Frühgeburt durch Antibiotika?

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Eigentlich sollen Antibiotika Fehlgeburten vermeiden helfen. Denn eine der häufigsten Ursachen für vorzeitige Entbindungen und Fehlgeburten sind Infektionen der Scheide. Wenn der Verdacht auf eine solche Infektion besteht, dann sollte normalerweise eine konsequente Behandlung dieser Infektionen erfolgen, um ein Aufsteigen der Keime zu verhindern. Denn die Bakterien können dann zu Kontraktionen der Gebärmutter und letztlich zur Fehl- oder Frühgeburt führen.

Aufgrund des Keimspektrums, welches solche Infektionen auslösen kann, ist Metronidazol ein häufig verwendetes Antibiotikum zur Beseitigung der Bakterien. Zumindest wenn es eingenommen wird, kann es aber auch das Gegenteil bewirken, wie eine aktuelle Studie zeigte.

Dazu wurden 900 Schwangerschaften von Frauen untersucht, die ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt aufwiesen. Bei diesen Frauen wurden in der 24. bis 27. Schwangerschaftswoche ein sogenannter Fibronectin-Test durchgeführt, welcher einen vorzeitigen Sprung der Fruchtblase anzeigt, aber auch eine Barrierestörung der Fruchthülle. War der Test positiv, dann wurden die Patientinnen entweder mit Metronidazol oral oder einem Plazebo behandelt.

Die Studie wurde wegen der schlechten Ergebnisse für das Antibiotikum vorzeitig abgebrochen. Von den 53 Frauen, die mit Metronidazol behandelt wurden, entbanden 11 (=21%) bereits vor der 30. Schwangerschaftswoche, während dies nur bei 5 von 46 (11%) in der Plazebogruppe geschah. Vor der 37. Woche entbanden 33 (62%) bzw. 18 (39%). Entbindungen vor der 37. Schwangerschaftswoche werden als Frühgeburten definiert.

Es ergab sich durch die orale Gabe des Metronidazol kein Vorteil für die so behandelten Patientinnen, die Ergebnisse legten sogar den Schluss nahe, dass die Behandlung kontraproduktiv ist. Der Studienleiter Andrew Shennan vom St. Thomas‘ Hospital in London rechnet vor, dass in Großbritannien bei 700 000 Geburten pro Jahr 1 000 Frühgeburten als Folge einer Metronidazolbehandlung auftreten können, legt man die aktuelle Geburtenraten, die Häufigkeit von Infektionen und die Ergebnisse der Studie zugrunde.


Man sollte aus diesen Ergebnissen nicht den Schluss ziehen, dass eine Antibiotikagabe im Falle einer vaginalen Infektion schädlich ist, denn auch in der Placebogruppe waren die Frühgeburtsraten ja nicht niedrig. Wichtig wäre daher, verträglichere und wirksamere Behandlungsmethoden einzusetzen, die darüber hinaus auch spezifisch auf das Keimspektrum ausgerichtet sein sollten. In Deutschland wird Metronidazol übrigens auch häufig eingesetzt, jedoch sehr häufig in Form einer Lokalbehandlung. Ob eine vaginale Gabe die Frühgeburtsrate ebenfalls erhöht, sollte Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.

Bei gefährdeten Patientinnen sollte bereits in der Frühschwangerschaft auch darauf geachtet werden, dass der physiologisch niedrige ph-Wert erhalten bleibt. Dies kann durch Unterstützung der physiologischen Scheidenflora mit Milchsäurebakterien erfolgen, die in lyophilisierter Form als Scheidenzäpfchen erhältlich sind. Leider werden diese nicht von der Krankenkasse bezahlt.

Shennan A, Crawshaw S, Briley A, Hawken J, Seed P, Jones G, Poston L
A randomised controlled trial of metronidazole for the prevention of preterm birth in women positive for cervicovaginal fetal fibronectin: the PREMET Study.
BJOG. 2006 Jan;113(1):65-74.



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1 Kommentar

  1. Iris schreibt

    Hallo,
    mein Name ist Iris und ich bin 37 Jahre. Ich habe eine Tochter ( 3 Jahre).
    Leider hatte ich innerhalb von einem halben Jahr zwei Fehlgeburten ( in der 8. Woche). Meine Frage ist: Bei der Zeugung hatte mein Mann beide male eine Prostatitis. Kann es sein, dass er irgendwelche Bakterien übertragen hat die zur einen Abgang führten?
    Würde mich über eine Antwort freuen.
    Gruß Iris