Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

HMG oder FSH: Beides besser

0

Die Frage, welche Medikamente bei der künstlichen Befruchtung besser wirken, wird seit Jahren schon heftig diskutiert. Neben dem Clomifen, welches als Tablette verabreicht wird, gibt es sogenannte Gonadotropine, welche als Spritzen gegeben werden müssen. Bei der künstlichen Befruchtung kommen meist die letzteren zum Einsatz.

Bei diesen Spritzenpräparaten gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Arten:

  • Die gentechnisch hergestellten FSH-Präparate (r-FSH), welche das Follikelstimulierende Hormon in reiner Form anthalten (Puregon und GonalF sind die beiden Präparate).
  • Humanes Menopausen Gonadotropin (hMG), welches aus dem Urin von Frauen in den Wechseljahren hergestellt wird, die hohe Blutspiegel des FSH aufweisen und mit dem Urin ausscheiden. Hier gibt es das hochgereinigte Menogon HP und das einfache Menogon. Dieses enthält auch LH, das eisprungauslösende Hormon.

Und welche Präparategruppe ist nun besser? Wie schon in der Überschrift gesagt: Beide.

In der Ärztezeitung erschien ein Artikel am 20.4.2005 ein Artikel, in dem der Reproduktionsmediziner Dr. Michael Ludwig eine Studie vorstellte. Er hatte dazu auf die Daten des deutschen IVF-Registers aus dem Jahr 2002 zugegriffen (24 764 Zyklen). Alle Zahlen finden Sie unter dem oben genannten Link, hier nur die wichtigsten Aussagen:

  • Mit 16,9 versus 14,5 Prozent war die Geburtenrate pro Zyklus unter r-hFSH signifikant höher als unter hMG. Der relative Unterschied betrug hier immerhin 16,6 Prozent.
  • Pro Schwangerschaft oder pro Geburt waren im Schnitt 150 oder 245,3 Ampullen u-hMG oder aber nur 116,8 beziehungsweise 175,8 Ampullen r-hFSH erforderlich.
  • Und obwohl mit einem durchschnittlichen Apothekenverkaufspreis von 42,17 versus 33,70 Euro pro Ampulle das rekombinante Präparat deutlich teuerer erscheint als das urinäre, erwies es sich dank des reduzierten Bedarfs in der Praxis dann doch als die kostengünstigere Alternative.

Vorgestellt wurden die Daten auf einer Pressekonferenz der Firma Serono (Gonal F) in München.

Der Kollege Peter Platteau aus Brüssel kommt zu anderen Ergebnissen (bei anderen Patientinnen). In der sogenannten EISG (European and Isreali Study Group) wurden in verschiedenen Zentren die Ergebnisse bei IVF und ICSI in Abhängigkeit von der Stimulation mit hMG oder r-FSH untersucht. Dabei waren die Ergebnisse im wesentlichen identisch (Diapositiv aus dem Vortrag). Interessant war für Platteau aber das Ergebnis einer Subanalyse, in der die Rate an fortschreitenden Schwangerschaften bei der IVF mit 31% gegenüber 20% bei Vorbehandlung mit hMG deutlich besser war, wohingegen sich bei der ICSI kein Unterschied zeigte. (Alle Dias finden Sie hier)

Platteau erklärt diesen Effekt mit dem LH, welches im hMG enthalten ist. Joseph Neulen vom Klinikum Aachen erklärt dies durch die Tatsache, das LH und hCG (=Schwangerschaftshormon) sich an vielen Stellen des weiblichen Genitals finden. LH löst also nicht nur den Eisprung aus, sondern hat offenbar auch eine Wirkung auf andere Abläufe bei der Embryonalentwicklung und der Einnistung.

Womit jedoch nicht geklärt wäre, wieso bei der ICSI kein Unterschied in Abhängigkeit von der Medikation besteht. Erklärungsversuche beziehen sich auf die fehlenden Hüllzellen (Granulosazellen) der Eizelle, welche bei der ICSI abpräpariert werden, bei der IVF jedoch nicht.

Diese Daten wurden auf dem Ferring-Forum in Hamburg (3/05) präsentiert. Ferring stellt Menogon HP her.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich steht es jeder Pharmafirma zu, ihr zuträgliche Forschungsergbnisse prominent an die die Presse und die Öffentlichkeit zu bringen. Wichtig ist nur eine möglichst objektive Haltung der Ärzte. Was manchmal schwierig sein kann….wohl auch für die Presse, wenn man dort lesen kann, dass „XXX-Präparate zunehmend von YYY-Präparaten verdrängt“ werden. Und das nicht als direktes Zitat, sondern als prominenter Text unter der Überschrift.


Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.