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Wissenschaft

Einnistungsspritze reloaded

Immer mal wieder gibt es Neuigkeiten zur sogenannten „Einnistungsspritze“. Dabei handelt es sich um eine Injektion eines sogenannten GnRH-Agonisten ca. 1 Woche nach der Punktion. Diese Medikamente werden üblicherweise zur Unterdrückung des Eisprungs bei der künstlichen Befruchtung angewendet. Wird es jedoch einmalig gegeben, dann führt es zunächst einmal erst zu einer Ausschüttung der Hormone der Hirnanhangsdrüse, welche dann die Gelbkörperhormonproduktion anregen.

Jedoch vermutet man auch eine direkte Wirkung auf die Gebärmutterschleimhaut. Das ist zumindest die Theorie dahinter, in der Praxis sind die Ergebnisse jedoch uneinheitlich. Eine Studie aus 2006 (prospektiv, randomisiert und placebokontrolliert – so wie man es gerne hat) kam zu einer erhöhten Quote nach der Gabe von Decapeptyl in der zweiten Zyklushälfte. In allen Fällen wurde hier das Antagonisten-Protokoll verwendet.

Eine weitere Studie aus dem Jahre 2008 beinhaltete ebenfalls fast 600 Patientinnen, die jedoch mit dem langen Protokoll behandelt wurden. Das Ergebnis dieser Studie war ernüchternd, eine Verbesserung der Schwangerschaftsraten fand sich hier nicht.

Das ist naheliegend, da bei Anwendung des langen Protokolls die Hirnanhangsdrüse ja bereits runterreguliert ist und auf die neuerliche Gabe des GnRH-Agonisten nicht mehr reagieren kann. Wenn man also von hypothetischen direkten Wirkungen auf die Gebärmutterschleimhaut absieht, ist dieses Ergebnis beim langen Protokoll nicht weiter verwunderlich.

Eine türkische Studie aus dem letzten Monat bestätigte diese Tendenz. Hier wurden mehr als 160 Frauen untersucht, die sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen und mit einem Antagonisten-Protokoll vorbehandelt wurden. Eine Gruppe von Patienten erhielt nur Gelbkörperhormone zur Unterstützung der Gelbkörperphase, die andere zusätzlich eine einmalige Injektion eines GnRH-Agonisten 6 Tage nach der Punktion.

Die türkischen Wissenschaftler beobachteten eine signifikant höhere Schwangerschaftsrate bei den Frauen, welche die Einnistungsspritze erhielten sowie eine höhere Implantationsrate (= mehr Mehrlinge). Und auch der bedeutsamste Parameter, nämlich die Rate an Lebendgeburten war in dieser Gruppe höher.

Zu bemängeln ist, dass kein Plazebo gegeben oder viel interessanter noch, kein Vergleich mit der oft gegebenen hCG-Spitzen zur Verbesserung der Gelbkörperhomonproduktion durchgeführt wurde. Persönliche Erfahrungen zeigen gegenüber letzterem nämlich keine nachvollziehbaren Verbesserungen der Erfolgsraten.

Isik AZ, Caglar GS, Sozen E, Akarsu C, Tuncay G, Ozbicer T, Vicdan K
Single-dose GnRH agonist administration in the luteal phase of GnRH antagonist cycles: a prospective randomized study.
Reprod Biomed Online. 2009 Oct;19(4):472-7.

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Kommentare

1 Kommentar für “Einnistungsspritze reloaded”

  1. Also, ein konkreter Vergleich der GnRH-Gabe in der 2. Zyklushälfte mit einer HCG-Gabe würde mich auch interessieren. Denn das ist ja auch eine Kostenfrage zum einen, zum anderen greifen die GnRH-Agonisten wesentlich langfristiger in den natürlichen Zyklus ein als die HCG-Spritzen. Aber das scheint wohl niemanden ausreichend zu interessieren, so dass man daraus eine Studie finanzieren könnte.


    Geschrieben von Lectorix am 10. Dezember 2009 um 13:12

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