Hydrosalpinx: Schadet die Entfernung der Eileiter vor IVF?

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Eine häufiger Grund für die Durchführung einer künstlichen Befruchtung (IVF) sind verschlossene Eileiter. Sind diese Eileiter endständig verschlossen, dann können sie sich mit Flüssigkeit füllen (Hydrosalpinx oder Sactosalpinx). Diese Flüssigkeit kann dann – wenn die Enden verschlossen sind – nur in Richtung der Gebärmutter ablaufen und man geht davon aus, dass dadurch die Einnistung eines Embryos behindert werden kann. Aber nicht alleine die zurücklaufende Flüssigkeit vermindert die Chancen auf eine Schwangerschaft, sondern auch Zytokine spielen eine Rolle. Zytokine sind eine Gruppe von Eiweißstoffen, die vor allem das Wachstum und Differenzierung von Zielzellen reguliert. Sie werden dementsprechend als Wachstumsfaktoren bezeichnet. Viele Zytokine spielen außerdem eine wichtige Rolle für immunologische Reaktionen. Einen negativen Einfluss hat z. B. der Tumor-Nekrosefaktor alpha einen nachgewiesenermaßen positiven Einfluss auf die Einnistung ist der leukaemia inhibitory factor (LIF), wie es bereits hier vor geraumer Zeit erläutert wurde.

Vor bereits 10 Jahren (wie schnell die Zeit vergeht) hatte ich hier einen ausführlichen Artikel eingestellt, der mögliche Vorgehensweisen zur Behebung des Problems der flüssigkeitsgefüllten Eileiter zusammenfasste. Kurz gesagt, sind es vier Optionen:
Entweder

  1. macht man nichts
  2. punktiert den Eileiter und saugt die Flüssigkeit ab
  3. Verschließt den Eileiter in Richtung Gebärmutter (und eröffnet ihn großzügig in Richtung Bauchraum)
  4. Entfernt den/die Eileiter komplett
Hydrosalpinx
Auf diesem Bild erkennt man rechts die Gebärmutter und links, durch eine Umrißlinie markiert, den Eileiter wie es sich bei einer Bauchspiegelung darstellen würde. An seinem verschlossenen Ende erkennt man eine kleine Narbe, an der die Fimbrien zusammengewachsen sind. Der Eileiter ist durch die Flüssigkeit in seinem Inneren etwas verdickt.

Entfernung der Eileiter oder Verschluss angeraten

Eine systematische Analyse von Studien zu diesem Thema [1] ergab einen signifikanten Vorteil für die Patientinnen, deren Eileiter entfernt oder zumindest in Richtung Gebärmutter verschlossen wurden. Diese Daten waren und sind überzeugend, so dass diese Maßnahme auch zunehmend häufiger durchgeführt wurde. Es scheint aber auch Nachteile zu geben, wie eine weitere aktuelle Erhebung der Literatur zu diesem Thema zeigt [2]. Unter der Annahme, dass bei den Operationen am Eileiter auch Gefäße geschädigt werden können, welche die Eierstöcke versorgen, wurde der Frage nachgegangen, inwieweit die Reaktion der Ovarien auf Hormongaben nach einem solchen Eingriff leidet bis hin zur Verminderung in pathologische Bereiche (Low oder poor response).

Verminderung der Eierstocksfunktion?

25 Studien wurden dazu ausgewertet. Darin enthalten waren 1.935 Patientinnen, denen die flüssigkeitsgefüllten Eileiter entfernt wurden und 2.893, bei denen sie belassen wurden. Die Studienergebnisse zeigten einen signifikanten und negativen Einfluss der Eileiterentfernung auf das Ergebnis der Stimulation. Die Zahl der bei den IVF-Zyklen gewonnene Eizellen sank und die Dosis der Hormone war durchschnittlich höher – auch wenn nur ein Eileiter entfernt werden musste.

Interessant war auch der seitenbezogene Effekt bei einseitiger Eileiterentfernung: Auf der betroffenen Seite war die Reaktion der Eierstöcke auf die Hormone signifikant niedriger, was die Vermutung zulässt, dass die Operation durch eine Verminderung der Durchblutung einen negativen Einfluss auf die Funktion der Ovarien haben kann.


Auch wenn die Entfernung der Eileiter in solchen Fällen sinnvoll ist, so sollte man bei Frauen mit einem schlechten AMH-Wert und/oder anderen Hinweisen auf eine verminderte Eierstock-Reserve eher zurückhaltend sein und ggf. auch eine der oben genannten ALternativen vorziehen.

[1] Johnson N, van Voorst S, Sowter MC, Strandell A, Mol BW
Surgical treatment for tubal disease in women due to undergo in vitro fertilisation.
Cochrane Database Syst Rev. 2010 Jan 20;(1):CD002125. doi: 10.1002/14651858.CD002125.pub3.

[2] Fan M, Ma L
Effect of salpingectomy on ovarian response to hyperstimulation during in vitro fertilization: a meta-analysis.
Fertil Steril. 2016 Aug;106(2):322-329.e9. doi: 10.1016/j.fertnstert.2016.03.053. Epub 2016 Apr 22.



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Kommentar

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1 Kommentar

  1. Anne schreibt

    Kann ich alles 100% so unterschreiben! Seit 2010 keinen linken Eileiter mehr. ICSIs 2012 und 2014 rechter Eierstock besser auf Stimulation angesprochen als der linke. ICSI Anfang 2016 Abbruch da keine Reaktion des linken Eierstocks. Danach Entfernung des rechten Eileiters wegen Hydrosalpinx. Neue ICSI 2016 ohne Eileiter und LEICHT höherer Stimulation, beide Eierstöcke angesprochen (linker wieder zögerlich)…ABER: positiv. Ich ärgere mich, dass ich die Entfernung des rechten Eileiters nicht eher angesprochen habe…es hätte mir viel Kummer erspart.
    Liebe Grüße