Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

Embryos sind wie Gemüse – TK ist oft besser als frisch.*

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Dies gilt zumindest für die Eizellen von Frauen mit einem PCO-Syndrom, wie das Ärzteblatt berichtet.

Die Schwangerschaftsraten mit frischen Embryonen sind in den Statistiken der deutschen IVF-Zentren deutlich besser als mit zuvor eingefrorenen, wie aus den Daten des Deutschen IVF-Registers von 2014 zu entnehmen ist: Kryo-Embryotransfer (23,53%), IVF (32,69%), ICSI (30,76%) . Auch wenn die Erfolgsraten durch verbesserte Einfriertechniken in den letzten Jahren gestiegen sind, so  ist dieses Phänomen fortbestehend und der Eintritt einer Schwangerschaft nach dem Transfer eines „frischen“ Embryos besser als mit zuvor eingefrorenen.

Spezielle Situation beim PCO-Syndrom

Frauen mit einem sogenannten PCO-Syndrom haben jedoch andere hormonelle Voraussetzungen, die oft zu einer sehr deutlichen Überreaktion der Eierstöcke auf die verabreichten Hormone einhergeht. Die dadurch erreichten Eizellzahlen und Östrogenspiegel sind somit meist höher als bei Frauen, die von diesem Syndrom nicht betroffen sind. Diese hohen Östrogenwerte scheinen einen negativen Einfluss auf die Gebärmutterschleimhaut zu haben.

Tiefkuehlkost
Die Vorteile bei tiefgekühlten Lebensmitteln liegen oft auf der Hand. In manchen Fällen gilt dies auch für menschliche Eizellen

Hohe Östrogenwerte können Einistung stören

Bereits im Jahre 2005 konnte eine chinesische Arbeitsgruppe zeigen, dass hohe Östrogenspiegel einen negativen Effekt auf die Einnistung der Embryonen haben können. In einer retrospektiven Untersuchung fand sich in drei Gruppen mit unterschiedlich hohen Östrogenspiegeln eine signifikante Verschlechterung der Erfolgsraten in der Gruppe mit dem höchsten Östrogenspiegel. Dies galt jedoch nur für die frischen Transfers im Punktionszyklus. Es zeigte sich kein Unterschied, wenn zuvor eingefrorene Embryonen eingepflanzt wurden. Die Schlussfolgerung der Studie von 2007 war daher, dass hohe Östrogenspiegel die Aufnahmefähigkeit der Gebärmutterschleimhaut behindern können, jedoch keinen negativen Einfluss auf die Qualität der Eizellen und Embryonen haben. Den Artikel hatten wir damals auch in unseren News, mehr dazu hier.

Große Studie mit PCO-Patientinnen

Während die oben genannte Studie eine unselektierte Stichprobe von Patienten untersuchte, befasst sich die aktuelle Studie speziell mit PCO-Patientinnen, deren Risiko für hohe Östrogenwerte und Eizellzahlen deutlich erhöht ist. An 14 IVF-Zentren (darunter auch die Autoren der o. g. Studie) wurden insgesamt 1.508 Frauen mit PCO-Syndrom für den ersten Zyklus einer IVF in zwei Gruppen eingeteilt. Eine erhielt einen frischen Transfer am dritten Tag nach der Punktion, bei den anderen wurden die befruchteten Eizellen zunächst sämtlich eingefroren und erst in einem späteren Zyklus transferiert.

49,3 % der Frauen bekamen nach einem Kryotransfer ein Kind. Dies war signifikant höher als nach Verwendung von frischen Embryonen. Hier kam es nur in 42,0 % zur Geburt. Neben der verbesserten Einnistung fand sich auch eine niedrigere Fehlgeburtenrate nach den Kryotransfers: 22,0 % gegenüber 32,7 %. Schwangerschaftskomplikationen (Präeklampsien vor allem) traten nach Kryotransfers häufiger auf, jedoch ohne die Gesundheit der Kinder signifikant zu gefährden.

Konsequenz: Immer alles bei allen einfrieren?

Für wen sind die Ergebnisse dieser Studie wichtig, bei welchen Patientinnen sollte man also alle befruchteten Eizellen einfrieren? Letztlich sind Erklärungen für die Ergebnisse spekulativ, aber die Autoren der Studie nehmen an, dass die hohen Östrogenwerte den Unterschied ausmachen – ein Zusammenhang, der so ja bereits in der Studie von 2007 angenommen werden konnte.

Daher muss weiterhin angenommen werden, dass der frische Transfer bei Frauen mit vergleichsweise niedrigen Östrogenwerten und Eizellzahlen weiterhin der Vorzug gegeben werden sollte.

* Dank für die Überschrift an Alexandra Preis 😉

Chen ZJ, Shi Y, Sun Y, Zhang B, Liang X, Cao Y, Yang J, Liu J, Wei D, Weng N, Tian L, Hao C, Yang D, Zhou F, Shi J, Xu Y, Li J, Yan J, Qin Y, Zhao H, Zhang H, Legro RS
Fresh versus Frozen Embryos for Infertility in the Polycystic Ovary Syndrome.
N Engl J Med. 2016 Aug 11;375(6):523-33. doi: 10.1056/NEJMoa1513873.

Foto von Person Behind the Scenes


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