Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

Folsäure nicht zu lange einnehmen

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Ok, es ist eine epidemiologische Studie. Zu diesen habe ich an anderer Stelle bereits geschrieben:

Epidemiologen sind die “Jäger und Sammler” unter den Wissenschaftlern. Sie sammeln Daten von sehr vielen Personen und versuchen dann mit diesen hohen Fallzahlen statistische Zusammenhänge zwischen Erkrankungen und bestimmten Voraussetzungen herzustellen. So wurde z. B. auch der Zusammenhang zwischen bestimmten Fehlbildungen bei Kindern und Folsäuremangel der Mutter hergestellt.

Und eben zu dieser Folsäure gibt es nun neue Erkenntnisse: Wer sie zu lange einnimmt, der riskiert eine Asthma-Erkrankung beim Kind, berichtet die Süddeutsche Zeitung und bezieht sich dabei auf eine Studie, die im „American Journal of Epidemiology“ veröffentlicht wurde:

Von 550 untersuchten Frauen gab es bei denjenigen, die Folsäure lediglich vor der Empfängnis und während der ersten Schwangerschaftswochen einnahmen, kein erhöhtes Asthma-Risiko der Kinder. Frauen, die das Präparat dagegen noch zwischen der 16. und 30. Schwangerschaftswoche einnahmen, erhöhten das Asthma-Risiko ihres Nachwuchses dagegen um rund 30 Prozent.

Die Autoren vermuten epigenetische Faktoren als Ursache, wie sie zuvor auch bereits bei Studien mit Mäusen nachgewiesen werden konnten.

Da der Hauptgrund für die Einnahme von Folsäure die Vermeidung von Spaltfehlbildungen (vor allem dem offenen Rücken/Spinda bifida) ist und diese Gefahr lediglich in der Frühschwangerschaft im Zusammenhang mit Folsäuremangel beschrieben wird, ergibt sich aus dieser Studie die Schlussfolgerung, großzügig ab der 16. Schwangerschaftswoche auf eine weitere Einnahme zu verzichten. Da die Einnahme von Folsäure und Jodid (Wichtig für die Schilddrüse) jedoch oft in kombinierten Präparaten erfolgt, stellt sich die Frage nach dem Sinn solcher Kombinationspräparate, da die Einnahme des Jodids durchaus über einen längeren Zeitraum zu empfehlen ist.

Melissa J. Whitrow, Vivienne M. Moore, Alice R. Rumbold, and Michael J. Davies
Effect of Supplemental Folic Acid in Pregnancy on Childhood Asthma: A Prospective Birth Cohort Study
American Journal of Epidemiology DOI: 10.1093/aje/kwp315
Link zur Original-Studie


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Kommentar

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22 Kommentare
  1. […] This post was mentioned on Twitter by jameda, ElmarBreitbach, XiongShui and Kiwuforum. […]

  2. greta schreibt

    sodele,noch ne neue erkenntnis.

    was ist mit MTHFR-Frauen,die wegen eines gendefektes / blutgerinnungsstörung folsäure nehmen müssen? dadurch, dass sie es brauche, verbrauchen vielleicht sogar, ist da was anders? Oder kriegen die jetzt asthmatiker? Mit MTHFR-Mutation?

  3. Elmar Breitbach schreibt

    Liebe Greta: Der Original-Artikel ist verlinkt 😉

    Und mehr als da drinsteht, kann ich auch nicht sagen

  4. bee-gee135 schreibt

    Na prima….

    Ich bin auch eine MTHFR-Gestörte (allerdings nur homozygot). Aber auch wenn ich das nicht wäre, bisher lautet die Empfehlung doch, Folsäure sogar bis in die Stillzeit zu nehmen.

    Ach menno – immerzu diese Studien… =(

  5. Lizy schreibt

    puuuuh ich hab grad einen Riesenschrecken bei der Überschrift bekommen, weil ich das Zeug prophylaktisch schon seit … mal überlegen – 2 Jahren einnehme? Ich dachte schon, das wäre mit „zu lange“ gemeint …

