund der Fallzahl (noch) nicht signifikant. […] Selbstverständlich sind diese Zahlen nur vorsichtig zu interpretieren und unter dem Aspekt zu bewerten, dass bisher erst 154 der geplanten 500 Zyklen (250 SRI vs. 250 IUI) ausgewertet wurden.

Mit diesen Ergebnissen kann man höchstens belegen, dass Evie der normalen Insemination nicht unterlegen ist („Noninferiorität“),was ja auch nicht ganz unwichtig ist. Aber eine Verbesserung der Schwangerschaftsraten auf bis zu 30% ist nicht erkennbar. Der gleiche Autor gibt im Rahmen einer Werbebroschüre den Stand (Datum nicht angegeben) der vorläufigen Vergleichsstudie mit 154 behandelten Patientinnen an, was immer noch nicht ausreichend ist, um eine Aussage über die Methode machen zu können.

Hausaufgaben machen

In Anbetracht des Aufwands – warum das Gerät den Frauen mehr Freiheit gibt, habe ich nicht verstanden – der zusätzlichen Kosten von netto 200 Euro sollte man schon sehr sicher sein, auch einen positiven Effekt erwarten zu können. Nun ist es durchaus schlechte Tradition in der Reproduktionsmedizin, Zusatzleistungen anzubieten, deren Nutzen unbewiesen ist, aber das macht es auch in diesem Fall nicht besser. Eine gut gemachte und unabhängige Studie mit einer ausreichend großen Fallzahl ist für die klar umrissene Fragestellung nicht zu viel verlangt, wenn man anderer Leute Hoffnung und seinen eigenen Umsatz fördern möchte. Geplant scheint sie ja zu sein.

Muharib NS1, Abdel Gadir A, Shaw RW.
Slow release intrauterine insemination versus the bolus technique in the treatment of women with cervical mucus hostility.
Hum Reprod. 1992 Feb;7(2):227-9.


Franz M, Marschalek J
Slow-Release Intrauterine Insemination als neue Methode der IUI
Journal für Gynäkologische Endokrinologie 2014; 8 (2) (Ausgabe für Schweiz), 33-34

 



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Kommentar

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8 Kommentare

  1. Li Ripa schreibt

    oh mein Gott… irgendwann reichts auch…

  2. Ivonne Hartmann schreibt

    Hab mir jetzt nur das Bild und die Überschrift durchgelesen…..ist doch echt nicht deren ernst……sorry aber schon ein wenig schräg…..also irgendwo sollte auch mal Schluss sein…..Wer rennt denn mit so nem Ding die ganze zeit rum?

  3. Jessica Cörstges schreibt

    Was fürn schmarn wenn es der doc doch eh einsetzten muß….Dann kann man doch gleich die normale insimination machen

  4. Di Kora schreibt

    Nöööööö da wird über ein zeiteaum aufbereitetes soerma injiziert… chancen besser da eisprung besser einplanbar…. und wieso nicht? Haben von dem schonvor 1,5 j gelesesn in praxis

  5. Bella Limoncella schreibt

    Wenn das wirklich noch über aussagekräftige Studie signifikant bewiesen wird, dass die Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch ist finde ich wäre es schon ein Argument, die Pumpe zu benutzen. Mein Muttermund ist jedoch sehr empfindlich und die Insemination schmerzhaft, sodass ich mir das schon überlegen müsste, mir für mehrere Stunden einen Katheter einsetzen zu lasen. Aber unter einem Rock wäre die Pumpe ja gut zu verstecken.

  6. Bella Limoncella schreibt

    Wie geht man mit dem Ding eigentlich aufs Klo?

  7. Kinderwunsch-Forum schreibt

    Da der Katheter in der Gebärmutter ist und nicht in der Blase, sollte Wasserlassen kein Problem sein.