Gelbkörperhormone: Wie lange sollte man sie nehmen?


In den meisten Fällen wird bei der künstlichen Befruchtung zur Unterstützung der sogenannten Lutealphase Gelbkörperhormon gegeben. Tritt nach der Behandlung eine Schwangerschaft ein, dann stellt sich die Frage, wie lange man das Gelbkörperhormon weiternehmen muss, um den Verlauf der Schwangerschaft nicht zu gefährden.

Eine ältere Studie (in einem ausführlichen Übersichtsartikel hier in den News) zeigte bereits, dass es im Hinblick auf die Zahl der Lebendgeburten keinen Unterschied macht, wenn man die Unterstützung mit Gelbkörperhormonen bei Eintritt der Schwangerschaft beendet. Lediglich der Eintritt einer Fehlgeburt wird verzögert, diese jedoch nicht verhindert.

Dies wurde nun durch eine weitere Studie bestätigt. In einer prospektiven und randomisierten [?] Studie wurden 257 Frauen aufgenommen und nach Eintritt einer Schwangerschaft entweder bis zur 9. Schwangerschaftswoche mit Gelbkörperhormonen behandelt (132 Frauen) oder nur bis zur 5. Schwangerschaftswoche bei Feststellung der Schwangerschaft durch Ultraschall (Klinische Schwangerschaft).

Die Ergebnisse der beiden Behandlungsmethoden waren identisch: In der ersten Gruppe betrug die Fehlgeburtenrate bis zur 20. Schwangerschaftswoche 4,6%, während in der anderen Gruppe 4,8% der Frauen eine Fehlgeburt erlitten.

Ein etwas deutlicherer Unterschied ergab sich bei der Berücksichtigung von Blutungen in der frühen Schwangerschaft. Bei 15,9% der Frauen, die das Gelbkörperhormon länger bekamen, trat eine Blutung auf und bei 20,8% in der Gruppe ohne Fortführung der Medikation über den Zeitpunkt des ersten Ultraschalls hinaus. Aber auch diese Differenz war statistisch nicht signifikant.

Eine einheitlich anerkannte Regelung zur Dauer der Gelbkörperhormonunterstützung gibt es nicht, jedoch zeigen die randomisierten und kontrollierten Studien (wie auch diese) keinen hinreichenden Grund, diese über den Zeitpunkt der 5. oder 6. Schwangerschaftswoche hinaus forzusetzen. Lediglich psychologische Gründe könnten dafür sprechen, nicht jedoch handfeste medizinische.


Aboulghar MA, Amin YM, Al-Inany HG, Aboulghar MM, Mourad LM, Serour GI, Mansour RT
Prospective randomized study comparing luteal phase support for ICSI patients up to the first ultrasound compared with an additional three weeks.
Hum Reprod. 2008 Feb 11 [Epub ahead of print]


Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.
Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    interessante studie.
    immer wieder bekommt man mal zu lesen oder als diagnose: gelbkörperschwäche.
    habe ich nie richtig verstanden, was es genau sein soll, bzw. wie es dazu kommt. hat frau das wenn, dann immer? was sind die ursachen?
    wäre in solchen fällen eine längere substitution nicht doch sinnvoll?
    kann es sein, dass ältere frauen erstmal nur zeitverzögert im vergleich zu jüngeren mit der produktion von gelbkörperhormon und auch östrogen auf die schwangerschaft reagieren…?

    sorry, schon wieder viele fragen..

  2. Elmar Breitbach
    Stina72 schreibt

    Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich hatte das Utrogest auch schon in der 7. SSW abgesetzt und dann in der 8. SSW eine Fehlgeburt. Auch wenn ich eigentlich weiß, dass diese nicht vom abgesetzten Utrogest kam, so blieb doch immer ein fader Beigeschmack…