Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

Erstmals Geburt nach Gebärmuttertransplantation

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Die Transplantation eines ganzen Organs ist heutzutage bereits Routine, vor allem bei Leber, Herz und insbesondere Nieren. Das Fehlen einer intakten Gebärmutter ist keine lebensbedrohliche Erkrankung und daher ist es nachvollziehbar, wenn die Operationstechniken hier noch nicht so weit sind. Aber dennoch ist der Leidensdruck für Frauen ohne eine funktionierende Gebärmutter hoch genug, um den Versuch der Transplantation von Gebärmüttern zu wagen.

In diesen News wurde bereits verschiedentlich davon berichtet, zuletzte von einer türkischen Patientin, die nach einer Transplantation auf eine erfolgreiche IVF hoffte. Nichts gegen die Kollegen aus der Türkei,aber die Publikationen von Professor Mats Brännström von der Universität Göteburg zu diesem Thema vermittelten schon seit längerem den Eindruck, dass hier jemand mit sehr großer Zielstrebigkeit das Zeil verfolgt, eine funktionierende Gebärmutter zu transplantieren. Auch dazu gab es zuletzt vor 3 Jahren Infos in diesen News.

Insgesamt 15 Stunden Operationszeit

So verwundert es auch nicht, dass diese schwedische Arbeitsgruppe nun über die erste Lebendgeburt nach einer Gebärmuttertransplantation berichten konnte. Diese Nachricht wurde im renommierten „Lancet“ publiziert.

Die 36jährige Frau hatte aufgrund eines sogenannten Mayer-Rokitansky-Küster-Syndroms seit ihrer Geburt keine Gebärmutter. Im letzten Jahr erhielt die Frau nun die Gebärmutter einer 61jährigen Spenderin. Die Operation selbst kann man aus Sicht aller Beteiligten nur als heroisch bezeichnen. Den Operateuren gelang der Eingriff nun nach 10jähriger wissenschaftlicher Vorarbeiten und bereits mehreren fehlgeschlagenen Versuchen. Für die Frauen war der Weg auch kein leichter: Um alle Gefäße und wichtige Nerven der Gebärmutter zu erhalten, dauerte die Entnahme des Uterus bei der Spenderin 10 Stunden, die Implantation bei der Empfängerin 5 Stunden. Schon an diesen Operationszeiten kann man erkennen, dass dieser Eingriff noch weit davon entfernt ist, Routine zu werden und sei es an wenigen spezialisierten Zentren weltweit.

Gebämutter funktioniert. Schwangerschaft durch IVF

3656184801_ce4b3eef45_pregnant43 Tag nach der Operation kam es zu einer ersten Regelblutung und die Patientin entwickelte anschließend einen recht regelmäßigen Zyklus von ca. 32 Tagen. Anschließend wurde mit einer IVF die Schwangerschaft herbeigeführt. Im Vorfeld der Operation hatte die IVF bereits stattgefunden und 11 befruchtete Eizellen konnten eingefroren werden. Es handelte sich also um einen „Single Embryo Transfer“ mit Kryoembryonen. Und es kam gleich zu einer Schwangerschaft. Manchmal braucht es halt auch noch ein wenig Glück,aber in diesem Fall war dies ja auch hart erwarbeitet.

Während der Schwangerschaft wurde die immunsuppressive Therapie (zu Verhinderung einer Abstoßung des fremden Organs) mit Tacrolimus, Azathioprin und Kortikosteroiden fortgesetzt. Milde Abstoßungsreaktionen konnten unterdrückt werden. Aufgrund einer sogenannten „Päeklampsie“ (Im Volksmund auch „Schwangerschaftsvergiftung“) musst das Kind in der 31. Schwangerschaftswoche zur Welt gebracht werden.

Inzwischen ist das Kind nach anfänglicher Betreuung auf der Neugeborenen-Station nach Hause entlassen worden. Wie die Ärztezeitung berichtet steht die

Mutter […] jetzt vor der Frage, ob sie ein weiteres Kind austragen möchte. Andernfalls würden die Ärzte ihr zur Explantation des Uterus raten, um ihr die weitere immunsuppressive Behandlung zu ersparen

Auch keine Entscheidung, die man mal eben so nebenbei fällen kann.


