Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

Folsäure schützt vor Herzfehlern

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Jeder Schwangeren und jeder Frau mit Kinderwunsch wird empfohlen, Folsäure einzunehmen, da dies nachweislich das Risiko für Neuralrohrdefekte beim Kind, insbesondere für Spina bifida („offener Rücken“) reduzieren kann. Üblicherweise wird eine Dosierung von 400µg pro Tag empfohlen, aktuellen Studien zufolge sollte man die Einnahme ab der 16. Schwangerschaftswoche reduzieren oder die Folsäureeinnahme ganz beenden.

Nun gibt es eine neue Studie, die auf Netdoktor.de veröffentlicht wurde. Die Untersuchung von 611 Frauen, deren Kinder mit einem Herzfehler zur Welt kamen ergab:

Die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels mit mindestens 400 Milligramm Folsäure konnte beim Ungeborenen das Risiko für einen Herzfehler um 26 Prozent verringern (verglichen mit dessen Häufigkeit in der Gesamtbevölkerung). Noch stärker, nämlich um 40 Prozent, sank die Gefahr für eine bestimmte Form von Herzfehler – einen Defekt der Herzscheidewand.

In der Studie wurde nicht untersucht, ob der Schutzeffekt für das kindliche Herz auch dann derselbe ist, wenn die Schwangere weniger oder sogar mehr als 400 mg Folsäure einnimmt. Es gäbe aber Hinweise, dass Frauen mit größerem Körpergewicht für die gleiche Schutzwirkung mehr von dem Vitamin schlucken müssen als schlankere Frauen.

Allerdings habe ich mit diesem retrospektiven Studiendesign meine Probleme: Bereits Erkrankte hinsichtlich der Vorgeschichte zu untersuchen kann nie beweisend sein. Allerdings wäre eine kontrollierte Studie (Folsäure gegen Plazebo) ethisch nicht vertretbar.


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Kommentar

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4 Kommentare
  1. Eine Leserin schreibt

    Ich habe während der SS die ganze Zeit Folsäure geschluckt (400mg) und mein Kind wurde MIT Herzfehler geboren.

    Das Loch in der Herzscheidewand ist inzwischen glücklicherweise verwachsen, aber es zeigt, daß auch mit Folsäure Herzfehler auftreten können.

  2. Lectorix schreibt

    Dieser Verdacht besteht immer mal wieder, aber bewiesen wird er wohl nicht werden (wie oben ja schon gesagt aus ethischen Gründen). Was ein wenig dagegen spricht ist die gleichbleibende Inzidenz angeborener Herzfehler, obwohl man ja mittlerweile schon seit vielen Jahren Folsäure an Schwangere verabreicht. Bei meinem Kind bestand ja durch meinen eigenen Herzfehler ein noch mehr erhöhtes Risiko, aber das Herzgeräusch, was sie während des ersten Jahres hatte, konnte jetzt bei der U6 nicht mehr nachgewiesen werden. So schlimm wird’s also insgesamt nicht gewesen sein, wenn’s überhaupt was war.

  3. reaba schreibt

    ich habe in der ganzen SS auch folsäure geschluckt (5000 µg = 5 mg) und mein kind hat keine herzfehler und auch kein asthma.

    die große menge erklärt eine genetische abweichung meinerseits (MTHFR homozygot); in kombination mit b vitaminen senkt folsäure den homozysteinspiegel (homozystein ist ein zellgift). sehr hohe homozysteinspiegel werden oft bei kardio-vaskulären ereignissen beobachtet. die MTHFR-abweichung kann missbildungen im nervalen und kardio-vaskulären system nach sich ziehen.

    wann wird in studien endlich mal berücksichtigt, dass diese MTHFRstörung (genetisch bedingte folatverwertungsstörung) bei der dosisfindung von folat für kiwu-frauen und bereits schwangeren frauen an die individuellen gegebenheiten anzupassen sein sollte..?

    gute kiwu-zentren und schlaue frauenärtze screenen bei verdacht darauf (verdacht: häufige FGs, thrombotische ereignisse, wiederholte nicht-einnistung trotz guter bedingungen, häufung kardiovaskulärer events in der nahen blutsverwandschaft etc), standard ist es leider nicht.

    wäre in meinen augen wesentlich sinnvoller, als sich den epigenetischen kopf zu machen, wieviel man für die allgemeinheit „unters futter“ mischen sollte, damit am ende ein positiver nutzen entsteht. ist aber wahrscheinlich nicht systemkonform und oportun, weil zu teuer.
    und kardiologen wollen ja auch was zu tun haben…

    sorry lieber doc, sie könne es wahrscheinlich nicht mehr lesen 😉 … aber vielleicht liest es ja jemand, der es bisher nicht gewußt hat und dem es helfen könnte.
    dem letzten absatz ihres artikels stimme ich unbedingt zu. so wenig ich für tierversuche bin, so sinnvoll wäre es vielleicht in diesem bereich, ggfs um die erweiterung genetisch veränderter mäuse mit MTHFR als weiteren faktor.

  4. Kathrin schreibt

    Zum Thema Rauchen in der Schwangerschaft habe ich auf folgender Seite eine Menge interessanter Informationen gefunden:
    http://www.aktiv-rauchfrei.de/themen/schwangerschaft

    Wenn man liest, was man dem Baby damit antut, dann fällt es vielleicht etwas leichter, sich von der hartnäckigen Sucht zu lösen.