Erstmals erfolgreich Gebärmutter transplantiert


In einer türkischen Klinik wurde erstmals erfolgreich eine Gebärmutter transplantiert. Nach zwei Monaten konnten noch keine Abstoßungsreaktionen festgestellt werden und die 21jährigen Derya Sert hat den Eingriff gut überstanden. Es trat bereits eine Regelblutung ein, so dass man auch von einer normalen Funktion des Organs in seiner neuen Umgebung ausgehen kann.

Nun ist dies nur ein erster Schritt und man wird abwarten müssen, ob die Gebärmutter eine Schwangerschaft austragen kann. Dieser Eingriff gibt jedoch Anlass zur Hoffnung vielen Frauen helfen zu können, die entweder keine Gebärmutter haben (Mayer-Rokitansky-Küster-Syndrom) oder wegen Myomen oder unzureichender Gebärmutterschleimhaut (z. B. nach Entzündungen und Ausschabungen) eine Schwangerschaft nicht austragen könnten.

Bisher konnte dieser Eingriff nur im Tiermodell erfolgreich durchgeführt werden. Der einzige Versuch am Menschen endete im Jahr 2000 mit einer Abstoßung des Transplantats. In der Zwischenzeit kündigte immer mal wieder eine Arbeitsgruppe an (USA), eine Gebärmuttertransplantation durchzuführen, zuletzt im Frühjahr dieses Jahres (Schweden).

Die Chirurgen um Ömer Özkan haben sich nicht lange mit Ankündigungen über die Presse aufgehalten, sondern es „einfach“ gemacht. Am 9. August führten sie die Operation im Universitäts-Krankenhaus Akdeniz bei Antalya durch. Sie sind auf dem Gebiet der wiederherstellenden Chirurgie bei Fehlbildungen des weiblichen Genitals sehr erfahren und haben dazu immer wieder Arbeiten in wissenschaftlichen Journalen publiziert.

Im Gegensatz zu dem Eingriff aus dem Jahre 2000 und auch der Ankündigung Anfang dieses Jahres, wo eine Übertragung von der Mutter auf die Tochter geplant ist, wurde im aktuellen Fall die Gebärmutter einer verstorbenen Spenderin verwendet. Technisch gesehen hat dies den Vorteil, dass man bei der Entnahme mehr Gewebe entnehmen kann und dadurch eher in der Lage ist, wichtige Gefäße großzügiger freizulegen und damit die Blutversorgung des Transplantats zu gewährleisten.

Die Patientin macht sich gegenwärtig keine Gedanken um die Unwägbarkeiten einer späteren Schwangerschaft: „Ich wäre glücklich, wenn ich Frauen in derselben Situation Hoffnung geben könnte. Ich wünsche mir, dass auch sie ihren Traum verwirklichen können.

Drücken wir ihr die Daumen, dass zunächst einmal sie selbst für ihren Mut belohnt wird, diesen Ersteingriff über sich ergehen zu lassen.

Via AFP


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Kommentar

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10 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    herzlichen glückwunsch und der empfängerin wünsche ich natürlich eine tadellose funktion des organs!

    als adenomyosis-patient weiß ich, wovon sie profitiert 🙂

  2. Elmar Breitbach
    daniguni schreibt

    Das ist ja klasse!

  3. Elmar Breitbach
    Aurifex schreibt

    Verstehe ich das richtig, dass im Vorfeld eine IVF gemacht wurde und Embryonen eingefroren wurden? Weil der Übergang zwischen Eileiter und Gebärmutter schwierig oder nicht möglich ist?
    Ich drücke ihr auf alle Fälle die Daumen

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Aurifex: Ja, so wurde es in diesem Bericht ausgeführt. Obwohl dies theoretisch nicht notwendig ist, könnte es sein, das man sich aufgrund der Operation nicht sicher war, ob die Eizellproduktion anschließend noch unbeeinträchtigt ist und der Auffangmechanismus der Eileiter funktioniert.

  5. Elmar Breitbach
    Buntspecht schreibt

    @Herr Breitbach: Das sind sehr erfreuliche Neuigkeiten, insbesondere für MRKS-Patientinnen. Ich hätte aber mal eine kurze Off-topic-Frage: Mit unzureichender GMS nach Ausschabungen ist ja vermutlich Asherman gemeint. Wie ist hier eigentlich die Inzidenz? Manche Gynäkologen behaupten ja, sie hätten in ihrem gesamten Berufsleben noch nie einen derartigen Fall erlebt …

  6. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Buntspecht: Ich staune 😉 Und ich hoffe, dass Ihre Frau da keine entsprechenden eigenen Erfahrungen hat. In der Tat meine ich das Ashermann-Syndrom. Da man in der Kinderwunschpraxis naturgemäß selektiertes "Patientengut" hat, habe ich im Rahmen von Gebärmutterspiegelungen sicherlich bereits > 10 solcher Befunde erheben müssen.

    Dass andere Gynäkologen so etwas noch nie gesehen haben liegt zu einen daran, dass es in der Durchschnittsbevölkerung sehr viel seltener ist als bei Kinderwunschpatientinnen zum anderen daran, dass man diese Diagnose nur mit einer Gebärmutterspiegelung darstellen kann. Ich behaupte mal, dass diese Aussage der Gynäkologen vor allem an letzterem liegt.

  7. Elmar Breitbach
    Buntspecht schreibt

    @Herr Breitbach: Danke. Nein, meine Frau ist nicht davon betroffen. Es gab aber mal einen Artikel im Spiegel dazu. Als meiner Frau dann selbst eine Ausschabung nach einer FG empfohlen wurde, sprach sie ihre damalige FÄ darauf an. Die hat das allerdings als eine Art Urban Legend dargestellt.

  8. Elmar Breitbach
    Vanillepudding schreibt

    Wow! Hoffentlich klappt es mit der Austragung eines Kindes. Das wäre wirklich für viele Frauen ein Traum. *dd*

  9. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    naja, buntsprecht und doc, es hapert ja bei den meisten gyns schon an der ultraschall-sonde… wie soll ein gyn denn eine gesund aufgebaute, ruhige, dreischichtige gms feststellen? durch betasten rektal? iris-diagnostik?

    mich als endopatientin hat das immer sehr gestört, dass die meisten gyns sowas nicht haben und damit auch keinen eierstockkrebs oder so erkennen können. wie kann man so ignorant sein?

    da ist ashermann noch der seltenste befund. möchte nicht wissen, wie viele eierstockkrebs-erkrankungen wegen fehlenden durchblicks zu spät erkannt werden….

    wir sind schon ein "besonderes kollektiv", wir durchleuchteten und durchgetesteten kinderwunsch-patienten….

  10. Elmar Breitbach
    Svetlana Knoll schreibt

    Guten tag, ich hab eine Frage mir wurde vor Jahren die Gebärmutter entfernt aber sonst ist alles da und in ordung, wie viel würde eine gebärmutter Transplation kosten und wo?