Prof Mats Brännström MD, Liza Johannesson, Hans Bokström, Niclas Kvarnström, Johan Mölne, Pernilla Dahm-Kähler, Anders Enskog, Milan Milenkovic, Jana Ekberg, Cesar Diaz-Garcia, Markus Gäbel, Ash Hanaf, Prof Henrik Hagberg, Prof Michael Olausson, Lars Nilsson
Livebirth after uterus transplantation
The Lancet, Early Online Publication, 6 October 2014 – doi:10.1016/S0140-6736(14)61728-1

Foto von seanmcgrath


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Kommentar

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10 Kommentare
  1. PikaBuh schreibt

    Ich weiss nicht, ob ich begeistert sein soll, dass das gelungen ist oder entgeistert darüber, was Frauen bereit sind auf sich zu nehmen um ein eigenes Kind zu haben.
    Wahrscheinlich bin ich irgendwo dazwischen.

    Krasse Geschichte!

  2. tttxf schreibt

    Ich hätte gedacht, dass bei einer 61-jährigen die Gebärmutter schon zu atroph ist für eine Implantation/Schwangerschaft?

  3. Julia schreibt

    Entweder stehe ich jetzt auf dem Schlauch oder habe etwas überlesen, aber der Sinn der Sinn des Ganzen erschließt sich mir überhaupt nicht.
    Was für eine enorme Belastung, auch für die Spenderin (klingt im Bericht nach einer Lebendspende?), nur weil die Frau ihre Kryos selber austragen wollte und nicht von einer Leihmutter?!?
    Es waren doch wohl ihre eigenen Eizellen, also hätte sie auch ohne eine 5-stündige OP und Immunsuppressiva ein eigenes Kind haben können. Nur eben nicht die paar Monate Schwangerschaft. Aber rechtfertigt das Erlebenwollen der Schwangerschaft wirklich so eine Aktion?

  4. Schokopudding schreibt

    Das ist der Hammer. Wenn man sich das nur mal überlegt: Eine Gebärmutter auf Zeit.

    Aber es muss für diese Frauen ein richtiges Geschenk sein. Von Geburt an ohne Gebärmutter und dann doch ein Kind in sich heranwachsen lassen können.

    Wirklich keine leichte Entscheidung, da noch ein Geschwisterkind zu bekommen oder nicht.

  5. ekis schreibt

    Ich schrieb schon bei der ersten erfolgreichen Schwangerschaft nach Transplantation (wobei es wohl leider doc nicht erfolgreich war, da das Kind ja nicht geboren wurde leider), das ich es nicht gut finde, zu diesem Zeitpunkt schon mit Schwangerschaften zu experimentieren. Bereits beim Einsetzen der Embryonen ist vollkommen klar, dass das Kind nicht reif geboren werden kann. Dass die Geburt bei spätestens SSW 32 stattfinden muss. Im besten Fall! Hier wurde SSW30+xy draus. Das finde ich einfach nicht fair. Wieso kann mannicht weiter forschen, bis eine komplette Schwangerschaft zumindest nicht komplett ausgeschlossen ist? Die Erwachsenen, Spenderin und EEmpfängerin, können ja bitte machen, was sie wollen. Aber ganz bewusst ein Kind zu zeugen, das definitiv ein Frühchen sein wird, finde ich unethisch.

  6. Anja schreibt

    Ein Wunder der Medizin würde ich mal sagen. Das dürfte einigen kinderlosen Paaren evt neue Hoffnung geben doch noch Eltern zu werden. Aber das schon nach der 30-32 SSW abgebrochen werden muss ist wirklich ehr fragwürdig..ingesamt sicher ein sehr schwieriges Thema.

  7. grünhorn schreibt

    Wie kommt ihr denn darauf, dass von vorne herein klar war, dass die Schwangerschaft nicht länger als bis zur 32. Woche dauern würde? Eine Gestose ist ja keine gebärmuttertransplantationsspezifische Schwangerschaftskomplikation.

  8. ekis schreibt

    Das stand in allen Artikeln zur erfolgreichen Schwangerschaft mit transplantierter Gebärmutter. Es war von Anfang sn klar, dass das Kind in der 32. Ssw geholt werden muss, da die Gebärmutter sonst zu stark belastet wird (Abstoßungsgefahr)

  9. grünhorn schreibt

    Ich habe jetzt ein wenig herumgelesen, und die von Dir, Ekis, genannte Aussage nicht gefunden (sondern eben als Grund für das vorzeitige Schwangerschaftsende die Präeklampsie). Aber vielleicht haben wir auch einfach nicht dieselben Artikel gelesen.

  10. […] In diesen Fällen ist das Austragen einer Schwangerschaft nur mit Hilfe einer transplantierten Gebärmutter möglich. Was so einfach klingt – denn heutzutage werden ja viele Organe erfolgreich transplantiert – ist es jedoch nicht. So ist es nicht verwunderlich, dass erst vor zwei Jahren über die erste Geburt nach einer Gebärmuttertransplantation berichtet werden konnte. […]