Hohes FSH: Bei jungen Frauen trotzdem gute Eizellen

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Studien, die sich mit dem Zusammenhang zwischen einem erhöhten FSH-Wert im Blut und dem Ausgang einer künstlichen Befruchtung beschäftigen kommen in den meisten Fällen zu dem Schluss, dass der Anstieg des FSH-Spiegels im Blut zu schlechteren Schwangerschaftsraten führt.

Warum ist das so? Ist das wirklich so?

Ein erhöhter FSH-Wert lässt darauf schließen, dass die Funktion der Eierstöcke nachlässt und die Reaktion auf eine hormonelle Stimulation ebenfalls geringer wird. Der Extremfall ist bei den vorzeitigen Wechseljahren vorhanden, wo die Eierstöcke ihre Tätigkeit vorzeitig vollständig einstellen und auch mit Hormongaben eine Eizellbildung nicht mehr auftritt.

Eine Zwischenstufe stellen Frauen dar, deren Eierstöcke nur eine verminderte Eizellreifung aufweist. sie werden als „Low Responderinnen“ bezeichnet aufgrund der geringen „Antwort“ der Ovarien auf die Hormongaben.

Dies führt dann zu einer geringen Eizellausbeute und gesamt betrachtet zu einer schlechteren Schwangerschaftsrate. Betrachtet man diese verläufe jedoch differenzierter, dann fällt auf, dass die Aussage, ein hoher FSH-Wert führt zu einer schlechten Erfolgsrate bei einer IVF, so pauschal nicht gehalten werden kann, wie auch eine aktuelle Studie bestätigt.

Einer der Hauptgründe für einen erhöhten FSH-Wert ist das Alter. Betrachtet man also alle Frauen mit einem hohen FSH-Wert, dann hat man bei diesen Untersuchungen natürlich einen recht hohen Altersdurchschnitt und daraus ergibt sich eine niedrige Schwangerschaftsrate.

Eine französische Gruppe von Wissenschaftlern untersuchte zur Klärung des Zusammenhangs zwischen IVF, Alter und FSH-Wert 3.592 Behandlungszyklen, was ja schon mal eine ordentliche Anzahl ist.

Steigt die Gefahr von Fehlgeburten bei Vorliegen eines hohen FSH-Spiegels?

Nein: Untersucht man die Zahl an Fehlgeburten in den verschiedenen Altersgruppen, dann kommt es bei höheren Werten für dieses Hormon nicht zu einem Anstieg der Fehlgeburtsrate im Vergleich zu Frauen mit einem normalen FSH-Spiegel.

Gibt es einen altersunabhängigen Einfluss des FSH auf die Schwangerschaftsraten?

Jein: Die geringere Anzahl von Eizellen hat einen geringen negativen Einfluss auf die Erfolgsraten, da die Selektion der richtigen Eizellen nicht mehr in dem gewünschten Ausmaß möglich ist. Jedoch werden bei jüngeren Frauen (<38 Jahre) gute Erfolgsraten auch bei hohen FSH-Werten erzielt, wenn wenige Eizellen gewonnen werden können. Deutlich niedriger werden sie jedoch bei Frauen oberhalb dieser Altersgrenze.

Was ist wichtiger: FSH-Werte oder Alter?

Eindeutig: Das Alter. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass junge Frauen mit wenigen Eizellen und hohen FSH-Werten bessere Chancen auf eine Schwangerschaft haben als ältere Frauen mit normalen Hormonwerten.

Zusammenfassung

Die Studie bestätigt (im Durchschnitt aller untersuchten Behandlungen) die Ergebnisse anderer Untersuchungen, dass ein hoher FSH-Spiegel im Blut die Chancen für eine erfolgreiche IVF-Behandlung vermindert.

Das FSH ist ein Qualitätsmerkmal für die Quantität der Eizellen, die bei einer hormonellen Stimulation gewonnen werden können, das Alter beeinflusst unabhängig davon jedoch die Qualität der Eizellen.

Es ist also weniger ein Unterschied der Zahl als der Qualität, welche sich aus der „Response“ auf die Hormonstimulation ergibt und daher ist kann jungen Frauen trotz erhöhter FSH-Werte durchaus zu einer IVF-Behandlung geraten werden.

Aubriot FX, Chapron C
FSH and IVF management: The best and worst case scenarios.
Gynecol Obstet Fertil. 2008 Jun 4. [Epub ahead of print]



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Kommentar

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7 Kommentare

  1. tintenklecks schreibt

    Das lese ich gerne! Dann verhält es sich mit der Anzahl der gewonnenen Eizellen wiederum wie mit der Erziehung von Kindern: Nicht Quantität sondern Qualität zählt.

    Interessant fände ich allerdings auch eine Untersuchung der Rezeptorsensitivität am Ovar. Wohlmöglich liegt der hohe FSH-Spiegel bei jüngeren Frauen gar nicht in jedem Fall an einer reduzierten ovariellen Reserve sondern an einer mangelhaften Sensitivität am Rezeptor (wie es z. B. auch im Gehirnstoffwechsel möglich scheint, meine Laienvorstellung, naja)? Wäre das vorstellbar?