  6. reaba schreibt

    „Die Epigenetik ist ein neuer Wissenschaftszweig, der sich nicht mit den Genen selbst beschäftigt, sondern mit der Steuerung derselben. Epigenetische Faktoren beeinflussen also nicht die eigentlich Erbinformation, sondern die “Lesbarkeit” der Gene. Dabei spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle, beim Menschen und auch anderen Säugetieren ist dies vor allem die DNA-Methylierung. Da die Zellen des frühen Embryonen (bis zum Achtzellstadium) noch nicht spezialisiert, also “totipotent” sind, sind diese Steuerungsmechanismen zunächst aufgehoben und alle Erbinformationen lesbar. Erst bei der weiteren Entwicklung der Eizelle kommt es dann zu einer Neuordnung der Lesbarkeit der Gene.“

    soweit, so gut.

    längere (wahrscheinlich auch höher dosierte) folsäure einnahme steigert also das risiko beim fötus später asthma zu entwickeln um 30% ?

    ich warte gespannt auf den detailierten biomolekularen nachweis dieser aussage.vorzugsweise unter einbeziehung anderer umweltfaktoren (ausser dem „gefährlichen“ folat).

    wie wäre es denn damit für epigenetiker: bei X% aller homozygoten (sorry, bee-gee…aber heterozygot wäre „besser“)MTHFR-trägerinnen kommt es zu einnistungsstörungen, weil erhöhte homozysteinspiegel das gerinnungsgeschehen negativ beeinflussen und ein einnistungsfähiger embryo abstribt.
    …da nähme man das 30%ige asthmarisiko fast schon gern in kauf, oder?

    ich finde epigenetik ja niedlich … es führt zu wirklich tollen aussagen, in etwa so: bei genügend hoher UV-A- und UV-B-dichte sind die meisten afrikanischen babies farbig.

  7. Donza schreibt

    Kennen Sie eigentlich auch die Studie, nach der die handelsübliche Folsäure ÜBERHAUPT NICHT aufgenommen werden kann?

  8. Elmar Breitbach schreibt

    5 kg ungekochte Erbsen täglich ist auch handelsüblich. Wenn es diese Studie übrigens gibt, dann ist sie nachweislich dummes Zeug behaupte ich jetzt mal hier so vor mich hin

  9. m*g*ms schreibt

    Genau das hat mir ne Bekannte heute gesagt- laut ihrer Ärztin ab 16.SSW keine Folsäure mehr! Ok-dann werd ich sie auch bald mal absetzen! Hab nur gedacht, das ist halt so eine die das ganze Zeugs verteufelt, weil die Bekannte noch nicht mal Jod nehmen soll!? Man kann ja Jod auch einzeln kaufen! Was ist mit den anderen schönen Sachen, die in den Produkten drin sind? Schaun wir mal;-)

  10. Kathrinchen schreibt

    Eine solche Studie sollte aber auch berücksichtigen, dass es Frauen gibt, die die Folsäure wegen der MTHFR-Mutation benötigen, und Frauen, die die Folsäure prophylaktisch nehmen.

    Dabei stellt sich auch die Frage, ob es sinnvoll ist, durch einen Bluttest den Anteil der Frauen zu ermitteln, der einen Folsäuremangel bzw. erhöhten Homocysteinspiegel aufweist, damit man eben nur diesen Frauen Folsäure verabreicht. Es wäre interessant, diese Studie nochmal unter dem Gesichtspunkt der Notwendigkeit einer Folsäureeinnahme auszuwerten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei Frauen, die die Folsäure quasi selbst verbrauchen, das Ergebnis noch haltbar ist.

    Sicher ist Folsäure sinnvoll und wichtig, aber mir drängt sich der Verdacht auf, dass hier genau wie bei der Jodierung von Lebensmitteln alles im Rundumschlag erledigt werden soll, was nicht funktioniert, weil es eben Menschen gibt, für die das gut ist und Menschen, bei denen es das Gegenteil auslösen kann.
    Im Fall von Folsäure ist die Empfehlung von 400 microgramm viel zu wenig für diejenigen, die einen Mangel haben und für die, die keinen Mangel haben, ist es möglicherweise unnötig.

    Im Übrigen sollten die MTHFR-Frauen nicht nur Folsäure nehmen, wenn sie schwanger werden wollen, sondern ihr ganzes Leben lang, weil damit der Homocysteinspiegel gesenkt wird, der, wenn er erhöht ist, zu Ablagerungen in den Gefäßen führt. Das zahlt aber keine KK. Wenn ich später aber mal Thrombosen und Embolien bekomme, weil das Blut nicht mehr durch die Adern „passt“, springt die KK ein. Verrückte Welt!

