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Fruchtbare Tage erkennen: Wann genau ist der fruchtbarste Zeitpunkt?

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Fruchtbare Tage der Frau erstrecken sich über einen Zeitraum von ungefähr  5-6 Tagen. Das ist zumindest der Zeitraum, der meist genannt wird. Wann genau innerhalb dieser Tage ist die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft am höchsten?

Fruchtbare Zeit der Frau ist viel kürzer

Die Eizelle ist nur 12- 24 Stunden nach dem Eisprung befruchtungsfähig. Dennoch sind die fruchtbaren Tage sehr viel länger und erstrecken sich über 4-6 Tage, je nachdem, welcher Studie zu diesem Thema man glaubt und wie die individuelle Voraussetzungen sind. Dieser längere Zeitraum ist auf die Überlebensfähigkeit der Spermien zurückzuführen, die 3-5 Tage betragen kann.

Fruchtbare Tage und Eisprung

Weiß man, wann der Eisprung eintritt, kann man den optimalen Zeitpunkt für den Eintritt einer Schwangerschaft festlegen. Im Jahre 2000 hatten Colombo und Masarotto dazu eine große europäische Studie1)Colombo B, Masarotto G.
Daily fecundability: first results from a new data base.
Demogr Res. 2000 Sep 6;3:[39]
erhoben mit 3175 Zyklen und 434 Schwangerschaften. Die Ergebnisse lassen sich der Graphik entnehmen

Man erkennt gut, dass die Fruchtbarkeit vor allem VOR dem Eisprung besonders hoch ist. Ist der Eisprung bereits erfolgt, stürzt  die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft schnell ab. Das lässt sich aus den eingangs erwähnten biologischen Voraussetzungen bei Eizelle und Spermien ableiten. Nach dem Eisprung ist die Eizelle maximal für einen Tag befruchtungsfähig. Da die Spermien jedoch bis zu 5 Tage ihre Vitalität behalten, ergibt sich ein Zeitraum von mehreren Tagen vor dem Eisprung, in dem Geschlechtsverkehr zu einer Schwangerschaft führen kann.

Es ist also wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu kennen, wie stellt man ihn fest?

Die fruchtbaren Tage sind nicht bei jeder Frau identisch, da die Zykluslängen unterschiedlich sind aber vor allem der Zeitpunkt des Eisprungs entscheidend ist. Und dazu ist es notwendig, den Tag des Eisprungs festzustellen. Wichtig sind dazu die hormonellen Abläufe, die im Zyklus auftreten.

Grundlagen des weiblichen Zyklus: Hormone, Follikel, Gelbkörper

Fruchtbare Tage Hormonzyklus Eisprung
Bildlizenz: clipdealer.de

In der Graphik erkennt man die Abläufe im weiblichen Zyklus. Mit zunehmender Größe des Eibläschens (Follikel) steigt der Östrogenspiegel. Kurz vor dem Eisprung schießt das Luteinisierende Hormon (LH) in die Höhe. Spätestens einen Tag darauf tritt der Eisprung ein. Anschließend steigt der Progesteron-spiegel. Mehr dazu im Theorie-Teil unserer Seite.

Berechnung bei regelmäßigem Zyklus

Man kann versuchen, ihn einfach zu berechnen. Zumindest bei regelmäßigen Zyklen kann dies ausreichen. Geht man davon aus, dass die zweite Zyklushälfte bei fast allen Frauen ca. 14 Tage lang ist, dann muss man von seiner (regelmäßigen) Zykluslänge 14 Tage abziehen, um den Tag des Eisprungs auszurechnen.

  • Beispiel Bei einem „klassischen Zyklus“ von 28 Tagen findet der Eisprung vermutlich um den 14. Zyklustag herum statt (28-14). Der fruchtbarste Tag wäre demzufolge der 13. Zyklustag (also der Tag vor dem zu erwartenden Eisprung) gefolgt vom 12. Zyklustag (zwei Tage vor dem Eisprung) und schließlich dem 14. Zyklustag (also der Tag des Eisprungs selbst. Fruchtbare Tage ergeben sich daher in diesem Fall vom 12.-14. Zyklustag
  • Bei einem regelmäßigen 25-Tagezyklus ergibt sich die höchste Fruchtbarkeit für den 9.-11. Zyklustag
  • Zusammenfassende Fruchtbarkeitsformel: Durchschnittliche Zykluslänge minus 12 bis durchschnittliche Zykluslänge minus 14.

