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Impfung gegen Keuchhusten in der Schwangerschaft ist ungefährlich

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Eine Infektion mit „Pertussis“ (Keuchhusten) ist in der Schwangerschaft weniger problematisch als gegen Ende der Schwangerschaft. Infizierte Erwachsene können ungeimpfte Säuglinge oder unvollständig geimpfte Kinder anstecken. Für Säuglinge ist diese Erkrankung gefährlich und kann die Atemstillstand und bleibende Schäden verursachen oder sogar zum Tode führen. 50-70% der erkrankten Säuglinge werden von ihren Eltern oder Großeltern angesteckt.

Experten schätzen, dass Jahr für Jahr allein in Deutschland 110.000 Erwachsene an Keuchhusten erkranken, wobei allerdings die wenigsten wissen, dass sie Keuchhusten haben. Eine Impfung oder durchgemachte Infektion hat keine dauerhaften Immunschutz zur Folge.

Daher empfiehlt die ständige Impfkommission (STIKO) allen Frauen mit Kinderwunsch ihren Impfschutz gegen Pertussis regelmäßig alle 10 Jahre aufzufrischen.

Impfung in der Schwangerschaft?

Foto von theglobalpanorama
Der Keuchhusten ist erst nach der Geburt ein Problem für das Kind, dennoch stellt sich die Frage, was passiert, wenn man versehentlich in der Schwangerschaft impft. Zum Thema Röteln hatten wir das hier ja schon vor einiger Zeit klären können.

Das Problem: Die Impfung gegen Keuchhusten gibt es nur als Kombinationspräparat mit Diphterie und Tetanus. Inwieweit diese Dreifachimpfung ein Risiko in der Schwangerschaft darstellt, wurde in einer Studie der Zweitschrift „Human Vaccines & Immunotherapeutics“ veröffentlicht.

Ein Team von Wissenschaftlern der „University of Texas“ untersuchten den Verlauf von Schwangerschaften geimpfter (1.109)und nicht geimpfter Mütter (650) und verglichen die Ergebnisse der beiden Gruppen. In den untersuchten mütterlichen und kindlichen Faktoren zur Beurteilung der Gesundheit beider fand sich kein Unterschied in den beiden Studiengruppen. Studienleiterin Dr. Abbey B. Berenson fasst zusammen: „Die Ergebnisse unserer Studie belegen, dass die Impfung gegen Tetanus, Diphterie und Pertussis in der Schwangerschaft sicher für Mutter und Ungeborenes sind. Die Impfung vor oder auch während der Schwangerschaft ist wichtig, um Komplikationen mit diesen Erkrankungen nach der Geburt zu vermeiden.“

Amanda F. Dempseya, Sarah E. Brewera, Carter Sevicka, Jennifer Pyrzanowskia, Sara Mazzonib & Sean T. O’Learya
Tdap vaccine attitudes and utilization among pregnant women from a high-risk population
Human Vaccines & Immunotherapeutics Volume 12, Issue 4, 2016 pages 872-878

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Kommentar

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10 Kommentare
  1. […] Eine Impfung gegen Keuchhusten wird bei Frauen mit Kinderwunsch und Schwangeren angeraten. Jedoch gibt es dafür nur eine Dreifachkombination mit Diptherie und Tetanus. Dass auch dies in der Schwangerschaft verabreicht werden kann, zeigbte eine neue Studie, die wir in unseren Kinderwunsch-News hinterlegt haben. […]

