Herz-Kreislauf Erkrankungen häufiger nach Kinderwunschbehandlung

Hormonbehandlungen scheinen mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen einherzugehen

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Eine Behandlung wegen eines unerfüllten Kinderwunschs geht zu Herzen. Und für manche Frauen gilt dies leider wortwörtlich. Eine erfolglose künstliche Befruchtung erhöht das Risiko für Herz Kreislauf Erkrankungen.

Neben den Erfolgsraten einer Behandlung sind für die Patienten auch immer die möglichen Nebenwirkungen von Bedeutung. Eine davon untersuchte die INFERTILE Studie1)Failure of fertility therapy and subsequent adverse cardiovascular events Jacob A. Udell, Hong Lu, PhD, Donald A. Redelmeier
CMAJ March 13, 2017 vol. 189 no. 10 doi: 10.1503/cmaj.160744
 (steht für „Investigation of Notable Failed Endeavours at Reproductive Treatment and Ischemic Long-term Events„) aus Kanada. In dieser Studie wurden die Daten von mehr als 28.000 Frauen analysiert, die sich zwischen 1993 und 2011 in der kanadischen Provinz Ontario einer IVF unterzogen hatten.

Mehr Herz Kreislauf Erkrankungen?

Ja und nein. Das Risiko war erhöht, wenn eine Frau Hormone für eine künstliche Befruchtung erhielt und dadurch nicht schwanger wurde. Dann war das Risiko, an einer Erkrankung des Gefäßssytems zu erkranken im 19% höher als bei den Frauen, die schwanger wurden.

Wir fanden heraus, dass die zwei Drittel der Frauen, die nicht schwanger wurden, auf Dauer ein höheres Risiko für Herz Kreislauf Erkrankungen aufwiesen, insbesondere für Schlaganfälle und Herzschwäche, verglichen mit jeden Frauen, die ein Kind zur Welt brachten“ sagte Dr. Jacob Udell, der Hauptautor der Studie und Wissenschaftler am Institut für „Clinical Evaluative Sciences (ICES)“.

Die absoluten Zahlen waren jedoch sehr gering: Nach Geburt eines Kindes betrafen die Herz Kreislauf Erkrankungen 6 von 1000 Frauen, ohne Schwangerschaft waren 9 von 1000 Frauen betroffen.


herz kreislauf erkrankungen und Hormonbehandlungen
Failure of fertility therapy and subsequent adverse cardiovascular events Jacob A. Udell,, Hong Lu, PhD, Donald A. Redelmeier CMAJ March 13, 2017 vol. 189 no. 10 doi: 10.1503/cmaj.160744

War die Zahl der Behandlungszyklen von Bedeutung?

Der einzige Faktor, der das Auftreten von Herz Kreislauf Erkrankungen beeinflusste, war der Erfolg der Behandlung. Weder die verabreichten Hormondosierungen noch die Zahl der Behandlungszyklen war von Bedeutung.

Verursachte die Hormonbehandlung die Kardiovaskulären Erkrankungen?

Da die Zahl der Behandlungszyklen keine Rolle spielte, ist davon auszugehen, dass die Hormongaben nicht das Problem waren. Leider fehlt in der Studie eine Kontrollgruppe, oder besser noch zwei: Unfruchtbare Frauen ohne Hormontherapie und Frauen mit Kindern ohne Hormontherapie. Ohne diese Kontrollen kann man nur spekulieren.

Da der Hauptunterschied jedoch der Eintritt einer Schwangerschaft war, ist auch davon auszugehen, dass in der Gruppe der Frauen ohne Therpaieerfolg bestimmte Faktoren häufiger auftraten: Exemplarisch sei hier Übergewicht und Nikotinkonsum genannt: Beide Faktoren verschlechtern die Chance auf eine Schwangerschaft und erhöhen die Risiken für eine Herz Kreislauf Erkrankung. Theoretisch ist daher denkbar, dass nicht die Hormonbehandlung, sondern die Fertilitätsstörung selbst für den Risikoanstieg verantwortlich ist. Vermutlich bringen also die Patientinnen die Risiken in die Therapie mit und die Folgeschäden sind nicht durch die Hormongaben hervorgerufen.



Literatur   [ + ]

1. Failure of fertility therapy and subsequent adverse cardiovascular events Jacob A. Udell, Hong Lu, PhD, Donald A. Redelmeier
CMAJ March 13, 2017 vol. 189 no. 10 doi: 10.1503/cmaj.160744

Kommentar

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7 Kommentare

  1. Berliner Patientin schreibt

    Mich würde interessieren, ob in der Studie die Blutgerinnungsstörungen untersucht wurden. Denn es sieht wieder mal so aus, als würden genau diese nicht untersucht – Frau wird dann halt nicht schwanger, dafür bekommt sie später aber einen Schlaganfall oder Herzinfarkt.
    Die, die doch schwanger wurden ohne Herzinfarkt/Schlaganfall, hatten vermutlich keine sich auswirkende Blutgerinnungsstörung, sondern sagen wir mal Endo, Alter, infertilen Partner.