Wie gesagt, solche Berechnungen sind nur sinnvoll, wenn der Zyklus regelmäßig ist. Nur dann kann man auch einen Fruchtbarkeitsrechner sinnvoll einsetzen. Wenn Sie möchten, nutzen Sie unseren Eisprungrechner

Einfache Kontrolle durch Temperaturmessung

Hormonbedingt weist die Körpertemperatur jeder Frau im Zyklus typische Schwankungen auf. Nach dem Eisprung steigt die Körpertemperatur durch das Progesteron oft deutlich (0,5 °C (+/- 0,1 °C)) an. Die morgendliche Messung der Körpertemperatur vor dem Aufstehen (Basaltemperatur = ohne körperliche Belastung) lässt unter idealen Umständen einen Eisprung erkennen und auch Störungen des Zyklus. Wie man richtig misst und wie man die Temperaturkurven richtig auswertet. lesen Sie in unserem Theorie-Teil nach. Leider kann man den Eisprung mit der Temperaturmessung erst feststellen, wenn er bereits eingetreten ist

Fruchtbare Tage und Zervixsekret

Das Sekret des Gebärmutterhalses wird auch gerne etwas prosaischer „Zervixschleim“ genannt. Im Gegensatz zur Temperaturmessung kann man mit den Ovulationstests den Eisprung vorhersagen. Das Sekret ändert seine Konsistenz mit zunehmender Höhe der Östrogenspiegel. Besonders dünnflüssig uns spinnbar ist das Sekret kurz vor dem Eisprung. Eine genaue Beschreibung der Kontrolle des Zervixschleims finden Sie hier.

Ovulationstests und Zykluscomputer

ovulationstest
Ein positiver Ovulationstest zeigt den unmittelbar besvostehenden Eisprung an © clipdealer.de

Hilfreiche zusätzliche Informationen – insbesondere bei etwas unregelmäßigen Zyklen – können Ovulationstests liefern. Sie funktionieren ähnlich wie ein Schwangerschaftstest, nur dass sie statt auf das Schwangerschaftshormon auf den Anstieg des eisprungauslösenden Hormon reagieren und damit fruchtbare Tage vorhersagen können. Über das Prinzip der Ovulationstests und der oft damit zusammen verwendeten Zykluscomputer informiert Sie unser Theorie-Teil ausführlicher.

Und wenn der Eisprung medikamentös ausgelöst wird?

Dann gilt im Wesentlichen das Gleiche. Nach Gabe einer Spritze zum Auslösen des Eisprung tritt dieser frühestens nach 36 Stunden ein. Hat man also die Spritze gesetzt, ist der beste Zeitpunkt ca. 24 Stunden danach. Bei Inseminationen sind die Spermien naturgemäß schneller am Ort der Befruchtung, so dass hier auch noch ca. 36 Stunden nach Gabe des Medikaments die Voraussetzungen optimal sind.


Literatur   [ + ]

1. Colombo B, Masarotto G.
Daily fecundability: first results from a new data base.
Demogr Res. 2000 Sep 6;3:[39]
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Kommentar

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10 Kommentare
  1. Indraka schreibt

    Weiß man, wie lange die Kapazitation der Spermien etwa dauert? Ohne dass dieser Prozess abgelaufen ist soll es anscheinend gar nicht möglich sein, dass ein Spermium eine Eizelle befruchtet. Von daher ist es vermutlich gar nicht erstrebenswert, exakt den Zeitpunkt des Eisprungs zu treffen, sondern man sollte den GV die entsprechende Zeit davor legen, sofern das überhaupt so genau berechnet werden kann, oder wie ist das zu sehen?

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Dieser Vorgang ist zu vernachlässigen. Die Spermien passieren den weiblichen Genitaltrakt recht rasch und sind bereits 15-20 Minuten nach dem Verkehr in den Eileitern nachweisbar. Die Kapazitation erfolgt durch die „Reise“ durch den Gebärmutterhals.