    “ …. da die Einnahme des Jodids durchaus über einen längeren Zeitraum zu empfehlen ist.“
    Aber nicht jeder Frau. Frauen mit Autoimmunthyreoiditis sollten Jod-Präparate ganz meiden, da sie den Autoimmunprozess anheizen können. Leider ist das unzureichend bekannt. Bei diesen Frauen kann schon der Jodzusatz im Salz zuviel sein und erhebliche Befindlichkeitsstörungen auslösen.

  11. Elmar Breitbach schreibt

    Tatsache ist, das Spaltfehlbildungen mit Folsäure (und dabei reichen 400µg) seltener auftreten und zwar weil der Bedarf bei jeder Frau in Schwangerschaft erhöht ist.

    Und dass es Fälle gibt, in denen Jodid nicht zweckdienlich ist, ist ebenfalls bekannt. Im Artikel schreibe ich ja auch, dass diese Kombipräparate wenig sinnvoll sind. Es gibt auch noch andere Gründe, aber das würde jetzt zu weit führen, genauso wie die Diskussion über die Autoimmunthyreoditis, die hier nicht das Thema ist.

  12. Kaasie schreibt

    Mein FA in D hat mir vor 2 Jahren zu jodiertem und mit Folsaeure versetztem Speisesalz geraten – eine grundsaetzliche Einnahme von Folsaeure hielt er nicht fuer noetig. Mein FA in NL hat die Folsaeure nie erwaehnt. Hier im Forum wurde damals die Wichtigkeit der FS regelmaessig nachdruecklich Neuschwangeren nahegelegt….

    Ich bin kein Mediziner und zudem ausgesprochen vergesslich. So habe ich in beiden Schwangerschaften sporadisch FS eingenommen und habe das grosse Glueck, aus welchem Grund auch immer 3 Kinder ohne offenen Ruecken zu haben. Studien? Was ist das???

  13. Elmar Breitbach schreibt

    @ Kaasie: nun wollen wir mal nichts verdrehen: Natürlich kann man gesunde Kinder bekommen, wenn man keine Folsäure einnimmt. Aber eben seltener. das ist nun mal Fakt. Wen es dann trifft, kann vorher niemand sagen.

    Aufgrund einer eigenen Erfahrung oder Einzelschicksalen kann man selbstverständlich überhaupt nichts beurteilen. Und daher sind Stdien mit großen Fallzahlen sinnvoll.

  14. LeeLee schreibt

    Das ist ja interessant!

    Ich hab die ganze Schwangerschaft über Folsäure genommen (vor der Schwangerschaft sogar hochdosiert) und mein Sohn hatte bis vor kurzem 1,5 Jahre lang Kortison-DT wegen immer wiederkehrenden obstruktiven Bronchitiden.

    Ob da wohl wirklich ein Zusammenhang besteht? Wir selbst sind keine Asthmatiker. Ich hoffe, dass sich das Ganze bei unserem Kleinen aber verwachsen hat.

  15. reaba schreibt

    näää…nun macht euch doch deswegen nicht verrückt.

    das ist epigenetik. die aussage mit den 30% würde auch gelten, wenn alle zeitgleich eine unterkühlte linke großzehe gehabt hätten…und keiner hätte es bei erfassung der fälle bemerkt.
    zuviel des guten (folsäure) ist sicher bei nicht MTHFRlern nicht angesagt, aber immer noch besser als ganz darauf zu verzichten oder zu wenig zu nehmen.

    warum es mit jodid kombiniert verkauft wird..?
    tja…warum enthält reguläre cola pro flasche etwa 40 stück würfelzucker..?
    wird ja keiner gezwungen sowas zu sich zu nehmen 😉

  16. raise schreibt

    Fühl mich im Stich gelassen. Ich habe versucht, mein Bestes zu tun und eine ganze Menge Kohle für Nahrungsergänzungsmittel in der ss ausgegeben – und nun erfahre ich das. Können die einem das nicht früher sagen? – Ich dachte, Folsäure sei ein Vitamin, und die werden doch ausgeschieden, wenn man zu viel davon nimmt, oder nicht?

    Im übrigen verstehe ich nicht, warum reaba die Studie als nicht aussagekräftig zurückweisen kann. Ist die methodisch nicht richtig designed?