  2. OSo schreibt

    Leider ist diese Information vielen Unfallchirurgen unbekannt, so daß sehr schnell gegen Tetanus simultan geimpft oder aufgefrischt wird, ohne vorher abzuklären, ob bei Frauen ein Kinderwunsch besteht bzw. eine SS in den nächsten Jahren geplant ist. Oder bei anderen Personen, wie der Impfstatus für Diphterie und Pertussis ist. Im Zweifelsfall wird gg. Tetanus geimpft. Wer weiß auch schon selbst, wann seine letzte Diohterie/Pertussis-Impfung war?! Tetanusauffrischung ist ja „nur“ alle 10 Jahre empfohlen. Neuere Untersuchungen gehen sogar davon aus, daß der Impfabstand auch noch länger sein könnte. Mir wurde deswegen kurz nach der SS, wegen erst 2 Jahre zurückliegender Tetanusimpfung von der 3-fach Kombi abgeraten.
    Auch in 2 versch. KiWu-Praxen wurde zwar der Rötelntiter kontrolliert. Jedoch weder Masern- noch Pertussis-Impfstatus gecheckt.
    Schade.

  3. Juliane schreibt

    Ich kenne zahlreiche Leute, die aufgrund genau dieser Information gar nicht mehr impfen. Gibt definitiv jede Menge Vorteile und Nachteile, alles eine Frage der Empfindung, denke ich.

  4. Heiko schreibt

    Meiner Frau wurde es Empfohlen sich Impfen zu lassen während der Schwangerschaft ich habe ihr persöhnlich davon abgeraten sie ist zu dem Zeitpunkt im 6. Monat gewesen. Wie Oben beschrieben sind viele langzeitfolgen einfach noch nicht bekannt und eine Impfung nach der Schwangerschaft ist auch mit weniger Risiko verbunden 🙂

  5. Elmar Breitbach schreibt

    @ Heiko: „Oben“ wurden die Ergebnisse wie folgt zusammengefasst: „Die Ergebnisse unserer Studie belegen, dass die Impfung gegen Tetanus, Diphterie und Pertussis in der Schwangerschaft sicher für Mutter und Ungeborenes sind. Die Impfung vor oder auch während der Schwangerschaft ist wichtig, um Komplikationen mit diesen Erkrankungen nach der Geburt zu vermeiden.“
    Über problematische Langzeitfolgen wurde „oben“ nicht berichtet, da es diese nicht gibt. Nach der Schwangerschaft ist es zu spät, wenn man an Keuchhusten erkrankt und das Kind ansteckt. Das würden Sie nicht erleben wollen und das Kind möglicherweise nicht überleben.

  6. Elmar Breitbach schreibt

    @Juliane: Eine Frage der Empfindung ist Impfen sicher nicht. Es gibt zumindest klare Antworten. Und die ist wissenschaftlich belegbar und steht oben. „Genau diese Information“ sollte ein guter Grund für eine Impfung sein.

  7. Julisonne schreibt

    Um die Impfzahlen bei denen die Impfen als „Frage der Empfindung“ sehen hochzutreiben hilft keine seriöse Studie, sondern eher so was: http://www.focus.de/familie/kinderkrankheiten/wegen-fehlender-impfung-baby-stirbt-an-keuchhusten-verzweifelte-mutter-ruft-zur-vorbeugung-auf_id_5805873.html
    Und dann die Empfehlung im Zweifel besser noch in der SS zu impfen und in den ersten 6 Monaten nur Leute mit nachgewiesenem Impfschutz an das Baby zu lassen :-).

  8. Elmar Breitbach schreibt

    Nun ja, eine Studie sollte schon auch helfen, um zu zeigen, wie unproblematisch eine Impfung in der Schwangerschaft ist. Aber die Information, wie gefährlich es ist, Keuchhusten in der Schwangerschaft oder zur Geburt zu bekommen, kann schon ebenfalls helfen 😉

  9. Julisonne schreibt

    das war Ironie, Herr Kollege. 🙂
    und jahrelange Erfahrung mit dem Impf-Bullshit-Bingo der Patienten. Im Zweifel überzeugt die dann der dramatische Einzelfallbericht auf RTL und leider nicht die Studie. Auch wenn es anders logisch und schöner wäre.

  10. Elmar Breitbach schreibt

    Ok. Bezüglich des Impfens verstehe ich halt keinen Spaß, noch nicht einmal Ironie.
    😉