    Sie sehen ja auch an der Statistik oben, dass der Zeitraum vor dem Eisprung der fruchtbarste ist. Ihre Vermutung ist also völlig richtig. Es steht da eigentlich auch in Großbuchstaben und Fett 😉

  3. Mira schreibt

    Gilt das auch bei leichter Asthenozoospermie (zu wenig schnell beweglich, nach den neuen Richtlinien ist es gar keine, da 42% beweglich sind…)? Bislang hieß es für GVnP in unserer KiWu immer 36 Std. nach Auslösen wäre optimal, davor eher „Absicherung“.

  4. Elmar Breitbach schreibt

    Die Beweglichkeit der Spermien ist für den Weg durch die Eileiter nicht so von Bedeutung wie bei der Befruchtung. Der Transport der Spermien geschieht weitestgehend passiv. Wenn man sich unsicher ist, sind 24 Stunden sicherer als 36 Stunden, denn schließlich wird der Eisprung ja nicht unterdrückt

  5. bla schreibt

    Danke Doc! Mein Kinderwunsch ist abgeschlossen, aber meine große Tochter wird das Wissen gut gebrauchen können. Und, sicherlich nur ein I-Tüpfelchen, aber ich muss es trotzdem sagen: Danke für den Humor in der bunten Zeichnung mit dem springenden Ei ! Manchmal ist man so verbissen hinterher und die Zeichnung ha tmich schmunzeln lassen. Und, wo ich schon dabei bin, DANKE, für das, was sie hier alles machen!

  6. Elmar Breitbach schreibt

    Es freut mich, dass sie das springende Ei als solches erkannt haben 😉

  7. sowahr schreibt

    Hallo,
    ich kenne es aus STM/Nfp dass der Eisprung bis zu 2Tage vor Temperaturanstieg und bis 1Tag nach Temperaturanstieg sein kann. Finde die Grafik weiter oben aus diesem Grund etwas mißverständlich. Oder ist mit Temperaturanstieg die mehrere Werte/Tage gemeint die über der Coverline sind und nicht nur ein bestimmter Tag?

    Ich habe einen regelmäßigen Zyklus von 28-30 Tagen kann aber sagen (durch STM) dass mein ES etwa zwischen dem 16 und 21.ZT ist (meist ehM 17-20).
    Vielen Dank! 🙂

  8. Elmar Breitbach schreibt

    Wenn der Eisprung nach dem Temperaturanstieg erfolgt, dann ist das Progesteron noch nicht erhöht, denn das steigt signifikant erst nach der Ovulation an und demzufolge würde ich in solchen Fällen die Gründe für die Temperaturerhöhung woanders vermuten. Die Grafik oben zeigt keine Temperaturkurven und auch keine Coverline, sondern nur den Progesteronanstieg. Ganz oben gelb – wie es sich gehört – weiter unten rot.

  9. sowahr schreibt

    Hallo Herr Breitbach,
    danke für die rasche Antwort! 🙂
    Ich meinte jedoch die Tabelle/Abbildung zu „Fruchtbare Tage und Eisprung“ nicht die Abbildung zu „Grundlagen des weiblichen Zyklus“.
    Wenn man nur Temp misst mit Zervixschleimbeobachtung dann weiß man dies „wenn der Eisprung nach dem Temperaturanstieg erfolgt, dann ist das Progesteron noch nicht erhöht, denn das steigt signifikant erst nach der Ovulation an und demzufolge würde ich in solchen Fällen die Gründe für die Temperaturerhöhung woanders vermuten.“ ja nicht. Das findet man ja nur raus z.b. in Rahmen einer IUI/IVF/ICSI Behandlung bei der regelmäßig Hormone gemessen werden.
    Laut Literatur, Methodenwissen zu STM/NFP wird gesagt dass der ES in dem Zeitraum von -2 bis +1 Tag (der ersten höheren Messung) sein kann.
    Viele Grüße

  10. Elmar Breitbach schreibt

    hm… von Temperaturmessung ist in dem ganzen Artikel nicht die Rede, sondern nur von LH-Peak-Messung, was methodisch etwas völlig anderes ist.