Im Winter sind Männer fruchtbarer

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In Anbetracht des gefühlt wohl längsten Winters dieses Jahrtausends stellen sich zwei Fragen: 1. Wird der Winter je aufhören oder müssen wir alle bald jämmerlich erfrieren? 2. Hat es einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit?

Es liegt nahe, dass in diesem Blog nur die zweite Frage beantwortet wird. Für die erste mag der Hinweis reichen, dass am nächsten Wochenende die Sommerzeit beginnt. Ja, echt jetzt.

Gibt es saisonale Unterschiede in der Fruchtbarkeit?

Naheliegend wäre es ja. Viele Tiere pflanzen sich jahreszeitabhängig fort, gesteuert wird dies jedoch durch die Häufigkeit der Eisprünge bei diesen Spezies. Beim Menschen treten die Eisprünge jedoch unabhängig von der Jahreszeit auf. Und jahreszeitliche Unterschiede der weiblichen Fruchtbarkeit sind nicht bekannt. Was ist jedoch mit der Zeugungsfähigkeit der Männer? Eine israelische Arbeitsgruppe versuchte diese Frage zu beantworten.

Dazu wurden in einem dreijährigen Zeitraum 6.455 Spermienproben untersucht. Knapp 5.000 der Proben wiesen einen Normalbefund auf, bei knapp 1.500 konnten Einschränkungen der Fruchtbarkeit nachgewiesen werden.

Saisonale Veränderungen unterschiedlich und abhängig von der Fruchtbarkeit

Bei den Männern mit einem normalen Spermienbefund, konnte man in den Wintermonaten einen Peak erkennen. Zahl und Beweglichkeit sanken vom Frühjahr zu Sommer und Herbst signifikant ab, um sich in den Wintermonaten wieder zu erholen.


Bei Männern, die eine verminderte Fruchtbarkeit aufwiesen, zeigte sich ein anderes Muster. Hier konnte im Herbst eine bessere Beweglichkeit gefunden werden, die Morphologie (Aussehen) der Spermien änderte sich im Frühjahr zum positiven.

Interessante Beobachtungen. Aber was sagt uns das? Und vor allem: Ist das auch nur im geringsten von Interesse für Paare mit Kinderwunsch? Der Leiter der Studie ist davon überzeugt: „Daher sei auch die Wahrscheinlichkeit, im Winter und Frühjahr schwanger zu werden, höher“, schließt Eliahu Levitas aus den Ergebnissen. Kann er das wirklich?

Die in den Studien festgestellten Änderungen der Spermienparameter sind zwar statistisch (=mathematisch) signifikant, man sollte jedoch die Frage stellen, ob dies einen ebenso signifikanten Einfluss auf die männliche Zeugungsfähigkeit hat. Aufgrund der hohen Zahl der Spermiogramme bedurfte es nämlich keiner so großen Änderung für eine statistische Signifikanz: Die Konzentration der Spermien pro Milliliter sank von winters 70 Millionen auf 68 Millionen im Sommer.

Das Bauchgefühl lässt einen zweifeln, dass dieser geringe Unterschied irgendetwas bewirken könnte. Diese Zweifel werden bestätigt, wenn man sich das, was Spermien tun sollten, nämlich befruchten, mal im jahreszeitlichem Verlauf ansieht.

Schweizer Kollegen haben dies ausführlich getan und die Erfolgsraten bei IVF in Abhängigkeit von den Jahreszeiten untersucht. Es gab keine Unterschiede und insbesondere die Befruchtungsrate der Eizellen änderte sich im Jahresverlauf nicht.

Ob also die Schlussfolgerung der Autoren der Studie – sie empfehlen vor allem im Herbst und Frühjahr eine Schwangerschaft anzustreben, wenn des Spermiogramm auffällig ist – wirklich von „größter Bedeutung ist“, ist fraglich. Ebenso übrigens für die Geburtenverteilung bei der Gesamtbevölkerung über Jahr gesehen. Hier scheinen eher Modetrends zu greifen, wie in den letzten 25 Jahren der Wunsch, ein „Sommerkind“ zu bekommen, während davor die geburtenstärksten Jahrgänge im Frühjahr lagen.

Levitas E, Lunenfeld E, Weisz N, Friger M, Har-Vardi I.
Seasonal variations of human sperm cells among 6455 semen samples: a plausible explanation of a seasonal birth pattern.
Am J Obstet Gynecol. 2013 Feb 8. pii: S0002-9378(13)00146-4. doi: 10.1016/j.ajog.2013.02.010. [Epub ahead of print]



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Kommentar

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5 Kommentare

  1. Grinsekaetzchen schreibt

    Also wir hatten unseren Glückstreffer mit OAT III letztes Jahr im April – also eindeutig bewiesen 😉

  2. Anna67 schreibt

    Treffer im März und September. Hmm.. das passt.
    Wird wieder Zeit, Frühling. FALLS der Winter mal zuende geht…
    Und dieses Mal bitte ein 40-Wochen-Treffer!

  3. Tigerin schreibt

    Gibt es in Israel eigentlich einen Winter, der als solcher zu erkennen wäre?

  4. Elmar Breitbach schreibt

    @ Tigerin: Genau das habe ich mir auch noch gedacht, aber ich wollte nun nicht noch einen Anlass geben, die Studie komplett in die Tonne zu treten 😉

  5. atonne schreibt

    Tja, da der Mensch ja nachweislich aus Afrika (und zwar irgendwo aus der Mitte) stammt, wo es definitiv keinen Winter gibt und sowieso nur geringe jahreszeitliche Abweichungen (Regenzeit / Nichtregenzeit), kann ich mir kaum vorstellen, dass es da wirklich Unterschiede geben sollte.