Die Kinderwunsch-Seite
« Geistige Entwicklung nach IVF ist nicht gestört
Erste Fruchtbarkeitspille für den Mann: Wirklich neu? »

Wissenschaft

Gelbkörperhormon: Was, wann und wie lange?

Nach einer IVF wird in den meisten Fällen zur Unterstützung der Einnistung Gelbkörperhormon gegeben. Einige aktuelle Studien widmen sich diesem Thema.

Wie lange sollte man das Gelbkörperhormon geben?

Auch im Forum wird diese Frage häufig gestellt. Insbesondere, wenn eine Schwangerschaft eingetreten ist und der behandelnde Arzt sagt, dass die zusätzliche Gabe des Progesterons nicht mehr notwendig ist, befürchten die Schwangeren eine Fehlgeburt aufgrund eines Progesteronmangels. Biologisch gesehen ist dies eher unwahrscheinlich, da das Schwangerschaftshormon (hCG) den Gelbkörper dazu anregt, verstärkt Progesteron zu bilden, der Embryo sich also über die Bildung des hCG ausreichend selbst mit Gelbkörperhormonen aus der körpereigenen Produktion versorgt. Die Frage ist jedoch, ob diese Mechanismen auch ausreichend funktionieren, wenn im langen Protokoll vorher eine Downregulation erfolgte.

Dieser Frage widmete sich eine US-amerikanische Studie1. Zwei Patientengruppen wurden unterschiedlich lange mit Progesteron nachbehandelt. Eine Gruppe erhielt das Gelbkörperhormon bis zur 12. Schwangerschaftswoche, die andere nur bis zum positiven Schwangerschaftstest, also ca. 2 Wochen nach der Punktion. beobachtet wurde der Verlauf der Schwangerschaften. Eine klinische Schwangerschaft (im Ultraschall erkennbar) wurde nach einem positiven Schwangerschaftstest in 81,8% nach frühzeitigem Absetzen und in 85,8% nach Weitergabe des Progesterons festgestellt. Lebendgeburten fanden bei 76,8% bzw. 75% der Schwangeren statt. Statistisch gesehen also kein Unterschied.

Ein statistisch ebenfalls nicht signifikanter Trend konnte im Hinblick auf die frühe Schwangerschaft festgestellt werden: zwischen der 7. und 12. Schwangerschaftswoche traten mehr Fehlgeburten in der Gruppe der Patientinnen ein, die nur kurzfristig Progesteron erhielten. Es scheint also so zu sein, dass Fehlgeburten durch eine längere Progesterongabe verzögert eintreten als in der Kontrollgruppe, die Zahl an Lebendgeburten sich dadurch jedoch nicht verändert.

Wann sollte man mit der Progesteron-Gabe beginnen?

Diskutierte Möglichkeiten sind:
1. Vor der Punktion beginnend
2. Ab dem Tag der Punktion
3. Ab dem Tag des Transfers

Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch, dass es Kollegen gibt, die eine Progesteron-Gabe gänzlich für unnötig halten. Dass aber irgendeine Form der Lutealphasenunterstützung sinnvoll ist (z. B. auch mit hCG) wurde kürzlich in einer sogenannten Metanalyse nachgewiesen3.

Eine holländische Arbeitsgruppe hat diese eingangs erwähnten unterschiedlichen Zeitpunkte untersucht2 und 385 Patientinnen den drei Gruppen zugeordnet. Bei gleichem Verlauf der Behandlung (Eizellzahl etc. identisch) wurden folgende Zahlen für fortlaufende Schwangerschaften erzielt:
1. 20,8%
2. 22,7%
3. 23,6%

Wer jetzt also daraus schließt, dass die dritte Methode die beste sei, der hat Statistik nicht verstanden. Was ok ist, dazu gibt es ja diese Artikel hier. Um einen signifikanten Effekt einer der Methoden mit der untersuchten Patientenzahl nachweisen, hätte ein Unterschied von 18% zugunsten einer der Verfahrensweisen festgestellt werden müssen. Mit anderen Worten: Die Unterschiede sind nicht signifikant und der Zeitpunkt des Beginns der Progesteron-Gabe scheint keinen großen Einfluss auf den Erfolg einer künstlichen Befruchtung zu haben.

Was sollte man geben?

Die Gabe von Progesteron erfolgt entweder oral als Tablette oder Kapsel oder vaginal. Unterschiede hinsichtlich der Schwangerschaftsraten finden sich zwischen diesen beiden Vorgehensweisen nicht4. Die Verträglichkeit gerade bei hohen Dosierungen ist jedoch besser, wenn das Progesteron vaginal als Scheidenzäpfchen oder Gel gegeben wird. Die am häufigsten verwendeten Präparate sind hier das UtrogestTM 200 und das CrinoneTM 8%. Eine Studie, welche diese beiden Präparate miteinander verglich5, wurde in diesen News bereits erwähnt und ich möchte daher nur auf den Artikel verlinken.

[1] Proctor A, Hurst BS, Marshburn PB, Matthews ML
Effect of progesterone supplementation in early pregnancy on the pregnancy outcome after in vitro fertilization.
Fertil Steril. 2006 Apr 5

[2] Mochtar MH, Van Wely M, Van der Veen F
Timing luteal phase support in GnRH agonist down-regulated IVF/embryo transfer cycles
Hum Reprod. 2006 Apr;21(4):905-8.

[3] Nosarka S, Kruger T, Siebert I, Grove D
Luteal phase support in in vitro fertilization: meta-analysis of randomized trials
Gynecol Obstet Invest. 2005;60(2):67-74

[4] Chakravarty BN, Shirazee HH, Dam P, Goswami SK, Chatterjee R, Ghosh S
Oral dydrogesterone versus intravaginal micronised progesterone as luteal phase support in assisted reproductive technology (ART) cycles: results of a randomised study.
J Steroid Biochem Mol Biol. 2005 Dec;97(5):416-20

[5] Kleinstein J.: Efficacy and tolerability of vaginal progesteron capsules (UtrogestTM 200) compared with progesterone gel (CrinoneTM 8%) for luteal phase support during assisted reproduction.
Fertil Steril 2005;83: 1641-9


Stichwörter: ,

schlechtgut (+1 Bewertung, 3 Stimmen)
Loading ... Loading ...



Kommentare

Kein Kommentar bisher für “Gelbkörperhormon: Was, wann und wie lange?”

Schreiben Sie einen Kommentar

Suche

Antworten im Forum

blogoscoop