  2. E. Breitbach schreibt

    @tintenklecks: Das ist nicht nur vorstellbar, sondern es gibt solche Fälle nachweislich, wobei sich dadurch gegenwärtig zumindest keine keine konkrete Therapieoption ergibt

  3. LN schreibt

    Das ist ein positiver Blick in die Zukunft! Ich bin 25 und mein FSH Wert ist seit 2002 sehr hoch (58). Dann gibt es also noch Hoffnung fuer mich!

  4. Haben low responder häufiger Fehlgeburten?

    […] Da dieses Phänomen häufiger bei “älteren Frauen” auftritt, steigt auch die Rate an Fehlgeburten und die Schwangerschaftsraten sinken. Jedoch kann man das nicht über einen Kamm scheren, da auch jüngere Frauen von dieser low response betroffen sein können und es wurde schon vor einiger Zeit nachgewiesen, dass die üblicherweise erhöhten FSH-Werte bei diesen Frauen keinen direkten negativen Einfluss auf die Erfolgsraten und Embryonenqualität haben, sondern dieses Phänomen lediglich vom Alter abhängig ist. Ausführlich wird darauf in einem anderen Artikel des letzten Jahres eingegangen. […]

  5. selene17 schreibt

    Guten Tag Herr Dr. Breitbach.

    Es wurde hier zwar schon lange nichts geschrieben, aber ich versuche mein Glück trotzdem.
    Ich bemühe mich so kurz wie möglich zu fassen, trotzdem muss ich etwas zu meiner Vorgeschichte sagen.
    Ich habe folgendes Problem.
    Im Mai 2002 wurde ich wegen Endometriose IV operiert. Es wurden unter anderem der linke Eierstock entfernt der mit der Beckenwand verbacken war, ein Stück Dickdarm, Herde am Blasendach und eine Zyste am rechten Eierstock (etc.). Therapie war DepoProvera. Ich bekam die Spritze alle 10 bis 11 Wochen während 7 Jahren.
    Anfang 2008 bekam ich akuten Kinderwunsch nachdem ich meinen Partner gefunden hatte. Im Nov. 2009 wurde ich spontan schwanger mit unterstützung der 2. Zyklushälfte durch Duphaston. Mein Sohn wurde im August 2010 geboren.
    Da ich Jahrgang 1973 bin wollte ich nicht zu viel Zeit verstreichen lassen für ein Geschwister und wurde im Mai 2011 sofort wieder schwanger, leider hat es sich nicht weiter entwickelt und ich hatte in der 6. Woche einen Abort. Das selbe nochmals im September. Danach ist nichts mehr passiert. Ich bin auch immer wieder zu meinem FA gegangen und er meinte es liege einfach am Alter und ich müsse Geduld haben meine Zyklen (NFP) schauen ja gut aus. Nachdem ich seit diesem Sommer schon zwei anovulatorische Zyklen hatte habe ich zu einen Hormonstatus gedrängt. Mein FSH ist bei 17,4 U/l das AMH bei 0,1 µg/l und das E2 bei 90 pmol/l.
    Ich war wirklich sehr geschockt als mir mein FA dann sehr direkt sagte dass ich auf keinen FAll mehr Eisprünge hätte und dass nächstens die Menstruation ausbleiben würde. Die einzige Möglichkeit nochmals SS zu werde hätte ich mittels Eizellspende. Er könne nur noch die Symptome behandeln.
    Ich bin nun doch etwas verzweifelt und kann das einfach nicht glauben. Jetzt hatte ich wieder 2 Zyklen nach einander einen ES. Können denn die Eizellen wegen des hohen FSH nicht befruchtet werden?
    Ich werde aber noch eine 2. Meinung einholen, aber weil die KiWu Praxen so hoffnungslos ausgebucht sind und ich einfach kein Zeit mehr habe gehe ich im Kantonsspital zum Gespräch und hoffe dass sie dort genügend Erfahrung haben. Zu meinem FA will ich nicht nochmals gehen.
    Es geht mir nicht darum zu erfahren ob eine ISCS/IVF möglich sind sondern eine spontane SS.
    Hoffentlich können sie mir mit ihrer grossen Erfahrung auf dem Gebiet etwas dazu sagen.

    Vielen Dank!
    Mit liebem Gruss
    Selene

  6. Elmar Breitbach schreibt

    Da überbewertet Ihr Frauenarzt die Aussagefähigkeit des AMH ein wenig. Es kann durchaus sein, dass es sich wirklich so entwickelt, jedoch ist es auch möglich, dass Sie noch eine ganze weile Eisprünge haben werden. Er hat Recht mit der Annahme, dass Sie vermutlich früher in die Wechseljahre kommen werden als der Durchschnitt der Frauen, aber genaue Prognosen lassen sich aus diesem Wert nicht erstellen

  7. selene17 schreibt

    Ich poste mal hier weiter weil ich ja auch hier angefangen habe obwohl sich die Themen überschneiden bezgl. FSH/AMH.
    Heute hatte ich ein Geschpräch für eine 2. Meinung. Eisprünge kann ich wohl noch haben jedoch würden ziemlich sicher keine Eizellen mehr heranreifen. Also ist definitiv nichts mehr zu machen laut dieser Ärzte.
    Ich frage mich trotzdem ob nicht noch irgend eine Eizelle heranreifen kann und dies eventuell mit Clomifen zu unterstützen wäre?