  17. Elmar Breitbach schreibt

    @raise: Was bedeutet denn „im Stich gelassen“? Dass zu etablierte Therapien gelegentlich neue Erkenntnisse auftauchen, ist ja nun nichts Neues. Und das auch Vitamine nicht per sé gut nur gut und nebenwirkungsfrei sind, weil es halt Vitamine sind, ist auch keine wesentlich Neugigkeit. Zum Rest des Beitrags müsste sich Reaba äußern

  18. reaba schreibt

    ich halte nicht viel von epigenetik in dieser form, das ist alles.
    statt sich dem individuellen genetischen geschehen zu widmen, werden „kriterien/stoffe/kausale zusammenhänge“ gesucht (oder im versuch einer studie konstruiert) die beweisen sollen, dass der eine umstand (hier folsäure) nun DIE auswirkung auf die gene hat und eine krankheit (hier asthma) nun häufiger auftritt.
    den ansatz finde ich ja ok und das ergebnis ist auch nicht ganz abzustreiten, aber das schöne am genom ist doch: es ist einzigartig, die essenz von individualität -> warum tritt asthma nur in 30% der fälle gesteigert auf (und nicht in 100%)?
    meiner meinung nach, weil es diese individuellen (bisher wohl nicht hinreichend erforschten) genetischen zusammenhänge gibt, die prädispositionen zu erkrankungen ausmachen.
    bevor diese zusammenhänge nicht bekannt und verstanden sind, finde ich es wissenschaftlich ein wenig merkwürdig in diesen unverstandenen zustand substanzen einzubringen und daher „allgemeingültige“ thesen abzuleiten….wie: zuviel folsäure ist schädlich und es entsteht beim ungeborenen eine neigung zu asthma.
    genau das ist falsch, denn es trifft nicht auf alle schwangeren frauen im gleichen maße zu (z.b. welche mit MTHFR, eine störung, die ebenfalls genetisch ist und im wesentlichen dadurch charakterisiert ist, dass ein enzym, das folsäure verwerten kann, nur fehlerhaft im bau, nämlich bei körpertemperatur zerfallend, produziert werden kann).
    die obige studie wäre schon um einiges aussagekräftiger, wenn man bei den probanden zumindest diese genetische voruntersuchung (MTHFR: nicht/heterozygot/homozygot) betrieben hätte.
    scheint man aber nicht gemacht zu haben und daher halte ich die aussagen der studie zwar nicht für gänzlich unzutreffend aber doch für etwas wischiwaschi.

    ach ja: humanoide (bei karnikeln weiß ich es nicht) haben je nach region und feststellender studie einen „durchseuchungsgrad“ mit MTHFR von bis zu 40% heretozygot und bis zu 15% homozygot. in südlichen ländern tritt die störung genetisch häufiger auf als in nördlichen ländern.
    diese zusammenhänge medizinisch relevant zu beforschen finde ich persönlich spannender als epigenetik, eine annäherung an krankheiten vo beiden seiten wäre allerdings das vorstellbare optimum.
    sorry für die relative länge, ich hoffe meine kritik ist nun klarer formuliert.

  19. […] aktuellen Studien zufolge sollte man die Einnahme ab der 16. Schwangerschaftswoche reduzieren oder die Folsäureeinnahme ganz beenden. Nun gibt es eine neue Studie, die auf Netdoktor.de veröffentlicht wurde. Die Untersuchung […]

  20. Buntspecht schreibt

    > warum tritt asthma nur in 30% der fälle gesteigert auf (und nicht in 100%)?

    Warum zerfallen innerhalb von 30 Jahren nur 50% der Caesium-137-Atome?

    Kann schon sein, dass irgendein hochkomplexer Determinismus zugrunde liegt, aber solange wir nicht in der Lage sind, diesen zu entschlüsseln, macht eine Korrelationsanalyse durchaus Sinn.

  21. reaba schreibt

    eine individuelle untersuchung bei kiwu ob und wie man MTHFR gestrickt ist aber auch. besser „panik“ wegen eines manifesten befundes, als aus unkenntnis ein kind mit offenem rücken zu bekommen…wegen „folat-panik“.

  22. […] Schwangerschaftswoche hinaus sinnvoll ist. Möglicherweise ist sie sogar schädlich, wie Ergebnisse einer Studie vor einigen Jahren nahelegt, könnte ein erhöhtes Risiko für Asthma bei den Neugeborenen die Folge […]