Alter des Mannes spielt bei IVF auch eine Rolle

Nicht nur die Eizellen, sondern auch die Spermien werden mit dem Alter nicht besser

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Es besteht ein Zusammenhang zwischen Fruchtbarkeit und Alter. Und das gilt offenbar für beide Geschlechter. Für die Frau ist ein negativer Einfluss des Alters auf die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit auch bei der künstlichen Befruchtung vielfach belegt, aber auch das Alter des Mannes spielt eine bedeutende Rolle.

Fruchtbarkeit und Alter: Was ist mit dem Mann?

Nun, dazu reicht schon ein kurzer Blick in das Archiv unserer News. Eine sehr umfangreiche Studie hatte ich hier kürzlich bereits einmal ausgebuddelt: Die Untersuchung von mehr als 6.000 Männern ergab einen deutlichen Zusammenhang zwischen deren Alter und Spermienqualität. Aber schwanger zu werden ist da eine, ein Kind zu bekommen, das andere. Leider sind treten bei den Partnerinnen älterer Männer zudem häufiger Fehlgeburten auf.

Es scheint also schwieriger zu sein, schwanger zu werden und auch zu bleiben mit einem älteren Mann. Aber wenn man eine künstliche Befruchtung durchführt? Gibt es dann auch einen Einfluss des männlichen Alters? Offenbar greift der Zusammenhang zwischen Fruchtbarkeit und Alter auch bei der IVF, wie bereits vor mehr als 10 Jahren auch hier zu erfahren war. Eine Analyse des Deutschen IVF-Registers lässt auch einen Zusammenhang erkennen, der jedoch bei den Frauen wesentlich ausgeprägter ist als bei den Männern.

Der Charlie-Chaplin-Effekt

Jeder weiß um den hochbetagten Charlie Chaplin, der noch in seinen Siebzigern Kinder zeugte. Er ist der personifizierte Beweis für die unerschütterliche Zeugungskraft auch älterer Männer. Man darf dabei jedoch nicht übersehen, dass er mit seine letzten Frau Oona O’Neill 8 Kinder zeugte, diese jedoch bereits heiratete, als sie erst zarte 17 Jahre alt war. Es ist somit vermutlich nicht nur der ungebrochenen Manneskraft Chaplins zuzuschreiben, dass er so spät noch Kinder zeugen konnte. Die Jugend und offensichtliche Fruchtbarkeit seiner Frau wird so Einiges kompensiert haben. Dieses Beispiel lehrt, was auch sonst in der Reproduktionsmedizin offensichtlich ist: Die Beurteilung der Fruchtbarkeit eines Paares muss immer beide Partner berücksichtigen.

So müsste ein jüngerer Mann dann auch in der Lage sein, die verminderte Fruchtbarkeit seiner älteren Partnerin auszugleichen. Und so scheint es in der Tat zu sein, wie eine aktuelle Studie zeigt 1)Dodge, L.

ESHRE Annual Meeting, Genf, O-178, Tuesday 4 July 2017

The impact of male partner age on cumulative incidence of live birth following in vitro fertilization.

Laura Dodge untersuchte die stattliche Anzahl von 19.000 Behandlungszyklen bei 7.753 Paaren und hier vor allem den Einfluss des Alters beider Partner auf die „kumulative Lebengeburtenrate„. Mit anderen Worten: Wie viele der behandelten Paare bekamen ein Kind (innerhalb von maximal 6 Behandlungszyklen)?

Einfluss des weiblichen Alters deutlich höher

Nein, diese Studie wirft nicht alles um, auch wenn sie das Alter des Mannes als wesentlichen Faktor erkennt. „Die Ergebnisse dieser Studie und anderer Veröffentlichungen zu diesem Thema zeigen, dass das Alter der Frau einen größeren Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat als das männliche Alter. […] Wenn wir uns nur die Effekte des weiblichen Alters ansahen, fand sich eine relative Verminderung der kumulativen Lebengeburtenrate um 46% von der Altersgruppe unter 30 Jahren bis hin zur Gruppe zwischen 40-42 Jahren. Betrachtet man alleine das männliche Alter, fand sich ein relative Verminderung der Fruchtbarkeit um 20%“, berichtet Laura Dodge.

Jugend kompensiert Alter

Und das funktioniert offenbar – analog zum Chaplin-Effekt oben – in beide Richtungen, jedoch mit Einschränkungen. Untersucht wurden bei den Frauen die Altersgruppen unter 30, 30-35, 35-40 und 40-42. Die Männer wurden in den gleichen Altersgruppen zusammengefasst, ergänzt durch die Gruppe > 42.

War die Frau 40 bis 42 Jahre alt, dann spielte das männliche Alter keine Rolle. Sind die Voraussetzungen deutlich eingeschränkt, dann hilft auch eine erhöhte Fruchtbarkeit des Partners nicht. Aber in den anderen Gruppen war der Einfluss des männlichen Alters erkennbar. War die Frau jünger als 30 Jahre, so hatte sie mit einem Mann zwischen 30 und 35 eine kumulative Geburtenrate von 73%, mit einem Partner zwischen 40 und 42 sank diese auf 46%.

Allgemein fand sich dieser Trend bei Paaren mit Frauen allen Alters unter 40. Frauen zwischen 35 und 40 hatten eine um 30% höhere Erfolgsrate, wenn ihr Partner jünger als 30 war. „Wo wir einen signifikanten Abfall der Erfolgsraten erkennen können, ist bei Frauen mit Partnern im höheren Altersspektrum. Bei Frauen zwischen 30 und 35 ist ein älterer Partner mit einer relativen Verminderung der Geburtenrate um 11% verbunden – von 70% auf 64% – verglichen mit gleich alten Paaren„, kommentiert Laura Dodge die Ergebnisse ihrer Studie.

Befremdliche Lektüre

Liest man die Ergebnisse einer Studie, dann möchte man ja meist gerne daraus etwas für sich selbst ableiten. Als Arzt oder auch als betroffene Patienten. Das Ergebnis der Studie kann also in letzter Konsequenz nur als Ratschlag missverstanden werden, sich eine jüngere Partnerin zu suchen. Neu an dieser Studie ist nun die Schlussfolgerung für Frauen, dass ein jüngerer Partner auch hier die Chancen verbessern könnte. Die Studie stellt beim Thema Fruchtbarkeit und Alter ein wenig Gerechtigkeit her, aber helfen tut sie leider niemandem.


Literatur   [ + ]

1. Dodge, L.

ESHRE Annual Meeting, Genf, O-178, Tuesday 4 July 2017

The impact of male partner age on cumulative incidence of live birth following in vitro fertilization

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Kommentar

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1 Kommentar

  1. Merle_77 schreibt

    Ich hoffe, solche Studien sprechen sich rum. Leider ist es immer noch so, dass viele Leute, wenn sie von einem unerfüllten Kinderwunsch und / oder Fehlgeburten hören, die Verantwortung dafür automatisch bei der Frau sehen. Und auch wenn man über solchen Dingen stehen sollte, kratzt es manchmal doch ein bisschen an der Seele…