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Nein, die Blutgerinnungsstörungen wurden sicherlich nicht bei allen Patientinnen untersucht und waren vermutlich auch nicht Bestandteil der erhobenen Daten. Zum einen, weil es eine Sammelstatistik ist, zum anderen auch, weil die Gerinnungsdiagnostik im Vorfeld einer IVF keine Routine darstellt.

    Noch viel wichtiger in diesem Zusammenhang: Gerinnungsstörungen führen zu Thrombosen, jedoch nicht zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen.

  3. Berliner Patientin schreibt

    Gewanderte Thrombose – Schlaganfall? Herzinfarkt? Lungenembolie? Wo setzt sich das Gerinnsel noch fest? Wer eine Thrombose bekommt (Bein bespielsweise) ist auch wg. gleicher Gerinnungsneigung gefährdet, einen Verschluss-Schlaganfall zu bekommen. Zu sagen, es handelt sich „nur“ um Thrombosen, ist zu kurz gesprungen…

    Natürlich wirkt auch hier das Rauchen, Trinken und zu vieles Essen durchaus förderlich 😉

    http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/thrombose_embolie/article/591736/wann-insult-gerinnungsstoerung-testen.html

    http://vmrz0100.vm.ruhr-uni-bochum.de/spomedial/content/e866/e2442/e4446/e4586/e4636/index_ger.html

  4. Rebella schreibt

    Diese Studie sagt nichts darüber aus, wie hoch denn die Risiken sind, wenn Frauen auf natürlichem Weg schwanger werden. Insofern sagt diese Studie auch nichts darüber aus, ob die Risiken nach Kinderwunschbehandlung höher sind. Höher als was denn?

    Ich erinnere mich an eine andere Studie, die feststellte, dass Frauen, die ihr Kind gestillt haben, seltener Brustkrebs bekommen. Kasnn ja sein, dass schwanger sein und stillen besonders gesund ist. Mal unabhängig davon, wie man schwanger wurde.

  5. Elmar Breitbach schreibt

    @ Berliner Patientin: Eine Thrombose aus peripheren Venen landet der Physiologie der Säugetiere zufolge im rechten Herzen. Und von da aus geht es in die Lunge. Und von da aus nicht mehr weiter. Auch nicht ins Hirn.

    Dazu wäre ein Septumdefekt im Herz vonnöten. Arterielle Thrombosen sind extrem selten. Arterielle Verschlüsse hingegen die Regel. Ursache für Insulte sind arteriell bedingt. Und da sind thrombotische Ereignisse extreme Ausnahmen.

    Nicht zuletzt referiert die Ärztezeitung über paradoxe Embolie, die heißt so, weil sie die Ausnahme darstellt.

    @ Rebella: Völlig richtig. Die Eigenheit empirischer Studien ist das Fehlen der Kontrollgruppen. daher auch mein Hinweis: Ohne diese Kontrollen kann man nur spekulieren.

  6. Berliner Patientin schreibt

    O.K. – dann ist der Umkehrschluss aber auch, dass man bei einer Blutgerinnungsstörung kein höheres Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko hat. Das wurde mir sowohl vom Internisten als auch vom Kiwu-Doc anders kommuniziert. Dann heisst das ja, man kann auf Blutverdünner eigentlich verzichten in der Vorbeugung von Schlaganfall und Herzinfarkt. Was mich wundert, wenn ich an all die Makumar- und Aspirin-Protect-Patienten denke. Hm.

  7. Elmar Breitbach schreibt

    Genau so ist es. Man auf jeden Fall kein erhöhtes Herzinfaktrisiko, denn das ist Folge einer Arteriosklerose und nie Folge eines Thrombus. ASS wird gegeben, um den Blutdurchfluss bei verengten Gefäßen (Folge der Arteriosklerose) zu verbessern, nicht wegen erhöhtem Thromboserisiko.

    Marcumar hat zwei Hauptindikationen: Entweder therapeutisch nach einer Thrombose bis zu einem Jahr (dann aber auch nicht mehr) oder – und das ist die häufigste Indikation – beim Vorhofflimmern. Durch das Vorhofflimmern kann es zu zur Thrombenbildung in den Vorhöfen des Herzen kommen. Dann auch im linken Herzen und das kann dann zu Insulten führen.

    ABER: nicht bei jungen Menschen und nicht als Folge einer Thrombophilie sondern als Folge einer Herzleitungsstörung.

    Ja, ich weiß, es ist kompliziert. Hm.

    Zusammenfassend ist also weiterhin zu sagen, dass die Untersuchung auf Gerinnungsstörungen einen im Hinblick auf HIrn- oder Herzinfarkte nicht wesentlich weiterbringt.