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Der unerfüllte Kinderwunsch ist nicht immer dadurch verursacht, dass die Frau nicht schwanger wird, sondern nicht selten auch durch wiederholte Fehlgeburten (habituelle Aborte).
Lothar Heilmann, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Rüsselsheim schätzt die Zahl der betroffenen Frauen auf ca. 40.000. In einem Interview mit dem Rheinischen Merkur weist er darauf hin, dass nach Ausschluss anderer Faktoren (Myome, Genetik, Gerinnung, Infektionen) die Immunologie (Körperabwehr) im Vordergrund steht. Ein zu schwaches Immunsystem kann ein Problem sein, wenn es die Schwangerschaft nicht als solche erkennt:
„Das Erkennen des Embryos als ,fremd’ führt dazu, dass der Organismus der werdenden Mutter spezielle Antikörper bildet, die sich an das embryonale Gewebe binden und es schützend umgeben“, erklärt Heilmann. So wird es vor dem Angriff mütterlicher Abwehrzellen abgeschirmt. Doch bei manchen Frauen reagiert das Immunsystem zu schwach, wohl deshalb, weil die Zellen der Eltern zu ähnlich sind und das mütterliche Immunsystem die väterlichen Anteile des Embryos nicht als fremd erkennt. Daher kommt eine ausreichende Produktion dieser schützenden Antikörper nicht in Gang. „Studien zeigen, dass ohne sie das Risiko einer Fehlgeburt klar erhöht ist“, so Heilmann
Auch ein überreagierendes Immunsystem kann zum Absterben der Schwangerschaft führen:
Dann erhöht sich die Zahl der natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) im Blut der Mutter stark. Diese weißen Blutkörperchen sind darauf spezialisiert, fremde Zellen aufzuspüren und sie zu töten. Ob es sich um schützenswertes neues Leben handelt, das können diese Zellen nicht erkennen. „Die Konzentration der NK-Zellen im Blut liegt durchschnittlich bei etwa drei Prozent. Bei Werten über zwölf Prozent steigt das Fehlgeburtsrisiko um das Dreifache“, weiß Heilmann.
Heilmann weist auch darauf hin, dass die Behandlungen dieser Störungen und auch des Antiphospholipid-Syndroms hinsichtlich ihrer Effektivität nicht ausreichend geprüft wurden oder ihre Wirksamkeit in entsprechenden Studien nicht hinreichend beweisen konnten. Diese Studien haben aber oft das grundsätzliche Problem der schlechten Vergleichbarkeit der Daten, da die dort untersuchten Patientengruppen zu unterschiedlich waren. Die individuelle und gezielte Therapie sollte das Ziel der Behandlung sein und ganz wichtig ist selbstverständlich auch der Ausschluss anderer denkbarer Abortursachen, bevor man mit einer Therapie der immunologischen Störungen beginnt.
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