Insemination: Wie wichtig ist das Timing?

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Die intrauterine Insemination ist weiterhin eine häufig angewendete Behandlung und wird vor allem bei leicht eingeschränkter männlicher Fruchtbarkeit und zum Teil auch bei der sogenannten “idiopathischen” Unfruchtbarkeit (= ohne erkennbaren Grund) eingesetzt. Eine hormonelle Behandlung der Frau ist meist nicht zwingend notwendig, aber die Auslösung des Eisprungs wird zur Verbesserung des Timings und Stärkung der Gelbkörperphase meist durchgeführt.

Aber was ist das beste Timing?

Nach wie vor umstritten ist jedoch, welches der beste zeitliche Abstand zwischen der Auslösespritze und der Insemination ist. Manche Ärzte wählen die gleichen zeitlichen Abstände wie bei einer Reagenzglasbefruchtung, wo meist ca. 36 Stunden vor der Punktion (=Eizellentnahme) die Spritze zum Auslösen gegeben wird. Andere sind der Auffassung, dass die Spermien sich ruhig schon mal ein wenig im Eileiter (wo die Befruchtung stattfindet) “warmschwimmen” können und eine etwas längere Wartezeit auf die Eizelle keine Nachteile hat. In diesem Fall wird die Insemination meist ca 24 Stunden nach der hCG-Spritze durchgeführt. Der Vorteil hier: Da die Insemination vorzugsweise vor dem Eisprung stattfinden sollte, hat man hier noch ein wenig mehr Luft bis zu Eisprung.

Und was sagen die Studien?

Zunächst einmal eine aktuelle Studie, die sich mit dieser Frage beschäftigt [1]: Bei 280 Paaren wurde ein Inseminationsbehandlung wegen PCO-Syndrom und “idiopathischer” Sterilität durchgeführt. Es erfolgte jeweils eine Stimulation mit Clomifen und nach Erreichen einer Follikelgröße von mindestens 17 Millimetern wurde der Eisprung 24 oder 36 Stunden vor der Insemination ausgelöst.

Das Ergebnis deckt sich mit den persönlichen Erfahrungen: Es ergab sich kein Unterschied bezüglich der Schwangerschaftsraten, unabhängig von dem Zeitpunkt der hCG-Gabe.
stopwatch photo
Offenbar kommt es bei der Insemination nicht auf jede Sekunde an

Und was sagt die Cochrane Database zu diesem Thema

Wenig, wie so oft, da die Cochrane Database sehr strenge Kriterien anlegt, um eine Studie als beweisend für einen bestimmten Sachverhalt anzuerkennen. Mehr dazu steht in einem älteren Artikel dieser News.


In der letzten Übersichtsarbeit zu diesem Thema vom Dezember 2014 fand sich nur eine Studie, die das Timing von hCG-Gaben zum Auslösen des Eisprungs miteinander verglich (da Silva 2012 [3]) und den Einschlusskriterien der Cochrane Database genügte. Analog zur aktuellen Studie fand sich auch hier kein Unterschied bei Zeitintervallen bis zu 48 Stunden.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass man das Timing durchaus auch so gestalten kann, dass es der Terminplanung des Arztes (und selbstverständlich auch des Paares) entgegen kommt, ohne, dass man Sorge haben müsste, dass dies die Chancen auf eine Schwangerschaft mindert.


[1] Omer Hamid Yumusak,corresponding author Serkan Kahyaoglu, Meryem Kuru Pekcan, Esra Isci, Şebnem Ozyer, Mahmut Nedim Cicek, Yasemin Tasci, and Salim Erkaya
Which is the best intrauterine insemination timing choice following exogenous hCG administration during ovulation induction by using clomiphene citrate treatment? A retrospective study
Springerplus. 2016; 5(1): 1307.
Published online 2016 Aug 9. doi: 10.1186/s40064-016-2992-9
PMCID: PMC4978662

[2] Cantineau AE, Janssen MJ, Cohlen BJ, Allersma T
Synchronised approach for intrauterine insemination in subfertile couples.
Cochrane Database Syst Rev. 2014 Dec 21;(12):CD006942. doi: 10.1002/14651858.CD006942.pub3.

[3] da Silva ALB, Arbo E, Fanchin R. Early versus late hCG administration to trigger ovulation in mild stimulated IUI cycles: a randomized clinical trial. European Journal of Obstetrics & Gynecology and Reproductive Biology 2012;164:156-60.

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